Noch riecht es nach feuchtem Beton, es wird gebohrt und gehämmert. Wenn man das ehemalige Tullabad betritt, braucht es ein wenig Fantasie, um hier die zukünftige Heimat von Krokodilen, Faultieren und Co. zu erkennen. Doch wo man vor kurzem die Grundrisse des Hallenbades noch deutlich erkennen konnte, nimmt nun das Exotenhaus zunehmend Gestalt an. Man sieht: Es geht voran auf der Baustelle. 

430 Meter Erkundungstour auf drei Etagen

Es hat sich einiges getan auf der Exotenhaus-Baustelle. Clemens Becker, der kommissarische Leiter des Zoos Karlruhe, erzählt von den baulichen Fortschritten: So befänden sich erste Gehege, Volieren und die Stahlstäbe für die großen Kunstbäume bereits im Aufbau. Zusätzlich seien  Lüftungsrohre und Wasserführung bereits verlegt. Und auch Bürgermeister Michael Obert ist bei der Baustellenführung sichtlich zufrieden. "Was den Bau betrifft, liegen wir vollkommen im Zeitplan", erzählt er. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt. "Leider werden wir die Kostenkalkulation um zehn Prozent überschreiten", so Obert. Grund sei der Fund von Asbest-Rückstände vom damaligen Bau des Bades. 

Inzwischen sind die Baumaßnahmen allerdings so weit fortgeschritten, dass bereits die Route für den Rundgang durch das Exotenhaus feststeht. Über drei Etagen verläuft die rund 430 Meter lange Erkundungstour. "Ein Höhepunkt stellt sicher die große Halle dar", erzählt Becker. Neben zahlreichen freilaufenden und -fliegenden Tieren ist hier ein abgestuftes Teichsystem geplant.

Auf einer Empore darüber sollen sich künftig nicht nur Faultiere, sondern auch Besucher tummeln. Gleichzeitig nehmen weiter unten, wo früher Kinder fröhlich plantschten, sind neben einer Fledermaushöhle ein Terrarium, zahlreiche Aquarien und eine Amphibienstation geplant. Die müden Füße könne man anschließend in einem integrierten Gastronomiebetrieb oder der angebundenen Terasse, die Platz für 400 Personen bieten soll, ausruhen. Etwa zwei Stunden sollten die Besucher laut Becker für ihre Erkundungstour einplanen. 

"April oder Mai als Eröffnungsdatum realistisch" 

Ein solches Projekt braucht einen langen Vorlauf", erzählt Bürgermeister Obert beim Rundgang. In wenigen Monaten soll es dann aber losgehen: Parallel zu weiteren technischen Arbeiten soll zwischen Oktober und Jahresbeginn mit der Bepflanzung begonnen werden. Die ersten tierischen Bewohner würden dann voraussichtlich zwischen Januar und Februar kommenden Jahres ihr neues Domizil beziehen. 

Auf ein genaues Eröffnungsdatum will sich Becker dann aber doch nicht festlegen. "Die Tiere brauchen dann erst einmal eine Eingewöhnungsphase", erklärt er, "man kann nicht sagen, wie lange das gehen wird." Der Zooleiter schätzt die Eröffnung auf das späte Frühjahr. "April oder Mai halte ich durchaus für realistisch." 

Und die Liste der Bewohner ist lang - wie viele Tiere oder Arten am Ende im Exotenhaus ein neues Zuhause finden, steht auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher fest. Bei manchen Tieren ist man sich zu 100 Prozent sicher. Zu ihnen zählen beispielsweise die Saki-Affen, Faultiere, Flughunde oder ein Stumpfkrokodil. "Gleichzeitig haben wir Tiere reserviert, die noch gar nicht geboren sind", erklärt Obert. Gegenwärtig befände man sich in Gesprächen mit Zooanlagen in ganz Europa. 

Verhaltensgerechte Tierhaltung

Und wie steht um die artgerechte Haltung? "Das Säugetiergutachten betrifft uns hier im Exotenhaus nicht", erklärt Becker. Der Grund: "Wir waren bei der Planung großzügig", so Becker weiter, "Bei einem Neubau arbeitet man nie nach Mindestnormen." Und das macht sich nun bezahlt: Im Exotenhaus werden die im Säugetiergutachten geforderten Maßnahmen nicht nur erreicht, sondern sogar überschritten!" 

Damit diese sich auch wohl fühlen, sollen sich zehn Mitarbeiter um den exotischen Tierbestand kümmern. Daher habe man dieser Tage sechs Tierpflegerstellen ausgeschrieben. Diese sollen nicht nur von Anfang dabei sein, sondern auch von der Erfahrung anderer lernen. Geplant sind Ausbildungsausreisen, bei denen die neuen Tier-Sitter in andere Zoos geschickt werden. 

"Die Frage ist natürlich immer, was eigentlich artgerecht ist", meint Becker, "Artgerecht. Das bedeutet Leben in der freien Wildbahn - mit allen Vor- und Nachteilen." Das könne man in einem Zoo nicht leisten. Der Zooleiter schlägt daher einen anderen Begriff vor: "Ich würde nicht von einer artgerechten, sondern verhaltensgerechten Tierhaltung sprechen."

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