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Karlsruhe Bordell-Betreiberin spricht Klartext: "Viele Prostituierte in Illegalität abgerutscht"

Seit März herrscht Flaute im Bett. Zumindest in den Prostitutionsgaststätten. Jetzt durften die Geschäfte seit Montag, den 12. Oktober - unter strengen Hygienevorschriften - wieder öffnen. Darunter auch die Geschäfte in der Brunnenstraße. Dennoch gibt es in den Augen der Betreiberin des "6ex Inn" - die im Folgenden nur Gisela genannt werden möchte - einen Haken: Viele der Prostituierten sind wieder Zuhause im Ausland oder in die Illegalität abgerutscht - Rückkehr ungewiss.

Seit dem 14. März sind sämtliche Prostitutionsgasstätten wegen Corona geschlossen. Sieben Monate später, am 12 Oktober, kommt der Wendepunkt. Ausgelöst durch eine Eilklage, die der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg nun befürwortet hat. 

Für Gisela, seit 17 Jahren Betreiberin der Häuser Nr. 5 und 6 in der Brunnenstraße, ein Grund zum Aufatmen - aber auch des Bedauerns.

Denn ihrer Meinung nach, haben die sieben Monate dazu geführt, dass nun genau das eingetroffen ist, was die Regierung mit dem Prostitutionsschutzgesetz verhindern wollte: Eine Steigerung der Kriminalität, Zuhälterei und illegaler Prostitution. 

"Jetzt blüht genau das, was der Staat verhindern wollte"

"Viele sind in der Illegalität geblieben", sagt Bordellinhaberin Gisela. " Viele hatten kein Ticket nach Hause oder kein Geld. Als die ganzen Monate keine Perspektive da war, zu öffnen, sind viele illegal arbeiten gegangen". Deshalb seien bei der Eröffnung auch zu wenig Frauen dagewesen, so Gisela. 

Genaue Zahlen nennt Gisela jedoch nicht. Nur, dass "der Lauf gut war." 

Zimmer auf der oberen Etage des 6ex-Inn in Karlsruhe. | Bild: Verena Müller-Witt

Mit illegal meint Gisela die Sexarbeiterinnen, die sich eigene Apartments gesucht haben oder inzwischen auf den Straßenstrich gehen. "Dort achtet man nicht auf Hygiene und die Gäste können praktisch machen, was sie wollen. Ich finde das ganz schlimm. Jetzt blüht genau das was unser Staat verhindern wollte", so Gisela im Gespräch mit ka-news.de.

Eines der Zimmer von Innen | Bild: Verena Müller-Witt

Außerdem zahlen Sexarbeiterinnen weniger für ein Apartment, als für ein Zimmer im Bordellbetrieb. Das wären immerhin 110 Euro pro Tag. Doch der Preis beinhaltet nicht nur das Zimmer, sondern auch den Schutz der Frauen: Der sogenannte "Wirtschafter", dem sogar ein eigenes kleines Büro zur Verfügung steht.

Einer der Flure im "6ex-Inn" Karlsruhe | Bild: Verena Müller-Witt

Laut Gisela sei er Derjenige, der sich um die "komischen" Gäste kümmert, die im Betrieb auffällig werden. Des Weiteren sei ein Putzservice inbegriffen und die Frauen dürfen alles behalten, was sie verdienen - ohne Abgaben an einen Zuhälter. 

In Bordellen sorgt ein Putzservice für Sauberkeit
In Bordellen sorgt ein Putzservice für Sauberkeit | Bild: Verena Müller-Witt

Auch die Gewalt, die illegal arbeitende Prosituierte auf der Straße erfahren, ist ein Aspekt, der Gisela Sorgen bereitet: "Die Polizei hat mir mitgeteilt, dass eine der Frauen, die früher bei uns gearbeitet hat, überfallen wurde und Anzeige erstattet hat. Sowas passiert hier nicht."

