Zentral, günstig, gemütlich - so beschrieb sich das Traditionskino Kurbel in der Kaiserpassage. Der Duft von Popcorn, das Rascheln der Tüten, das Rattern der Kinofilme: All das wird die Kurbel zukünftig nicht mehr anbieten können.

Bis Ende 2009 waren sich alle einig

"Wir sind sehr traurig darüber, dass wir unser Kino verlieren", sagte Mitgesellschafter Christoph Stappert. Dem Aus, das für die Betreiber doch sehr plötzlich kam, gingen monatelange Streitigkeiten mit dem Vermieter voraus.

Vor einiger Zeit entstand die Idee einer Kooperation von Kurbel und Kinemathek. Beide sollten von der Idee profitieren. Die Kurbel bot dem kommunalen Kino an, einen ihrer vier Säle unterzuvermieten. Bis Ende 2009 waren sich beide Seiten einig, der Vermieter hatte den geplanten Umbaumaßnahmen zugestimmt.

Heute werden die Schlüssel übergeben

Im Januar 2010 sollte mit dem Umbau begonnen werden, damit das Gebäude im März für die Kinemathek einzugsbereit sei. Da dies aber bedeutet hätte, dass während der acht- bis zehnwöchigen Umbauphase auch Die Kurbel teilweise ihren Kinobetrieb auf Eis legen müsste, platzte die Vertragsunterzeichnung. "Wir können uns einfach keine Umsatzeinbuße leisten", sagte Kurbel-Geschäftsführer Theo Herbstrith damals gegenüber ka-news.

Jetzt hat der Vermieter dem Insolvenzverwalter die Pistole auf die Brust gesetzt, sagte Stappert. Wahrscheinlich habe der Vermieter es vorgezogen an einen Verein zu vermieten, der von der Stadt unterstützt wird. Heute werden die Schlüssel übergeben.

"Das ist ein Skandal"

"Wir haben vor fünf Jahren dieses Gebäude gerettet. Und das ist jetzt der Dank dafür. Der Verdacht liegt nahe, dass wir bei der vermeintlichen Kooperation eigentlich nie eine wirkliche Chance hatten", so Stappert. Die Kinemathek werde als städtischer Verein mit hundertausenden Euro unterstützt, da könne ein kleines Kino wie die Kurbel nicht mithalten.

"Es ist ein Skandal, wie auf der einen Seite - nämlich bei der Kinemathek - das städtische Geld zum Fenster herausgeschmissen und auf der anderen Seite an kulturellen und sozialen Einrichtungen der Rotstift angesetzt wird", empört sich Stappert.

Die Kurbel ist am Ende

"Der Umstand, dass die Kurbel schließt, geht auf eine privatrechtliche Auseinandersetzung zwischen dem Vermieter und dem Betreiber der Kurbel zurück. Diese möchte die Stadt Karlsruhe nicht kommentieren", teilte die Stadt auf Anfrage von ka-news mit.

Bereits im letzten Sommer wurde der Mietvertrag vom Vermieter gekündigt. Bis Ende Juni 2010 sollte entschieden werden, wie es mit der Kurbel weitergeht. Heute ist klar: Die Kurbel ist am Ende - nach mehr als 50 Jahren.

Aktualisierung 21. Oktober 2010: Die Kurbel unter neuem Gesellschafter wieder eröffnet.