"Durch die neuere Forschung hat sich die Wahrnehmung um 180 Grad gedreht- vom angeblichen Stadtoriginal zum größten Erfinder der Goethezeit", eröffnet das Stadtarchiv Karlsruhe sein Porträt über den badischen Erfinder Karl Drais. Tatsächlich hat die Biographie des gebürtigen Karlsruhers mehr zu bieten als "nur" die Erfindung des ersten Zweirads. ka-news hat sich das digitale Porträt des Fahrrad-Vater auf den Seiten des Stadtarchivs genauer angeschaut.

Fakt 1: Forstdienst statt Wissenschaft

Der im Jahre 1785 geborene Karl Drais wird als Erfinder des ersten Zweirades und der nach ihm benannten Draisine gefeiert. Wäre es nach dem Großherzog von Baden gegangen, hätte der badische Wissenschaftler einen komplett anderen Weg eingeschlagen. Nach Erkenntnissen des Stadtarchivs hatte dieser für seinen Patensohn nämlich zunächst den Forstdienst vorgesehen. So besuchte Drais zwar das private Forstlehrinstitut  in Pforzheim - die Zeit bis zum Forstexamen überbrückte er allerdings mit seinen Wunschstudium an der Universität Heidelberg: Mathematik, Physik und Baukunst.

Fakt 2:  Geschenk von einem Zaren

Bevor Karl Drais mit dem ersten Zweirad einen großen Schritt in Richtung Mobilität machte, stellte er nach Angaben der Stadtverwaltung 1813 das Vorgängermodell, eine vierrädrige "Fahrmaschine" vor - aber nicht irgendwem, sondern dem Großherzog Karl von Baden und seiner Ehefrau Stephanie. Ebenfalls mit dabei: Zar Alexander. Dieser soll von Drais Erfindung derart begeistert gewesen sein, dass er ihm einen Diamantring schenkte.

Fakt 3: Das ewige Ärgernis mit den Raubkopierern

Raubkopierer sind nicht nur ein Ärgernis für die heutige Musik- und Filmindustrie - auch Karl Drais musste sich mit den dreisten Kopieren herumschlagen. Ein Patent beziehungsweise eine Lizenzmarke für seine Laufmaschine erhielt er laut Stadtarchiv nur für Frankreich und Baden. Gleichzeitig erlangte sein Zweirad weltweite Berühmtheit. Die Folge: Raubkopierer nutzten die Beschreibungen aus Zeitungen, um Drais Erfindung kurzerhand nachzubauen. Dies verhinderte am Ende sogar die Idee einer Manufaktur durch einen Unternehmer.

Fakt 4: Der Erfinder des Fahrrads - ein Mobbing-Opfer?

Erst Liebling dann Mobbing-Opfer? Ja, laut den Aufzeichnungen des Stadtarchivs ist Karl Drais genau das passiert. Der Grund: der "Skandal-Prozess" um den Studenten und Mörder Karl Sand, welcher das Land in zwei Lager spaltete. Nachdem Drais Vater, seines Zeichens Oberhofrichter, einen Begnadigungsgesuch ablehnte, kippte die Stimmung gegen einstigen Publikumsliebling - eine Mobbing-Kampagne der Sand-Anhänger begann. Da er sich in Deutschland nicht mehr blicken lassen konnte, floh Drais 1821 ins Exil nach Brasilien - er sollte erst sechs Jahre später zurück in die Fächerstadt kommen.

Fakt 5: Schreibmaschine statt Draisine

Offenbar beschränkte sich Drais Erfinderdrang nicht nur auf Fortbewegungsmittel: Wie das Stadtarchiv herausgefunden hat, baute der Erfinder seinem Vater eine Schreibmaschine mit fühlbaren Buchstaben auf Papier, als dieser an der Augenkrankheit "Grauer Star" zu erblinden drohte. Später erweiterte er diese zu einer Stenomaschine auf Lochstreifen.

Fakt 6: Ein Adeliger als Anhänger der Revolution

Ein adeliger Anhänger der Revolution? Geht das denn? Ja, Karl Drais war tatsächlich ein großer Befürworter der Demokratie. Obwohl er nach Angaben des Stadtarchivs zum Beamtenadel gehörte, legte er während der Revolution von 1848/49 seinen Adelstitel ab. Zugleich bekannte er sich offen zu den demokratischen Forderungen. Eine Entscheidung, die weitreichende Folgen für den Erfinder haben sollte: Nach der Niederschlagung der Revolution wurde Drais' Pension beschlagnahmt. Der "Vater des Fahrrads" starb kurz darauf am 10. Dezember 1851 verarmt in Karlsruhe.

Anlässlich des 163. Todestages von Karl Drais ist für Mittwoch, 10. Dezember, um 20 Uhr eine Gedenkfeier an seinem Sterbehaus (Zähringerstraße 57) geplant.

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