"Privat ungeschützten Sex haben ist schlimmer"

Ein weiteres Problem sei bei illegaler Prostitution: Die Hygiene. "Mit Hygienevorschriften hatten wir vorher schon zu tun gehabt. Die Frauen dürfen zum Beispiel auch nicht in den gleichen Zimmern schlafen", sagt die Bordellinhaberin. Geschlafen wird aktuell im anderen Haus, der Nr. 5, das ebenfalls zum"6ex-Inn" gehört.

Dementsprechend stünden momentan auch nur die Hälfte der Betten für den Empfang von Kundschaft zur Verfügung.

Die Regeln des Betriebs bildlich zusammengefasst
Die Regeln des Betriebs bildlich zusammengefasst | Bild: Verena Müller-Witt

Neu an der Corona Verordnung sei, dass Prostituierte und Gäste auf dem Zimmer eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen müssen. Ebenso, wenn sie anderweitig im Haus unterwegs sind. Praktiken wie Gruppensex sind verboten - waren sie bei Gisela auch zuvor.

Ein Zimmer, welches bereits von einer Arbeiterin besetzt ist - Auf dem Nachttisch stehen diverse Hygieneartikel | Bild: Verena Müller-Witt

Außerdem müssen die Kunden Sicherheitsabstand zueinander halten und bekommen eines der allseits bekannten Formulare vorgelegt, sodass die Daten genauestens dokumentiert sind. "Wer das nicht will, den fordern wir auf zu gehen. Wir wollen keine Schwierigkeiten, sondern, dass es so bleibt wie es ist", betont Gisela.

Sicherheitsabstand muss auch im Bordell eingehalten werden. | Bild: Verena Müller-Witt

Also keine Angst vor steigenden Corona-Fällen, trotz der körperlichen Nähe? Für Gisela ein gibt es hierfür ein klares Nein: "Wenn Männer und Frauen jemanden privat kennenlernen und ohne Schutz und Maske Sex haben, ist das dann nicht viel schlimmer?"

 

 

 

 

 

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  •   tom1966
    (711 Beiträge)

    15.10.2020 07:50 Uhr
    Prostitution
    gab es schon immer und wird es wohl auch immer geben - legal oder illegal- , solange die Menschheit nicht asexuell wird. In diesem Punkt brauchen wir uns nichts vorzumachen.

    Das größere Problem in diesem Gewerbe ist nicht das Gewerbe selbst, sondern das, was an illegalen Geschäften dahinter steckt: Der Menschenhandel, die Zwangsprostitution und die Zuhälterei und damit einhergehend die Ausbeutung der Sexarbeiterinnen. Diese Bereiche treten in der Illegalität stärker zu Tage als in der legalen Prostitution.
    Für die Freier gilt: Sie setzen sich in zweifacher Hinsicht einer größeren Gefahr aus: Krankheiten und Raub / Erpressung durch die Zuhälter.

    Was würde denn geschehen, wenn Prostitution verboten und strafrechtlich streng verfolgt würde? Würde die Zahl de Vergewaltigungen ansteigen? Das ist durchaus wahrscheinlich.
    Was ist das geringere Übel? Legale Prostitution mit Überwachung der Hintermänner oder illegale mit allen Nachteilen für Freier und Beschäftigte?
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  •   Tellerrand
    (83 Beiträge)

    15.10.2020 10:34 Uhr
    Sehe ich auch so!
    Ein zurückdrängen in die Illegalität kann nur zu Problemen führen und da zahlen die Prostituierten natürlich auch keine Steuern mehr und verlieren auch jeglichen Schutz.
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  •   silberahorn
    (10614 Beiträge)

    15.10.2020 10:11 Uhr
    Überwachung der Hintermänner?
    Ich fass es nicht, wenn jemand daran glaubt.
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  •   tom1966
    (711 Beiträge)

    15.10.2020 10:49 Uhr
    Überwachung
    Lückenlos ist das natürlich nicht möglich, da fehlt der Polizei das Personal. Aber auch Stichprobenkontrollen führen bisweilen zum Erfolg.
    Wenn ein Bordell auffälligf ist, können hier ja intensivere Maßnahmen ergriffen werden.

