Der Ton wird ernst auf der dieswöchigen Pressekonferenz der Stadt Karlsruhe. "Ich hatte ja gesagt, dass in diesem Jahr alle, die nicht geimpft sind, damit rechnen müssen, sich mit dem Virus zu infizieren", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup am Donnerstagmittag über die Videoschalte.

Oberbürgermeister Frank Mentrup.
Oberbürgermeister Frank Mentrup. | Bild: Carsten Kitter

Das Problem: Die stark ansteigende Inzidenz der Ungeimpften werde "zu einer absehbaren, völligen Überlastung unserer Intensivkapazitäten und einer zunehmenden Gefährdung der medizinischen Versorgung für andere Intensivpatienten führen". "Als Ungeimpfter anzunehmen, um eine Infektion herumzukommen, ist ein Trugschluss", so der OB.

"Wir sehen die Situation mit großer Sorge"

Dem schließt sich auch Ulrich Wagner vom Karlsruher Gesundheitsamt an. Zwar gebe es bei dem diffusen Infektionsgeschehen keine wirklichen Cluster, dennoch müsse das Amt bis zu 400 neue Fälle an einem Tag bearbeiten. Eine "schizophrene Situation" wie Wagner findet. 

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"Wir hatten uns das im Frühjahr auch nicht so vorgestellt, dass wir im Herbst nochmal in diese Situation mit ganz hohen Fallzahlen kommen. Und das in einer Größenordnung wie wir das in Karlsruhe noch nicht hatten." Zwar würde die Situation ohne die geimpften Personen noch dramatischer ausfallen, allerdings würden die übrigen Ungeimpften bereits ausreichen, um auf den Intensivstationen für Engpässe zu sorgen. "Das korreliert in keinster Weise mit dem, was wir draußen wahrnehmen. Dass Gefühl, dass man die Pandemie fast hinter sich gelassen hat", so Wagner weiter.

Ein Abstrich wird in einem Labor auf das Coronavirus untersucht.
Ein Abstrich wird in einem Labor auf das Coronavirus untersucht. | Bild: Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Die Befürchtung: Die Bürger werden infolgedessen und wegen der ständig wechselnden Regelungen (Basisstufe, Warnstufe, Alarmstufe) irgendwann keine Akzeptanz mehr für die Maßnahmen haben. "Wir sehen die Situation mit großer Sorge", beklagt Wagner.

Strategiewechsel bei den Gesundheitsämtern geplant

Um der Situation Herr zu werden wird nun auch über einen Strategiewechsel nachgedacht, um die Gesundheitsämter in Baden-Württemberg innerhalb der vierten Welle zu entlasten. Denn: Zwar habe das Amt Personal aufgestockt, aber die Bundeswehr ließ wiederum verkünden, dass eine Unterstützung des Amtes ihrerseits nicht mehr geplant sei. "Es wird der Punkt kommen, an dem die Verfolgung so nicht mehr möglich ist", sagt Wagner. 

Soldaten der Bundeswehr helfen in der Region Hannover bei der Nachverfolgung von Infektionsketten.
Soldaten der Bundeswehr helfen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten. | Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Darum sei nun geplant, den Fokus auf die vulnerablen Gruppen auszurichten. Zum Beispiel durch mehr Beratungen in den entsprechende Einrichtungen. "Die Strategie wird sein, da zukünftig wieder mehr 'Man Power' reinzustecken. Es wird zum Strategiewechsel der Gesundheitsämter auch eine Pressemitteilung vom Sozialministerium kommen", kündigt der Gesundheitsamt-Leiter an. 

Das bedeutet konkret: In Zukunft wird es zum Beispiel die Aufgabe jedes Einzelnen sein, seine Quarantänezeiten einzuhalten und sich selbst um die Nachverfolgung zu kümmern. Das Gesundheitsamt wird dies nicht mehr in diesem Ausmaß übernehmen können. Mit einem weiteren Lockdown, wie viele Bürger ihn bereits befürchten, rechnet der Leiter des Gesundheitsamtes jedoch nicht.

«Lockdown» steht im Schaufenster eines geschlossenen Kaufhauses: Die «epidemische Lage» war erstmals im März 2020 vom Bundestag ...
Viele befürchten einen weiteren Lockdown | Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

"Relevante Einschränkungen für geimpfte Menschen wären in ihrer Verhältnismäßigkeit nicht vertretbar. Bei Ungeimpften werden diese durch die Warnstufe oder die Alarmstufe gehandhabt. ich glaube da ist der Rahmen dessen, was als Lockdown möglich wäre, inzwischen ausgeschöpft. Wenn wir in Bezug auf die Krankenhaussituation in eine richtige Notlage kommen, dann bin ich selbst gespannt, was dann noch für Varianten kommen."

Aber, so ergänzt der Oberbürgermeister, könnten durchaus wieder Diskussionen über Maßnahmen wie zum Beispiel Ausgangssperren geführt werden, falls die Kapazitätsprobleme sich weiter verschlimmern sollten.

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