Fast ein Drittel der Weltbevölkerung wächst in einem christlich geprägten Kulturumfeld auf - in der westlichen Hemisphäre ist der Einfluss des Christentums besonders stark. Da wundert es nicht weiter, dass der Geburtstag Jesu Christi den meisten Menschen auf der Welt als Weihnachten ein Begriff ist. Inklusive aller Traditionen und Symbole. Nur: Warum stellt man zu Weihnachten überhaupt einen Baum auf? Woher der Adventskranz und die Lichterketten? Was könnte all das mit der Geburt des Messias am 25. Dezember zu tun haben?

Jesus wurde nicht an Weihnachten geboren

"Zunächst einmal", sagt Axel Ebert, Kirchenrat und Leiter der missionarischen Dienste bei der evangelischen Landeskirche Baden, "ist die Geburt des historischen Jesus von Nazareth keineswegs auf den 25. Dezember festgelegt. Zu seinen Lebzeiten in der Antike wurden Geburtstage nur sehr selten erfasst, höchstens von Kaisern oder Adeligen." Die Geburt des Sohnes eines Zimmermanns würde es wohl kaum in antike Register schaffen. Wann ist er also wirklich geboren?

Axel Ebert, Kirchenrat und Leiter der missionarischen Dienste der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Axel Ebert, Kirchenrat und Leiter der missionarischen Dienste der Evangelischen Landeskirche in Baden (Sitz Karlsruhe). | Bild: Evangelische Landeskirche Baden

"Die Anhaltspunkte, wann der historische Jesus geboren ist, sind sehr spärlich. Aber man kann beispielsweise aus den Evangelien - besonders dem zu Weihnachten viel zitierten Lukasevangelium - herleiten, dass die Geburt Christi nach damaligen Vorstellungen eher im Sommer lag. Dass sich Schafe und Hirten nächtelang im Freien aufhielten, ist meines Wissens nach auch im Jordanland im Winter unüblich", erklärt der Kirchenrat. Um genauere Daten bemühten sich frühchristliche Quellen allerdings nur wenig.

Über 20 Geburtstermine für den Messias?

"In den ersten Jahrhunderten des Christentums spielte die Geburt Jesu eigentlich keine große Rolle", sagt Ebert. "Zu dieser Zeit fokussierte man sich deutlich stärker auf die Auferstehung. Geburtstermine wurden im Nachhinein berechnet oder hinzugedichtet. Ursprünglich gab es fast 20 Termine, zu denen Jesus geboren sein soll." Einige dieser Daten fänden in verschiedenen Konfessionen noch immer Beachtung.

Die Krippe im Streichelzoo des Zoologischen Stadtgartens.
Die Krippe im Streichelzoo des Zoologischen Stadtgartens stellt die Geburt Jesu dar. | Bild: Stadt Karlsruhe

"Lange Zeit wurde das Geburtsdatum auf den 6. Januar gelegt. In einigen Ausrichtungen der orthodoxen Kirche im slawischen Raum wird dieser Tag noch immer als der Geburtstag des Messias gefeiert", so Ebert. Natürlich sei der weltweit verbreitetste Termin der 25. Dezember. "Warum das so ist, ist auch hier nicht abschließend geklärt. Die plausibelste Theorie geht davon aus, dass er aus der Zeit des Römischen Reiches stammt."

Sol Invictus - Der Sonnengott

Das Römische Reich war eine der wichtigsten Triebkräfte bei der Verbreitung des Christentums. Entsprechend wurde die Weltreligion auch von altrömischer Kultur beeinflusst. "Die Wintersonnenwende und damit verbunden ein Fest für den Sonnengott Sol Invictus wurde im antiken Rom am 25. Dezember gefeiert", erklärt Ebert. "Man kann davon ausgehen, dass dieser beliebte Feiertag zur Verbreitung des Christentums einfach umgedeutet wurde."

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Auf diese Weise konnte man schon vorhandene Bräuche nutzen, um die Religion zu verbreiten. "Sol Invictus bedeutet 'das unbesiegbare Licht', was die Rückkehr der Sonne zur Wintersonnenwende symbolisieren soll. Das passt auch sehr gut in den christlichen Kanon. Immerhin sagt der biblische Jesus selbst von sich, er sei das Licht der Welt", meint der Kirchenrat weiterhin.

Diese Lichtsymbolik ziehe sich durch das gesamte Christentum - speziell durch das Weihnachtsfest. Denn auch Bräuche wie aufgehängte Lichterketten, der Weihnachtsbaum oder der Adventskranz rühren ursprünglich aus dieser Richtung.