    Ich erinnere hier an den Fall vor ca. 10 Jahren mit den sog. "Flat-Rate-Bordellen", der ist so ein Beispiel.
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  •   Nachteule
    (899 Beiträge)

    14.10.2020 15:49 Uhr
    Es ist an der Zeit für ein Verbot der Prostitution
    Gisela tut so, als ob die Frauen das freiwillig machen - aber das ist die große Ausnahme.
    Deshalb schließe ich mich in diesem Punkt voll und ganz der Meinung unseres OB an:
    Mentrup für Sexkaufverbot
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  •   Tirak
    (576 Beiträge)

    15.10.2020 10:08 Uhr
    @nachteule
    Was qualifiziert Sie denn zu dieser Aussage, dass die Frauen diesen Beruf nicht freiwillig machen? Haben Sie einschlägige Erfahrungen und Fakten, um ihre Thesen zu untermauern? Ich stimme zu, dass es bestimmt im einen oder anderen Fall Frauen gibt, die sich für ihren "Partner" prostituieren müssen oder aus einer familiären finanziellen Notlage heraus dies tun. In den meisten Fällen aber wird gerade bei den aus Ost-Südosteuropa stammenden Frauen der Wunsch nach einem guten Leben mit relativ einfach verdienten Geld im Vordergrund stehen. Schauen Sie sich die Eigenwerbung der Frauen auf den einschlägigen Internetseiten an. Sie erkennen, dass den meisten der Frauen Gucci&Prada und dicke Silikonlippen wichtiger sind als Ihre verquere Forderung nach einem rechtswidrigen Berufsverbot. Ihre Meinung ist irrig und führt in einem weiten Bogen um die Realität herum. Angebote und Schutz für diejenigen, die zur Prostitution gezwungen werden und harsche Strafen für deren Zuhälter - ein klares Ja.
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  •   timo
    (3245 Beiträge)

    14.10.2020 18:44 Uhr
    Nachteule für linksgrüne Verbotspolitik!!
    Hier bringt ein Verbot aber wirklich gar nichts (positives).
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  •   kunvivanto
    (324 Beiträge)

    14.10.2020 18:18 Uhr
    Dann geht das Gewerbe halt wieder in die Illegalität,
    mit weniger Sicherheit für die Frauen und Kunden. Denn man kann noch so viel verbieten, wenn Kundschaft bzw. deren Trieb da ist, geschieht es trotzdem.
    In solchen Dingen ist Pragmatismus angesagt.
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  •   silberahorn
    (10614 Beiträge)

    14.10.2020 19:13 Uhr
    In solchen Dingen?
    Menschen sind keine Dinge.
    Und Pragmatismus heißt, dass man sich nach situativen Gegebenheiten richtet, wodurch das praktische Handeln über die theoretische Vernunft gestellt wird.
    Wenn man es ungezählte Jahrhunderte nicht schaffte einen guten Umgang mit dem eigenen Körper so zu gestalten, das man dafür keine bezahlten Partner benötigt, dann wird es eben höchste Zeit für mehr Vernunft, die nicht nur als theoretisch betrachtet wird.
    Für mich klingt es nach faule Ausreden für Dummheit am eigenen Körper und für Geschäftemacherei, wenn man Prostitution toll findet. Und in die Illegalität muss sowieso niemand, es sei denn er oder sie ist dort schon in irgendeiner Weise.
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  •   kunvivanto
    (324 Beiträge)

    14.10.2020 19:34 Uhr
    Polemik und Wunschträume sind keine Argumente.
    1. Ersetze "Dinge" durch "Angelegenheiten", dann ist es politisch korrekt.
    2. "Wenn man es ungezählte Jahrhunderte nicht schaffte ..." soll es jetzt von heut auf morgen zu schaffen sein?
    3. Wo steht, dass irgendjemand Prostitution "toll" findet? Wenn man (realistisch!) nur zwischen zwei Übeln wählen kann, nimmt man besser das kleinere, auch wenn man es nicht toll findet.
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