Ein Bericht von Tabea Rueß

Bereits im Herbst 2008 hatte man sich zusammengesetzt und begonnen, die gemeinsame Nutzung der Räume zu planen. Dabei bot Die Kurbel dem kommunalen Kino an, eines ihrer vier Säle unterzuvermieten - beide Seiten sollten von der Idee profitieren. 

Konkurrenzlos: Kinemathek und Kurbel

Die Kinemathek, weil sie schon lange auf der Suche nach einem richtigen Kino mit einer größeren Leinwand war; die Kurbel, weil sie schon länger in finanziellen Schwierigkeiten steckte und die Miete nun nicht mehr alleine stemmen musste. "Beim Programm kommen wir uns schließlich nicht in die Quere, also waren wir alle begeistert von der Idee", erzählt Kurbel-Geschäftsführer Theo Herbstrith.

Bis Ende 2009 waren sich beide Seiten einig, der Vermieter hatte den geplanten Umbaumaßnahmen nicht nur zugestimmt, sondern diese sogar begrüßt. Gleich im Januar 2010 sollte damit begonnen werden, das Gebäude im März für die Kinemathek einzugsbereit sein.

Umsatzeinbuße würde den Ruin bedeuten

Da dies aber wiederum bedeutet hätte, dass während der acht- bis zehnwöchigen Umbauphase auch Die Kurbel teilweise ihren Kinobetrieb auf Eis legen müsste, platzte die Vertragsunterzeichnung. "Wir können uns einfach keine Umsatzeinbuße leisten", erklärt Herbstrith. Auch die Mitarbeiter hätten in dieser Zeit ohne Lohn auskommen müssen - "unvorstellbar", so Mitgesellschafter Christoph Stappert.

Aus der anfänglichen Euphorie wurde bald Verdruss. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte die Kinemathek ihren Mietvertrag bereits gekündigt, sich auf die Zusagen des Vertragspartners verlassen. Derzeit hält sie ihr Programm lediglich mit Sondervorstellungen in der Nancy-Halle, in der Badischen Landesbibliothek oder im ZKM aufrecht. 

"Dabei wäre der künftige Mietpreis viel niedriger gewesen als zuvor", erklärt der Leiter der Kinemathek, Alfred Meyer. Zwar hätte die Kurbel einen Untermietvertrag mit der Kinemathek eingehen müssen, da sie finanziell nichts zum Umbau beitragen konnte, dabei wären aber wiederum 25 Prozent des bereits niedrigeren Mietpreises vom städtischen Kino getragen worden, wie Meyer erklärt.

Stappert hält dagegen, dass jedoch außerdem 25 Prozent an dauerhafter Umsatzeinbuße durch den Ausfall eines Saales auf die Kurbel zukommen würde.

Räumungsklage gegen Kurbel - wie geht es weiter?

"Das wäre alles nicht so schlimm gewesen", betont Herbstrith, "wir wollten ja von Anfang an, dass diese wichtige kulturelle Institution der Stadt ein ordentliches Kino bekommt". Aber den Verdienstausfall könne sich das Traditionskino einfach nicht leisten. Inzwischen steht es für Die Kurbel allerdings Spitz auf Knopf. Ihr eigener Mietvertrag wurde bereits letzten Sommer vom Vermieter gekündigt, dieser hat der Geschäftsführung die Pistole auf die Brust gesetzt.

Es läuft eine Räumungsklage gegen das Traditionskino: Bis Ende Juni 2010 sollte sich entschieden haben, wie es weitergeht. Denn entweder stimmt Theo Herbstrith dem ursprünglichen Vertrag mit der Kinemathek und dem Vermieter zu - oder zieht aus.