"Jeder Mensch, der Sex hat, kann eine sexuell übertragbare Krankheit bekommen", sagt Fariba Vazin von der Beratungsstelle Aids und Geschlechtskrankheiten im Landratsamt Karlsruhe. Es gebe etwa 30 verschiedene Geschlechtskrankheiten. Betroffen seien dabei Frauen und Männer aller Schichten. Keiner müsse sich hierfür schämen, so die Beraterin - es könne jeden treffen. "Wichtig ist, dass Betroffene schnell zum Arzt gehen, wenn sie Krankheitszeichen erkennen", so die Expertin.

In Karlsruhe leben laut Aids-Hilfe Karlsruhe derzeit rund 400 Menschen mit HIV. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist die Zahl der Neuinfizierungen seit 2010 rückläufig. Bei Krankheiten wie Tripper, Syphilis und Chlamydien verzeichnet das Landratsamt Karlsruhe indes einen Zuwachs. "Die Leute denken, dass sie sich nur vor HIV schützen müssen. Das ist das Problem", so Vazin.

Chlamydien, die unterschätzte Geschlechtskrankheit

Über andere Geschlechtskrankheiten sei das Wissen eher dürftig. "90 Prozent der Leute, die zu uns kommen, haben beispielsweise keine Ahnung davon, was Chlamydien sind." Dabei sei die Krankheit weit verbreitet. Im Jahr 2011 habe das Landratsamt bisher die meisten Fälle gezählt. "Chlamydien werden oft unterschätzt", so Vazin.

Häufig haben Infizierte keine oder nur leichte Krankheitsanzeichen. 18 Prozent aller Frauen, die infiziert sind, haben keine Symptome. Dazu zählen unter anderem Ausfluss aus der Scheide und der Harnröhre oder nach dem Analsex aus dem Po. Auch Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterleib oder beim Sex können Anzeichen sein. Die Folgen können schlimm sein: Von schweren Entzündungen des Unterleibs kann die Krankheit bis zur Unfruchtbarkeit führen. Auch das Risiko sich mit HI-Viren anzustecken, ist höher, wenn man schon mit Chlamydien infiziert ist.

Die Krankheit könne im Anfangsstadium sehr gut mit Antibiotika geheilt werden, weiß Beraterin Vazin. Frauen bis 25 Jahre sollten sich daher einmal im Jahr bei ihrem Arzt untersuchen lassen. Der Vorsorgetest sei kostenlos und schmerzfrei. Es werde lediglich Urin untersucht. Die Untersuchungen könnten auch in der Beratungsstelle in Karlsruhe durchgeführt werden.

Rechtzeitig erkannt, Gefahr gebannt

Aber auch Tripper und Syphilis seien auf dem Vormarsch, bemerkt die Expertin. "Viele denken Syphilis ist ausgestorben." Dabei nehme die Anzahl der Infizierten auch in der Region Karlsruhe zu. Syphilis sei eine tückische Krankheit, mit wenigen Symptomen. Hautausschlag oder Geschwüre könnten zwar ein Indiz sein. Doch wird die Krankheit nicht erkannt und behandelt, kann das zu schweren Schäden an inneren Organen und Nerven führen.

"Prävention ist daher sehr wichtig", betont Vazin. Ihre Beratungsstelle bietet daher auch Unterrichtseinheiten für Schulen an. "Leider ist die Nachfrage nicht so groß", beklagt sie. Mangelnde Erfahrungen und fehlende Kenntnisse über die Krankheiten und wie man sich davor schützt, seien der häufigste Grund für Ansteckungen. Auch sei es vielen Menschen unangenehm über ihre Probleme zu sprechen. Gerade Männer gingen ungern zum Arzt. "Keiner muss sich schämen. Lieber rechtzeitig zum Arzt gehen, sonst kann aus einer gut behandelbaren Krankheit schnell eine schwere und lästige Erkrankung werden", appelliert Vazin. Im Jahr 2011 haben sich etwa 1.400 Personen in der Karlsruher Beratungsstelle beraten lassen.

Wer ist davon betroffen?

Tripper (Gonorrhö) und Syphilis sind besonders verbreitet bei Männern, die Sex mit Männern haben. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass mindestens vier von fünf aller in Deutschland gemeldeten Syphilis-Fälle so übertragen werden. Unter heterosexuellen Erwachsenen gibt es vor allem Chlamydien-Infektionen, Trichonomaden (Parasiten), Pilz-Erkrankungen oder Papillomviren. Bei den Jugendlichen sind Chlamydien-Infektionen besonders häufig. Wichtig zu wissen: Nicht immer schützt ein Kondom komplett vor Ansteckung - denn ein Teil der Erreger kann auch durch Schmierinfektionen und engen Körperkontakt weitergegeben werden.

Welche Symptome gibt es?

Symptome für eine sexuell übertragbare Krankheit (STI) können beispielsweise Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz, Hautveränderungen oder auch Fieber und Halsschmerzen sein. Manche STI verlaufen aber auch völlig symptomlos: So bleibt eine Chlamydien-Infektion oft jahrelang unerkannt. Eine Ansteckung mit einem Humanen Papillomvirus (HPV) kann Feigwarzen erzeugen.

Ist eine Behandlung möglich?

Die meisten STI sind medikamentös behandelbar und auch heilbar. Voraussetzung dafür ist natürlich, bei Beschwerden zum Arzt zu gehen und die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrzunehmen.

Wie viele Menschen nutzen ein Kondom?

Eine neue Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt: Heute greifen 87 Prozent der Deutschen zu Beginn einer neuen Partnerschaft zum Kondom - noch Mitte der 90er Jahre taten das nur 65 Prozent. Auch von denjenigen, die oft ihre Partner wechseln, schützen sich mittlerweile 86 Prozent regelmäßig. Zugleich schrumpft in dieser Hochrisiko-Gruppe die Zahl derer, die nie Kondome verwenden: Ende der 80er Jahre war es fast die Hälfte, heute sind es nur noch 14 Prozent.

"Kondome schützen nur, wenn die Größe passt und sie richtig verwendet werden", bemerkt Beraterin Vazin. Frauenkondome bieten ebenfalls Schutz vor Krankheiten. Auch durch Oralsex können Krankheiten übertragen werden. Hierbei kann man sich mit einem sogenannten "Dental Dam", einem  "Lecktuch", schützen. Die Folie gibt es in der Apotheke.

Hier gibt's Hilfe:

Sie möchten mehr über sexuell übertragbare Krankheiten erfahren? Sie wollen wissen, wie man sich schützen kann? Sie haben Sorge, sich möglicherweise angesteckt zu haben? Die Beratungsstelle zu Aids und Geschlechtskrankheiten im Landratsamt Karlsruhe (Beiertheimer Allee 2) hat am Montag und Dienstag von 8 bis 11 Uhr und am Donnerstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Telefonische Beratung (auch anonym) gibt es unter 0721/93658-66 oder -68. Mehr Infos unter www.landkreis-karlsruhe.de

Sorgen Internet-Pornos für eine Krise bei den Karlsruher Sexshops, wie wehrt man sich gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, und warum gibt es für kaum etwas so viele unterschiedliche Bezeichnungen wie für den menschlichen Beischlaf? Unter dem Motto "Let's talk about Sex - in Karlsruhe" berichten wir in loser Folge über diese und weitere Themen.

 
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