Die Pandemie hat im März und April den Verkehr auf den Kopf gestellt. Als das Corona-Virus in Karlsruhe um sich griff, haben die Menschen vor allem die Busse, Stadt- und Straßenbahnen in der Stadt gemieden. Rund 80 Prozent weniger Fahrgäste waren mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs.

Und das hatte einen guten Grund: Um die Infektionswelle abzufedern, wurden die Bürger dazu aufgerufen, Bus und Bahn zu meiden. Unterdessen hatten die Verkehrsbetriebe ihre Fahrpläne drastisch reduziert.

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
In der Corona-Krise wurden die Fahrpläne reduziert. | Bild: Thomas Riedel

Ob die Menschen in diesen Wochen aus Angst vor einer Ansteckung vermehrt auf das Auto und das Rad zurückgegriffen haben? Sicher lässt sich das nicht sagen: "Es liegt keine flächendeckende Datenerfassung vor, die diese These bestätigt", teilt die Stadt Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de mit. 

Andere Städte lassen "Pop-up-Radwege" entstehen

Stichprobenartige Verkehrszählungen bringen dennoch etwas Licht ins Dunkel: In der Woche nach dem Shutdown Ende März waren rund 60 Prozent weniger Autos auf den Karlsruher Straßen unterwegs als zuvor. Auch der Radverkehr hatte in dieser Zeit abgenommen: Ein automatischer Radzähler in der Innenstadt Karlsruhes verzeichnete einen Rückgang in der Größenordnung von etwa 50 Prozent.

Abgestellte Fahrräder
Fahrradfahren birgt in Zeiten der Pandemie viele Vorteile. | Bild: Thomas Riedel

Doch: Fahrradfahren kann in Zeiten der Pandemie viele Vorteile auf sich vereinen. Durch eine Entlastung des ÖPNV sinkt die Ansteckungsgefahr und die körperliche Betätigung stärkt das Immunsystem.

Andere Städte wie Berlin, Stuttgart oder München haben diese Chance des Radverkehrs erkannt und spontan ihr Radnetz ausgeweitet. An allen Ecken und Enden der Städte sind sogenannte "Pop-Up-Radwege" - temporäre Radfahrstreifen - aus dem Boden gesprießt. 

"Pop-Up-Fahrradstrecken sind gerade jetzt eine großartige Alternative"

In der Fahrradstadt Karlsruhe war von Corona-Pop-Up-Radwegen jedoch keine Spur zu sehen. Aus diesem Grund haben Ende Mai unter anderem Greenpeace, das KlimaKollektiv Karlsruhe und Fridays For Future demonstriert. Über 250 Menschen haben sich laut den Veranstaltern zu einer "Fahrraddemo" auf dem Friedrichsplatz versammelt. 

Fahrraddemo in Karlsruhe Ende Mai
Fahrraddemo in Karlsruhe Ende Mai. | Bild: KlimaKollektiv Karlsruhe

"Für den Fahrradverkehr sind gerade in der Zeit der Corona-Krise Pop-Up-Fahrradstrecken eine großartige Alternative", so Fridays For Future auf Nachfrage von ka-news.de. So könne das Radfahren in dieser Zeit für alle attraktiver gestaltet werden und von vielen Bürgern für sich entdeckt werden. Die Umweltschützer des KlimaKollektives fordern darüber hinaus analog zu der zuletzt diskutierten Autoprämie eine Kaufprämie für Fahrräder. 

Karlsruhe baut Radnetz aus

Bundesweite Kaufprämien sind das eine, doch wie könnte der Radverkehr in Karlsruhe gestärkt werden? Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat hierbei ganz konkrete Vorschläge: "Die Umwidmung von einer Autospur in eine Radspur, beispielsweise an der Karlstraße." Darüber hinaus fordern sie zusätzliche Hilfen für den Radwegeausbau in finanzschwächeren Gemeinden im Umland.

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Auch wenn die Stadt Karlsruhe in der Corona-Zeit nicht wie andere Städte "Pop-Up"-Fahrradstreifen aus dem Hut gezaubert hat, geht der Radwegeausbau dennoch stetig weiter. "Wir arbeiten flächendeckend am Ausbau des Radnetzes", sagt Ulrich Wagner vom Stadtplanungamt im Gespräch mit ka-news.de. Derzeit werden vor allem die Radrouten in die einzelnen Karlsruher Stadtteile erweitert.

 

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