Wie bereits in der Woche zuvor, ist die Intensivstation im Städtische Klinikum voll mit Corona-Patienten. Ein "komplett diffuses Infektionsgeschehen", sei dafür verantwortlich, das inzwischen sämtliche Altersschichten durchdrungen habe. 

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So sind auf der Covid-Allgemeinstation 23 Personen untergebracht, auf der Intensivstation werden neun Personen versorgt. Davon müssen drei beatmet werden. Auch ein Kind befindet sich auf der Corona-Normalstation. Grund hierfür ist die Corona-Mutation B117, auf die inzwischen alle positiven Testergebnissen des Klinikums zurückzuführen sind.

So sind insgesamt drei Stationen für Covid-Patienten reserviert und eine für Covid-Intensivpatienten. Und letztere sind enorm "betreuungsaufwendig" - selbst ohne künstliche Beatmung.

Intensivbetten im Cluster sind voll

"Wenn einfach über ein halbes Jahr acht bis zwölf Betten von insgesamt 50 Betten für solche Patienten wegfallen, dann wird das mit zunehmender Dauer immer dramatischer", sagt Martin Bentz, Leiter der medizinischen Klinik III am Städtischen Klinikum.

Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III.
Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III. | Bild: Melissa Betsch

Das Problem: Je mehr Menschen intensive Betreuung wegen Corona benötigen, desto mehr muss bei "Nicht-Covid-Patienten" eingespart werden. Inzwischen sei das aber nicht nur in Karlsruhe der Fall, sondern im gesamten Cluster von Baden-Württemberg. Das heißt: Eine Verteilung der Patienten geht nicht mehr.

"Wir sind als Maximalversorger verpflichtet, alle schweren Erkrankungen, die lebensbedrohlich sind, zu versorgen", fügt Geißler hinzu, "aber das bedeutet auch, dass im Nicht-Covid-Intensivbereich eine hundertprozentige Auslastung vorherrscht. Da herrscht keine Luft zum Atmen."

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In diesem Zusammenhang macht Geißler auch klar: "Ich bin nicht bereit Covid gegen Nicht-Covid aufzuwiegen." Aber was passiert dann, wenn noch mehr Corona-Patienten auf die Stationen müssen?

"Katastrophenfall": Zustände wie an Weihnachten erwartet

Für diesen "Katastrophenfall" trifft das Klinikum bereits erste Vorkehrungen, welche unter anderem ein Aufstocken der Intensivbetten von einigen Wochen beinhaltet - ähnlich wie an Weihnachten. Ergänzend dazu müsse in Betracht gezogen werden, Patienten in weiter entfernte Gegenden zu verlegen.

Diese Vorkehrungen beinhalten aber auch ein weiteres Problem: Durch das Hochfahren der Intensivkapazitäten müssten wieder massive Versetzungen im Personal zwischen den beiden Bereichen Covid und Nicht-Covid stattfinden. Hinzu kämen Schulungen und "Crash-Kurse", in denen zum Beispiel erfahrene Mitarbeiter ihre unerfahrenen Kollegen im Umgang mit den Patienten unterweisen.

Michael Geißler ist medizinischer Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Karlsruhe.
Michael Geißler ist medizinischer Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Eine Belastung, die der Klinikchef seinem Personal seit Weihnachten tunlichst ersparen wollte. "Katastrophenfall heißt für uns nicht, dass wir die Patienten nicht mehr versorgen können oder wie in Brasilien die Triage kommt. Dafür sind wir zu gut aufgestellt", erklärt Geißler, "Aber es heißt, dass wir die Mitarbeiter nochmal an den Rande der Belastungen bringen müssen, um trotzdem alle schwerwiegenden Fälle behandeln zu können."

 

 
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