Der Adventskranz - eine deutsche Tradition

"Der erste Adventskranz wurde 1839 in Hamburg gefertigt - es ist also eine deutsche Tradition", erklärt Ebert. "Zu dieser Zeit war die Industrialisierung in vollem Gange, unzählige Leute zogen vom Land in die Stadt und unter den Arbeitern wuchs das Elend. Ein Geistlicher namens Johann Hinrich Wichern gründete zu dieser Zeit ein Kinderheim namens 'raues Haus' um Jungen und jungen Männern zu helfen", sagt er weiterhin.

Adventskranz
Bild: Myriams-Fotos/pixabay

"Innerhalb dieses Kinderheims stellte er also 1839 einen Adventskranz auf, um mit immer mehr Licht Vorfreude auf die Weihnachtszeit zu schüren. Der erste Adventskranz hatte noch 24 Kerzen und jeden Tag wurde eine neue entzündet. Da sieht man schon die Brücke zum Adventskalender. Heute beschränken sich die Adventskränze natürlich eher auf vier Kerzen für vier Sonntage vor Weihnachten", so Ebert. Die Idee sei allerdings noch immer dieselbe.

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"Mit jeder angezündeten Kerze nimmt das Licht zu und es wird die Hoffnung auf die Nähe zu Jesus, zu Gott und über Umwege auch auf die Rückkehr der Sonne geschürt", erklärt er. Eine Tradition, die auch auf eine andere Weise gepflegt wurde. Etwa in Form eines Baumes.

Weihnachtsbäume - Ein selbstverständliches Mysterium

"Ein von mit immer mehr Kerzen erleuchteter Weihnachtsbaum markierte damals den Höhepunkt der Vorfreude und die Ankunft der Weihnachtszeit", sagt der Kirchenrat. "Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Weihnachtsbäume dann richtig populär. Heute, mit elektrischem Strom funkelndem Schmuck ist diese Tradition natürlich ein wenig anders, aber damals war es ein Erlebnis, den Baum in immer mehr Licht erstrahlen zu sehen." Die Tradition des Weihnachtsbaumes sei dabei nicht nur in dieser Form überliefert, sondern sogar deutlich älter.

(Symbolbild)
(Symbolbild)

"Hier weist die Überlieferung wieder ein paar Lücken auf und es gibt verschiedene Theorien, wann der Brauch des Weihnachtsbaumes entstanden sein könnte. Beispielsweise könnte er im ersten Jahrhundert aus den Traditionen des Mithras-Kultes hervorgegangen sein. Das war ein weiterer im antiken Rom vertretener Sonnengott, dessen Anhänger sich Bäume in den Garten stellten", so Ebert.

"Im Weihnachtsbaum laufen viele kulturelle Linien zusammen"

"Genauso existiert die Vermutung, dass man sich im Mittelalter einen heidnischen Brauch zu eigen gemacht hat, sich im Winter, wo alles tot ist und erfriert, grüne Zweige ins Haus zu holen. Diese sollten Hoffnung auf den Frühling symbolisieren und die einzigen Zweige, die im Winter von Natur aus grün sind, sind hierzulande nun einmal Tannenzweige. So könnte die Tradition der Tannenbäume im Haus nach und nach im Weihnachtsfest verwachsen sein", erklärt er.

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Das sei aber nicht die einzige Bedeutung, die dem Weihnachtsbaum zugeschrieben werden könnte. "Theologisch wurde ein Weihnachtsbaum in früheren Zeiten auch mit dem Baum des Lebens aus dem Paradies verbunden. Immerhin grünt er auch im Winter und scheint das ganze Jahr über Leben zu versprühen", so Ebert. "Das sind aber nur einige Ansätze. In einer Tradition wie dem Weihnachtsbaum laufen  viele kulturelle Linien zusammen."

"Man versteht die eigene Kultur und Geschichte besser"

Das gelte allgemein für fast alle Traditionen und Symbole, die das Weihnachtsfest begleiten. Viele sind so selbstverständlich, dass ihr Ursprung und ihre eigentliche Bedeutung kaum noch echte Beachtung finden. "Es gibt aber auch Traditionen über die ich nichts Genaueres weiß, etwa die Weihnachtspyramide. Andere Traditionen, wie die Krippe sind dafür wieder relativ offensichtlich, da sie direkt Szenen aus der Weihnachtsgeschichte darstellen", so Ebert.

Weihnachtsmarkt Aufbau Karlsruhe 2021
Warum jährlich eine Weihnachtspyramide aufgestellt wird? Dazu hat der Kirchenrat keine genaueren Informationen. | Bild: Thomas Riedel

Grundsätzlich sei der Kirchenrat aber der Meinung, dass es sich immer lohne, genauer über die Traditionen, die einen umgeben nachzuforschen. "Wenn man weiß, warum die Dinge sind, wie sie sind, versteht man die eigene Kultur und Geschichte plötzlich ein ganzes Stück besser."

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