Digitalisierung und Mobilität zusammenbringen: Das ist eine der vielen Herausforderungen des Landes. Einen nächsten Schritt in diese Richtung gibt es seit Donnerstag.

Auf der Abschnitt der A8zwischen dem Autobahndreieck Karlsruhe und der Anschluss­stelle Karlsbad wurde eine hochmoderne Anlage zur Temporären Seitenstreifenfreigabe für den Verkehr freigeben.

Auf der verkehrsstärksten Autobahn ist immer etwas los

Die A8 führt in drei Teilstücken von der luxemburgischen Grenze bei Perl über Pirmasens, Karlsruhe, Stuttgart, Ulm, Augsburg und München nach Bad Reichenhall an der Grenze zu Österreich.

Lastwagen und Autos fahren über die Autobahn 8 bei Lenfelden-Echterdingen.
Lastwagen und Autos fahren über die Autobahn 8 bei Lenfelden-Echterdingen. | Bild: Bernd Weißbrod/dpa

"Die A8 ist eine wichtige und zentrale West-Ost-Verbindung, ein Ausbau ist notwendig", meint Michael Theurer von der FDP. Er ist parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Verkehr und Mitglied des deutschen Bundestags.

Vor allem im dreispurigen Teil nahe der Fächerstadt ist die Strecke stark befahren: "Wir haben ein Verkehrsaufkommen von etwa 110.000 Fahrzeugen pro Tag", so Marion Mayer-Kreitz, Abteilungsleiterin der Autobahngesellschaft des Bundes.

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Um mit dieser Vielzahl an Pkw- und Lkw -Fahrern weiterhin einen möglichst flüssigen Verkehr und eine erhöhte Sicherheit zu gewährleisten, ist die neue Anlage nun auf dem 2,8 Kilometer langen Streckenabschnitt in Betrieb.

Der Seitenstreifen wird smart genutzt

Doch wie funktioniert das genau? Die Anlage richtet sich ganz nach dem aktuellen Verkehr und kann je nach Bedarf aktiviert werden. Dabei weisen insgesamt fünf LED-Anzeigetafeln den Weg.

Zwei von ihnen sind Seitenaufsteller, die restlichen ziehen sich über die gesamte Fahrbahn und können so von oben herab wichtige Informationen wie die zulässige Höchstgeschwindigkeit oder Stauwarnungen anzeigen.

Alles im Blick haben dabei zwölf dynamische Videokameras mit Schwenk-Neigetechnik. Mit ihnen überprüft die Verkehrsleitzentrale in Echtzeit, ob sich Hindernisse auf dem Seitenstreifen befinden.

Die hochmoderne Anlage zur temporären Seitenstreifenfreigabe auf der A8 bei Karlsruhe wurde heute offiziell für den Verkehr freigeben.
Die hochmoderne Anlage zur temporären Seitenstreifenfreigabe auf der A8 bei Karlsruhe wurde heute offiziell für den Verkehr freigeben. | Bild: Autobahn GmbH Niederlassung Südwest

Dabei verbrauchen sie wenig Platz und benötigen keine zusätzlichen Spuren. Die Kamerasysteme werden von der Firma Funkwerk in Nürnberg gebaut und sind weltweit im Einsatz, alleine in Deutschland hundertfach.

"Dieser klimafreundliche und ressourcenschonende Ablauf ermöglicht es, die bereits vorhandene Verkehrsinfrastruktur effektiver zu nutzen", sagt Christine Baur-Fewson, Direktorin der Niederlassung Südwest der Autobahn GmbH.

Erhöhung der gefühlten und realen Sicherheit

Die betroffene Strecke ist nicht nur sehr kurvig, sondern auch steil, mit einer Steigung von 7,5 Prozent. Langsam fahrende LKW können hier schnell für Verkehrsstocken sorgen. Durch die Verflechtung zur A5 werde zudem häufig die Spur über mehrere Fahrstreifen gewechselt.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes, Stephan Krenz, (von links nach rechts), Slavica Grosanic, ...
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes, Stephan Krenz, (von links nach rechts), Slavica Grosanic, Teamleiterin Telematik bei der Autobahn GmbH des Bundes, Michael Theurer MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Verkehr, Christine Baur-Fewson, Direktorin der Niederlassung Südwest der Autobahn GmbH und Dr. Marion Mayer-Kreitz, Abteilungsleiterin Telematik und Verkehrsleitzentrale, geben die hochmoderne Anlage zur temporären Seitenstreifenfreigabe auf der A8 bei Karlsruhe offiziell frei. | Bild: Autobahn GmbH Niederlassung Südwest

Dies sind alles Gründe, weshalb hier vor allem ein großes Augenmerk auf die Verkehrssicherheit gelegt werden soll. "Mit solch einer flexiblen und intelligenten Steuerung  wird uns das in Zukunft gefühlt, als auch real sehr gut gelingen", so Mayer-Kreitz. 

Das Budget der Maßnahme liegt bei 2,5 Millionen Euro. Ein Drittel davon wird von der Europäischen Union im Rahmen des Programms Ursa Major Neo zurückgezahlt.

"Die Autobahnen stellen das Rückgrat unserer Wirtschaft dar", meint Theurer und betont mit diesem Statement, wie wichtig es sei, dass der Verkehr auf ihnen stetig optimiert wird.

Er bedankt sich bei allen Beteiligten, die das Projekt bei Wind und Wetter auf die Beine gestellt haben: "Ihr habt meinen vollsten Respekt und Anerkennung." Insgesamt kümmern sich rund 1.000 Mitarbeiter bei der Niederlassung Südwest um ca. 1050 Autobahnkilometer.

Verknüpfung von Digitalisierung und Mobilität

Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes, zeigt sich ebenfalls optimistisch: "Wir können durch digitale Vorhaben 10 bis 30 Prozent unserer Kapazität erhöhen."

"Das ist ein tolles Projekt, ich wünsche mir mehr davon, damit das Thema schneller voranschreitet. Wir sind auf dem richtigen Weg und werden weiterhin unseren Beitrag dazu leisten."

In einem ersten Testbetrieb der Anlage zeichnete sich bereits ein Erfolg ab: "Wir konnten bereits sehen, dass die Anlage angenommen wird", freut sich Krenz.

Fahrzeuge stehen auf einer Autobahn im Stau.
Fahrzeuge stehen auf einer Autobahn im Stau. | Bild: Mia Bucher/dpa/Symbolbild

Laut Mayer-Kreitz ist diese Anlage nun die dritte ihrer Art im Gebiet der Niederlassung Südwest. Zwei weitere gibt es schon auf der A8 bei Stuttgart-Möhringen und auf der A81 zwischen Ludwigsburg-Süd und Zuffenhausen . Im Moment sei außerdem eine vierte im Bau: Auf der A81 zwischen Böblingen und Sindelfingen.