Die gute Nachricht zuerst: Karlsruhes Schulen kommen zum neuen Schuljahr mit der aktuellen Anzahl der Lehrkräfte zurecht. Doch das bedeutet nicht, dass im Bereich Personal alles so läuft, wie es soll. Denn auch in Zukunft müssen genügend Lehrkräfte vorhanden sein. 

"Derzeit alle Stellen besetzt!"

Warum ein "gerade so" nicht gut genug für den Schulbetrieb ist und wie künftig Abhilfe geleistet werden kann, erklären Rektor Andreas Ramin vom Otto-Hahn-Gymnasium und der Leiter des Staatlichen Schulamts, Rüdiger Stein.

Rüdiger Stein, Ltd. Schulamtsdirektor Schulamt Karlsruhe
Rüdiger Stein, Ltd. Schulamtsdirektor Schulamt Karlsruhe | Bild: Marco Striebinger

"Karlsruhe und Umgebung sind ganz gut versorgt, wir haben alle Stellen besetzen können", meint Stein – doch einen Puffer für Ausfälle gäbe es kaum.

Dünne Personaldecke

"Es kommt immer wieder vor, dass Lehrkräfte aus familiären Gründen in Teilzeit wechseln, oder wegen Schwangerschaft von der Lehre eine Auszeit nehmen", erklärt Stein. Dies dünne das Personal zusätzlich aus. Das bestätigt auch Andreas Ramin.

Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel.
Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

"Der Pflichtunterricht kann mit dem derzeitigen Personal abgedeckt werden, aber die Knappheit von Lehrkräften macht sich dennoch im Schulalltag bemerkbar. Wir merken die dünne Personaldecke", ergänzt der Schuldirektor.

Durch Einjahresverträge von Lehrkräften werde derzeit versucht, die Unterrichtsversorgung abzudecken, doch das zentrale Problem bleibt bestehen: "Wenn wer ausfällt, bekomme ich mit internen Möglichkeiten keine Vertretung", so Ramin weiter.

"Der Lehrerberuf hat ein Image-Problem"

Damit sich Schulen ein Polster aufbauen können, um mit unvermeidbaren Ausfällen besser umzugehen, wünscht sich Schulleiter Ramin mehr finanzielle Unterstützung. "Wir – als Schulen – brauchen die nötige finanzielle Ausstattung, um entsprechend genügen Lehrer einzustellen", erklärt er.

Die Wahl der Schule fürs Kind kann zu Streit zwischen den Eltern führen.
Stühle in einem Klassenzimmer. | Bild: Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn

Doch auch wenn die Finanzierung steht, der Nachschub an Lehrern kommt der Nachfrage kaum hinterher. Der Grund dafür, laut Ramin: Ein Image-Problem.

"Wir müssen den Lehrerberuf so attraktiv gestalten, dass auch junge Studierende dabeibleiben", meint der Schulleiter. Von der Öffentlichkeit wünsche er sich mehr Wertschätzung für den Lehrerberuf – sei dieser doch essenziell für eine funktionierende Gesellschaft.

Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 800.000 Lehrkräfte.
Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 800.000 Lehrkräfte. | Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Die Zeiten, in denen der Lehrberuf synonym mit "gut bezahltem Halbtagsjob" und "eine Menge Urlaub" war, seien laut Ramin längst vorbei. "Vor 30 Jahren hätte ich diese Ansicht noch verstehen können, doch mit dem heutigen Beruf hat das Bild wenig zu tun", erklärt der Schulleiter.

Lehrer seien hoch qualifizierte Fachkräfte, die dabei helfen, die kommende Generation nachhaltig zu formen, meint Ramin. Die Kompetenzen dafür werden über eine langjährige Ausbildung erworben. Aber diese wirft ebenfalls Probleme auf, wie Stein der Redaktion mitteilt. Der Grund: Die Ausbildung dauert zu lange.

Flexibleres Ausbildungsmodell?

"Neue Lehrer kommen nur allmählich daher. Bis eine Lehrkraft die volle Ausbildung abgeschlossen hat, gehen gut sieben Jahre ins Land", so Stein. Ein flexibleres Ausbildungsmodell könne eventuell Abhilfe leisten.

Nicht nur für Schule und Hausaufgaben: Tablets werden gerne von der ganzen Familie genutzt.
Nicht nur für Schule und Hausaufgaben: Tablets werden gerne von der ganzen Familie genutzt. | Bild: Guido Kirchner/dpa/dpa-tmn

"Derzeit kommen auch vermehrt Quereinsteiger an die Schulen. Pädagogische Erfahrung ist dennoch zwingend notwendig", meint der Leiter des Schulamts. Eine kurzfristige Lösung zu finden, ohne die Qualität des Unterrichts zu mindern, sei ein schweres Unterfangen.

"Teilzeitkräfte halten die Schule am Laufen!"

Für Schulleiter Ramin sei die Flexibilität der Teilzeitkräfte derzeit der essenzielle Lösungsweg. "Die Lehrer in Teilzeit halten die Schulen über das Jahr am Laufen – viele stocken ihre Stunden bereitwillig auf", erklärt er. Allerdings bedeute Teilzeit auch, dass die Gesamtzahl der Lehrer pro Schule stark zunehme, was die Organisation und Planung deutlich komplexer gestalte, so Ramin.

Dass Freunde aus dem Kindergarten auf dieselbe Schule gehen, muss nicht das Hauptkriterium für eine Schule sein.
Schulkinder laufen über den Flur eines Schulgebäudes (Symbolbild). | Bild: Westend61/dpa-tmn

Für die Schüler spiele das allerdings kaum eine Rolle. "Ob Teilzeit oder nicht, der Lehrauftrag bleibt derselbe – und auch die Bezugspersonen bleiben konstant", erklärt der Schulleiter. Anstatt fünf Klassen betreue eine Teilzeitlehrkraft dann eben nur drei.

Schopper: "Kapazitätsgrenzen werden erreicht"

Mit kurzfristigen Lösungen ist es am Ende jedoch nicht getan, denn die Prognosen sehen nicht gut aus. "In naher Zukunft ist nicht mit einer Entspannung der Situation zu rechnen", sagt Schulamtsleiter Stein. Die Kultusministerin von Baden-Württemberg, Theresa Schopper, teilt diese Einschätzung.

Theresa Schopper (Bündnis 90/Die Grünen) spricht.
Theresa Schopper (Bündnis 90/Die Grünen) spricht. | Bild: Marijan Murat/dpa/Archivbild

"Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die an unsere Schulen kommen, noch einmal deutlich zunehmen wird und dass wir an manchen Orten an die Kapazitätsgrenzen auch an den Schulen kommen", sagt Schopper in einer Mitteilung an die Presse.

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Besonders betroffen seien vor allen Dingen der Grund- und Sonderschulbereich. Dort mache sich der Mangel an Lehrkräften am deutlichsten bemerkbar, so die Kultusministerin.