Was ist denn da am Friedrichsplatz los? Bürgermeister Michael Obert hält, mit einem Schild bewaffnet, Fahrradfahrer an und übergibt ihnen nach einem kurzen Gespräch einen Fahrradhelm. Das Ganze ist Teil einer neuen Sicherheitskampagne der Stadt. Das Motto: "Tu's aus Liebe".
New York, London und jetzt Karlsruhe
Hinter "Tu's aus Liebe" versteckt sich eine Helmaktion, bei der für das Tragen von Radhelmen geworben werden soll. "Wir wollen keine Helmpflicht", betont Obert dabei, "Wir wollen dazu animieren, freiwillig einen Helm zu tragen. Ohne erhobenen Zeigefinger."
200 Helme hat er darum im Gepäck, 100 davon will er zunächst am Friedrichsplatz an Radler verschenken, die ohne Kopfschutz unterwegs sind. Unterstützt wird er dabei von Lisa Schlegl, einer Schauspielerin am Badischen Staatstheater - und einer begeisterten Radfahrerin. Auch die verbleibenden Helme sollen noch an den Mann und die Frau gebraucht werden. Wo soll allerdings eine Überraschung bleiben.
Die Idee ist allerdings nicht ganz neu: Wie Michael Adler von der Agentur "fairverkehr" bestätigt, gibt es ähnliche Aktionen bereits in anderen großen Städten wie New York, London oder Adelaide, bei denen Polizisten Fahrradhelme verschenkt hätten. In Deutschland hingegen sei diese Idee neu.
Mögliche Helmpflicht: "Wir machen uns da keine Illusionen"
Vor allem in Amsterdam oder in Kopenhagen haben die Menschen laut Adler ein anderes Verhältnis zum Fahrradhelm. Der Helm sei hier mehr als nur ein "Sicherheitstool", sondern Zeichen eines gewissen Lifestiles. Mit der Aktion "Tu's aus Liebe" sollen nun auch die Karlsruher ein anderes Verhältnis zum Radhelm entwickeln. "Wir wollen den Fahrradhelm nicht mit Gefahren in Verbindung bringen", erklärt Adler.
Daher hält auch er wenig von einer generellen Hempflicht: "Am sichersten ist es, wenn viele Fahrradfahrer unterwegs sind. Eine Helmpflicht könnte viele vom Radfahren abschrecken", so Adler. Vielmehr wolle man mit dieser Aktion zum freiwilligen Tragen animieren und so den Spaß am Radfahren erhalten.
Dennoch hätte man realistische Erwartungen, wie Bürgermeister Obert erklärt: "Wir machen uns da keine Illusionen, dass auf einmal 70 Prozent der Radfahrer einen Helm tragen - Aber wir können die Akzeptanz zum Helmtragen erhöhen." Das Ziel der Stadt Karlsruhe ist es nach eigenen Angaben vielmehr, die Zahl mit schwer verletzten Radfahrern um 25 Prozent zu senken.
Polizei befürwortet Helmpflicht: "Helmtragen tut nicht weh"
Und das ist angesichts der Zahlen auch durchaus angebracht: "Wir haben immer mehr Fahrradfahrer in Karlsruhe", erklärt er im Gespräch im ka-news. "Während die Unfallzahlen weder zu- noch abgenommen haben, ist der Radfahreranteil von 16 auf 25 Prozent gestiegen."
Auch die Polizei begrüßt diese Aufklärungsaktion, wie der erste Hauptkommissar Wilfried Fritsch gegenüber ka-news bestätigt. An sich befürworte er die Einführung einer generellen Helmpflicht. "2013 hatten wir 52 verkehrstote Radfahrer. 70 Prozent hatten keinen Helm auf", so Fritsch, "Wir appellieren daher an die Vernunft der Radfahrer. Helmtragen tut nicht weh."
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