Derzeit beträgt die Lagerfläche der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe, Rückbau- und Entsorgungs-GmbH (WAK) 77.500 Kubikmeter für schwach- und 850 Kubikmeter für mittelradioaktive Abfälle. Doch der Platz wird knapp: Endgültig sei der Müll für das vom Bund geplante Endlager im Schacht Konrad bei Salzgitter (Niedersachsen) vorgesehen.

Die Fertigstellung des Endlagers ist für 2023 geplant. Da das Bundesendlager noch nicht in Betrieb ist und keine Abtransporte möglich sind, muss der Atommüll in Karlsruhe gelagert werden. "Zur Aufrechterhaltung der Arbeiten in den Rückbauprojekten sind Lagererweiterungen notwendig", äußert sich die WAK.

17 Meter hoher Abluftkamin geplant

Zwei neue Gebäude sollen den Platzmangel der Wiederaufbereitungsanlage auf dem Campus Nord des Karlsruher Instituts für Technologie beheben: Das Lagergebäude L566 und die KONRAD Logistik-/Bereitstellungshalle L567. Ersteres soll eine Grundfläche von 1.521 Quadratmetern und eine Höhe von elf Metern haben, inklusive einem 17 Meter hohem Abluftkamin. Die Logistikhalle wird mit 2.691 Quadratmetern und 22 Metern Höhe geplant. Das geht aus der aktuellen Vorprüfung zur Umweltverträglichkeit hervor. Sie ist Teil des Genehmigungsverfahrens, wurde im März beauftragt und im August auf der Homepage des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg veröffentlicht.

Im Lagergebäude L566 soll mit mittel-radioaktiven Abfällen in Form von konditionierten Abfallprodukten, vorbehandelten Zwischenprodukten und unverarbeiteten Reststoffen umgegangen werden. Die KONRAD Logistik-/Bereitstellungshalle L567 ist ein Gebäude zur Transportbereitstellung von verpackten radioaktiven Abfällen zur Abgabe an ein Bundesendlager. In dieser Halle soll ausschließlich mit umschlossenen schwach-radioaktiven Stoffen gearbeitet werden. Das Gebäude soll laut Bericht einen Anlieferungsbereich, einen Vergießbereich, einen Verladebereich mit Gleisanschluss sowie einen Technik- und Sozialbereich umfassen.

Keine Erhöhung an radioaktiven Stoffen

Die Gesamtumgangsmenge an radioaktiven Stoffen soll durch die neuen Gebäude nicht erhöht werden, heißt es im Bericht. Dieser Punkt sorgt bei der Bürgerinitiative Müll und Umwelt Karlsruhe für Unmut: Sie kritisiert in einem öffentlichen Schreiben vom 10. September die Vorprüfung der Umweltverträglichkeitsuntersuchung und fordert eine Öffentlichkeitsbeteiligung mit Erötertungstermin. Diese ist laut Umweltministerium bislang nicht vorgesehen, da "im Rahmen der Vorprüfung festgestellt wurde, dass für das beantragte Vorhaben keine Verpflichtung zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung besteht", so ist es in der öffentlichen Bekanntmachung zu lesen.

"Bei dem anderen Gebäude waren die erlaubten Mengen so hoch angesetzt, dass sie anscheinend bei weitem nicht ausgenutzt wurden", argumentiert die Bürgerinitiative, "also wird man mit der zusätzlichen Abgabe eben den erlaubten Spielraum höher ausnutzen und damit effektiv die Abgabe von Radioaktivität erhöhen." Der Vorwurf: Das für das Gutachten verantwortliche Öko-Institut rechne die Strahlenbelastung so lange auf realistische Randbedingungen herunter, bis es passe.

Bürgerinitiative will Öffentlichkeitsbeteiligung

In der abschließenden Gesamteinschätzung in Bezug auf Umweltauswirkungen erwartet das Öko-Institut "keine erheblichen nachteiligen Auswirkungen auf die im Umfeld vorhandenen Schutzgüter". Eine Umweltverträglichkeitsprüfung hält es für nicht erforderlich. "Das darf nicht sein", entrüstet man sich bei der Bürgerinitiative, "es ist bereits das fünfte Mal, dass das Öko-Institut Grün-Rot die Vorlage liefert, um die von der Landesregierung so viel beschworene Bürgerbeteiligung einfach zu streichen. Wir fordern eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung und Öffentlichkeitsbeteiligung mit Erörterungstermin."

Die WAK GmbH will sich in der kommenden Woche zu den geplanten Neubauten äußern, heißt es auf Nachfrage von ka-news. Auf die Nachfrage zum aktuellen Stand der rostigen Fässern auf dem Gelände der Wiederaufbereitungsanlage, verweist die Anlage auf eine Pressemitteilung im November 2014. Im März blockte die Anlage eine schnellere Inspektion der rund 65.000 Fässer ab. Damals waren unter den 20.000 kontrollierten Fässern mit Atommüll rund 2.000 beschädigte Behältnisse festgestellt worden, jedoch ohne Kontamination auf der Außenfläche. Sie werden seit Jahren routinemäßig untersucht und bei Bedarf neu verpackt.

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