Wenn wir uns in der Stadt etwas zu essen holen oder ein Restaurant besuchen, setzen wir natürlich voraus, dass die Lebensmittel geprüft werden.

Dieser Aufgabe widmet sich die amtliche Lebensmittelüberwachung der Stadt Karlsruhe.  Sie ist dafür verantwortlich, unhygienische Zustände in den Betrieben aufzudecken und zu ahnden. Diese Betriebe landen dann häufig auf der sogenannte "Ekelliste". Aber wie funktioniert so eine Kontrolle eigentlich?

Café Palaver
Lecker sieht die Ware für den Kunden meistens aus, wie hier im Café Palaver. Doch was passiert hinter der Theke? | Bild: Lisa Maria-Schuster

Wer mehr Mängel aufweist, wird häufiger kontrolliert

In regel­mä­ßi­gen Abständen kommen Lebensmittelkontrolleure  unangemeldet in Betriebe,  in denen Lebens­mit­tel im Umlauf sind. Dabei ist es egal, ob die Lebensmittel dort hergestellt, verar­bei­tet oder verkauft werden. "Von Bäcker, bis Dönerimbiss, Industrie oder Einzelhandel, hier ist alles dabei", sagt Janine Frech.

Frech ist Amtstierärztin und Sachgebietsleiterin der Lebensmittelüberwachung. Zusammen mit zehn Lebensmittelkontrolleuren ist sie für alle zirka 3.700 Betriebe in der Fächerstadt zuständig, die etwas mit Essen und Trinken zu tun haben. "Wir haben natürlich einen festen Plan, wohin wir gehen",  so Frech.

Janine Frech ist Sachgebietsleiterin der Lebensmittelüberwachung in Karlsruhe.
Dr. Janine Frech ist Sachgebietsleiterin der Lebensmittelüberwachung in Karlsruhe.

Was damals noch mittels festgelegter Kontrollintervalle stattfand, ist inzwischen auf eine "betriebsbezogene Risikobeurteilungen" umgestellt worden. Die Regel ist demnach einfach: Auffällige Betriebe werden auch häufiger kontrolliert. 

Pro Woche zirka 70 Kontrollen

Wie oft das Gesundheitsamt dem Betrieb einen Besuch abstattet, liegt aber nicht nur in der Hand der Gastronomen. Es gibt auch produktabhängige Überprüfungsabstände. Zum Beispiel müssen Fleischlieferanten häufiger durch die Kontrolle als ein Einzelhandel, der nur Konserven verkauft.

"Kontrollfrequenz kann je nach betrieb zwischen monatlich bis alle drei Jahre variieren", erläutert Frech. Dabei hat jeder Kontrolleur seinen Bezirk mit zirka 400 bis 500 Läden. Pro Woche werden rund 70 Lebensmittelkontrollen durchgeführt.

Ein Lebensmittelkontrolleur bei der Arbeit.(Archivbild von 2004)
Ein Lebensmittelkontrolleur bei der Arbeit. (Archivbild von 2004)

Nicht nur das Essen und Trinken wird begutachtet

Für vieles muss der Betrieb-Besitzer im Vorfeld sorgen. Darunter fällt unter anderem die Dokumentation des Wareneingangs, der Temperatur, des Reinigungsplan und der Müllentsorgung. Ebenso sollte ein Nachweis über Schädlingsbekämpfung vorliegen. Außerdem müssen alle Angestellten nach dem Infektionsschutzgesetz belehrt worden sein.

Wie diese Abläufe richtig vonstattengehen, vermittelt eine Vielzahl an Merkblättern und Leitfäden, die von den Betrieben zur Kenntnis genommen werden müssen. Hieran orientieren sich auch die Lebensmittelkontrolleure bei ihren Kontrollen.

