"Personalbedingt kommt es zu Zugausfällen." Dieser Satz zeigte den Pendlern immer wieder an, dass das Ziel möglicherweise wieder etwas später erreicht wird. Da dies nun schon über einen längeren Zeitraum immer wieder vorkommt, hat der Ruf der Zuverlässigkeit der AVG gelitten.

Leidtragende sind vor allem Pendler aus dem Umland, die nicht einfach auf eine andere Verbindung wechseln können. Politiker fordern eine Verbesserung der Situation: Der südpfälzische Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart (CDU) beschreibt die Situation beispielsweise als "nicht zufriedenstellend". Frank Hörter, Kreisrat im Pfinztal, sieht die Situation gar als "nicht hinnehmbar". Sollte sich die Situation nicht bessern, stellen beide Kürzungen der Zuschüsse in Aussicht.

Es kommen wieder mehr Bahnen

Alles Anlässe, warum sich nun auch die Karlsruher Lokalpolitiker mit dem Thema auseinander setzen wollen und eine Anfrage im Gemeinderat an die Stadtverwaltung formuliert haben. Konkret wollen die Linken und die Kult wissen, wann sich die Situation wieder bessert und wie verhindert wird, dass sich diese Personalprobleme wiederholen.

"Die personalbedingte Ausfallquote bei den AVG ist in den letzten Jahren rückläufig", stellt die Stadtverwaltung ihrer Stellungnahme voran. "Waren in 2015 noch netzweit 112.528,6 Zug-Kilometer (0,7 Prozent der vertraglichen Zugleistung) von den personalbedingten Ausfällen betroffen, waren es in 2016 101.106,5 Zug-Kilometer (0,62 Prozent) und sind es aktuell im Zeitraum Januar bis November 2017 69.374 Zug-Kilometer (0,47 Prozent)."

In die Zahl der entfallenen Fahrten sind aber noch keine Wetter-, Fahrzeug-, oder infrastrukturbedingten Ausfälle berücksichtigt. So seien beispielsweise von Januar bis November 2017 98,58 Prozent aller Bahnen der Linie S5 gefahren. Abzüglich der 0,82 Prozent an entfallenen Fahrten durch mangelndes Personal, fahren also 0,6 Prozent der Bahnen aus anderen Gründen nicht im vorgesehen Takt.

 

Noch immer fehlen massiv Arbeitskräfte

Ausfall-Zahlen für den Dezember 2017 nennt die Stadt nicht. Sie bestätigt allerdings, dass es auch im letzten Monat des vergangenen Jahres zu krankheitsbedingten Ausfällen und einer angespannten Personalsituation kam - unter anderem, weil mehr AVG-Mitarbeiter im Raum Heilbronn eingesetzt wurden. Dort wurden Leistungen der DB Regio übernommen, "da die DB hier noch weitaus größere Personalprobleme hat, als die AVG."

Grund für eine Besserung der Lage sei unter anderem das Einstellen von neuem Personal gewesen. Während im Dezember 2015 noch 75 Mitarbeiter fehlten, seien im Dezember 2017 noch rund 36 Stellen unbesetzt gewesen. Eine Aussicht, wann der Bedarf an Triebfahrzeugführern gedeckt ist, will die Stadt aber nicht geben.

Imagerettung für das einstige Aushängeschild im ÖPNV?

Warum überhaupt der massive Mangel im Bestand? "Der Fehlbestand zum damaligen Zeitpunkt, vor 2014/15, war Ergebnis einer unter falschen Annahme erfolgten Personalbedarfsrechnung sowie der damals nicht im erforderlichen Umfang durchgeführten Nachsteuerung."

Die Situation soll sich auch künftig weiter verbessern. Dafür soll ein "massiv ausgebautes" Personalmarketing sorgen, denn der Markt um die Triebfahrzeugführer sei umkämpft. "Aktuell werden wir mit Prämienzahlungen anderer Gesellschaften konfrontiert, die auf diese Weise aktiv und aggressiv Personal abwerben." In Karlsruhe hofft man nun auch auf Unterstützung durch die Landesregierung, die eine Personalkampagne für den Schienenverkehr angekündigt hat.

Und dann, wenn sich die Fahrtausfälle nur noch auf das Wetter- und die Technik beschränken, könnte das getrübte Imageproblem, das sowohl die Kult, als auch die Linken sehen, wieder aufpoliert werden. Denn "für die Passagiere ist die Zuverlässigkeit des regionalen ÖPNV ein hohes Gut", so die Linke-Fraktion. Nur mit dieser könne das ehemalige Karlsruher Aushängeschild, der KVV, wieder glänzen.

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