"Red Lights On" - so nennt sich der Aktionstag, an dem am Donnerstag Freudenhäuser in ganz Deutschland teilgenommen haben. Der Grund: Das Erotikgewerbe leidet unter dem Berufsverbot, das ihnen im Zuge der Corona-Maßnahmen Mitte März auferlegt wurde. Die roten Lichter in den Fenstern müssen daher buchstäblich ausbleiben.

Bordelle setzen sich für Corona-konformen Betrieb ein

In Karlsruhe hatten sich insgesamt fünf Bordelle dazu entschlossen, neugierigen Besuchern, Politikern und Journalisten die Tür zu öffnen, um zu zeigen: Corona-konformer Bordellbetrieb? Das geht. Einer der teilnehmenden Clubs in der Fächerstadt war "Lauras Girls". 

Tag der offenen Tür im Bordell
Bild: Thomas Riedel

Betreiberin Laura - die nicht ihren richtigen Namen veröffentlicht sehen möchte - bietet in ihrem Laufhaus am Entenfang gemeinsam mit ihrem Mann seit 2008 Prostituierten die Möglichkeit ihren Körper zu verkaufen. Im Alltag arbeiten dort täglich vier bis sieben Damen - zumindest war das vor Corona der Fall.

"Es war und ist emotional sehr belastend"

Die vergangenen Wochen und Monate waren für die Betreiber deshalb alles andere als einfach: "Es war und ist emotional sehr belastend - vor allem die Unsicherheit", so Laura im Gespräch mit ka-news.de. Die Zeit haben sie und ihr Mann jedoch nicht untätig verstreichen lassen.

Tag der offenen Tür im Bordell
Bild: Thomas Riedel

"Wir haben Instandhaltungsarbeiten durchgeführt und versucht, mit Öffentlichkeitsarbeit ein Zeichen zu setzen." Ihr Ziel: So früh wie möglich wieder die Türen für die Gäste öffnen zu können.

Blanke Angst um die Existenz

Darauf hofft auch Marie, die bereits von Beginn an, seit 2008, als Sexarbeiterin bei Lauras Girls arbeitet. Auch sie möchte ihren vollen Namen nicht verraten, da ihre Familie nichts von ihrem Beruf weiß. Die ersten Wochen hat sie die freie Zeit noch genossen, erzählt sie im Gespräch mit ka-news.de: "Ich dachte, das geht maximal acht Wochen so."

Tag der offenen Tür im Bordell
Bild: Thomas Riedel

Doch mittlerweile sind mehr als doppelt so viele Kalenderwochen ins Land gezogen - für viele Frauen ist das mittlerweile ein Kampf ums Überleben. "Es gibt genug Frauen, die nicht nur sich und ihren Hund zu Hause ernähren müssen. Viele haben Familie, die ebenso darunter leiden muss. Da geht es zum Teil um die blanke Existenz", sagt sie.

Gefährlich: Frauen gehen illegal anschaffen

Das Problem dadurch: Viele Mädchen üben aus Geldnot den Beruf illegal aus - und bringen damit nicht nur sich selbst in Gefahr: "Es gibt Damen, die weiterhin arbeiten, um sich und ihre Familien ernähren zu können.

Tag der offenen Tür im Bordell
Bild: Thomas Riedel

Doch das ist aktuell mehr als gefährlich, da es Männer gibt, die solche Situationen ausnutzen. Die Frauen geben sich ohne die Sicherheitsstandards in den Bordellen in große Gefahr", sagt Marie im Gespräch mit ka-news.de.

"Wir können problemlos öffnen"

Bordellbesitzerin Laura hofft daher schnellstmöglich auf eine Öffnungs-Erlaubnis. Corona und Sexarbeit sind ihrer Meinung nach durchaus verein- und vertretbar. "Wir haben hier generell sehr hohe Hygienestandards. Wir können problemlos unter den aktuell geltenden Bestimmungen wieder unsere Gäste empfangen", sagt auch Marie.

Tag der offenen Tür im Bordell
Bild: Thomas Riedel

Der Wunsch und die Hoffnung - nicht nur bei Lauras Girls - bleibt, dass die Politik bald ein Einsehen hat und auch für das Prostitutionsgewerbe schnellstmöglich eine Lösung findet. Damit auch die Sexarbeiterinnen wieder - sicher und unter Hygienebestimmungen - ihrer Arbeit nachgehen können. "Wir wollen, dass sich die Politik mit unserer Branche, an denen ebenso wie in anderen Betrieben ganze Existenzen hängen, beschäftigt", sagt Laura.

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