Zwei Restaurants stehen bisher als "Hygienesünder" im Internet auf der öffentlichen Liste des Karlsruher Ordnungsamts.
Zwei Restaurants stehen bisher als "Hygienesünder" im Internet auf der öffentlichen Liste des Karlsruher Ordnungsamts. | Bild: ka-news

"Wir achten unter anderem auf Sauberkeit, bauliche Gegebenheiten, Reinigungsmöglichkeiten und potenzielle Schädlinge. Gibt es warmes Wasser, Seife und Einmalhandtücher am Waschbecken? Trägt das Personal saubere  Berufskleidung? Wie sehen die Toiletten und Umkleiden aus? Wird richtig gekühlt, der Abfall gemäß entsorgt, wer sind die Lieferanten? Man muss auf mehr Dinge achten, als nur auf die Lebensmittel", sagt Frech. 

Fällt den Kontrolleuren etwas Negatives auf, werden Proben genommen und die Temperatur gemessen.

Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft bei einer Betriebskontrolle die Temperatur einer Fleischware. (Symbolbild)
Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft bei einer Betriebskontrolle die Temperatur einer Fleischware. (Symbolbild) | Bild: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Bei jeder dritten Kontrolle gibt es etwas zu finden

"Man kann schon sagen, dass wir bei gut einem Drittel unserer Prüfgänge Mängel finden", sagt Frech. Diese fallen jedoch in den meisten Fällen eher mild aus. Am häufigsten gehören bauliche Problematiken, der Reinigungszustand und die Personalhygiene zu den Befunden.

Viele Mitarbeiter seien vor allem nicht ausreichend geschult, bemängelt die Sachgebietsleiterin Frech. "Leider hat es die Gastro im Moment schwer, an gute Leute zu kommen."

Betriebe müssen selten direkt geschlossen werden

Unterm Strich kann man sagen, dass die Prüfer nach Hygienezuständen schauen, vor denen sie sich selbst ekeln würden. Der "Worst Case" sind hierbei verdorbene, gesundheitsgefährdende Lebensmittel, Fremdkörper und Salmonellen.

Ladenschließungen sind bei solchen Vorkommnissen schließlich das letzte Mittel. Diese kommen immer mal wieder vor, sind in der Regel aber eher selten. Dieses Jahr wurden insgesamt sieben Betriebe durch das Amt geschlossen. Bis es dazu kommt, muss aber einiges passieren.

Werden Verstöße festgestellt, gibt es je nach Härte des Falls verschiedene Konsequenzen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Maßnahmen wie Verwarnungen, Bußgelder, Verfügungen und Anzeigen. 

Ein Lebensmittelkontrolleur kontrolliert die Hygiene in einer Imbissbude (Archivfoto).
Ein Lebensmittelkontrolleur kontrolliert die Hygiene in einer Imbissbude (Archivfoto).

"Bei leichten Mängeln gibt es einen Bericht, der noch vor Ort ausgehändigt wird. Er muss bis zu einer bestimmten Frist erledigt und behoben sein. Danach kommen wir natürlich  wieder unangemeldet zur Nachkontrolle vorbei", erklärt Frech.

Häufen oder wiederholen sich die Mängel, gibt es beim Bußgeld einen breiten Spielraum. Hier gibt es laut Frech kein Limit nach oben: "Von 50 bis mehrere Tausend Euro ist hier alles dabei. Natürlich kommt es da auch wieder auf die individuelle Situation und die Größe der Firmen an."

Verstöße müssen offen kommuniziert werden

Laut Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch sind die Behörden dazu verpflichtet,  die Verbraucher unverzüglich über alle schwerwiegenden Unstimmigkeiten zu informieren.  Diese werden auf folgender Website veröffentlicht: https://verbraucherinfo.ua-bw.de/lmk.asp

Selbst eine Ekel-Erfahrung gemacht?

Wer selbst Hygienemängel oder Verstöße gegen lebensmittelrechtliche Bestimmungen gemacht hat oder nach dem Besuch eines Betriebes selbst gesundheitliche Beschwerden hatte, kann sich auch direkt bei der Lebensmittelüberwachung melden.

Dies funktioniert über verschiedene Wege:

  • persönlich oder schriftlich über das Ordnungs- und Bürgeramt in der Helmholtzstraße 9/11,

    76133 Karlsruhe

  • per Mail: luv@oa.karlsruhe.de
  • telefonisch unter 0721/1337101