Während schon Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup bei der Mahnwache am Sonntag den Angriff Russlands auf die Ukraine verurteilte, kritisieren auch zahlreiche Russen und Russlanddeutsche den Einmarsch des Putin-Regimes. 

"Aus Gleichgültigkeit ist schon einmal Faschismus entstanden"

So etwa die russischstämmige Demonstrantin Sofia Cherepeanova, die eindeutig für die Ukraine Partei ergreift. "Ich kann kaum mit ansehen, was Wladimir Putin in diesem Land anrichtet und sämtliche Friedensangebote ausschlägt", sagt sie im Gespräch mit ka-news.de. "Er ist ganz einfach ein verrückter Mensch, der glaubt, dass er sich alles erlauben kann. Problematisch ist diese Mentalität natürlich, wenn dabei Atomwaffen im Spiel sind."

Mahnwache in Karlsruhe gegen Ukraine-Krieg, 06.03.2022
Sofia Cherepeanova (l.) demonstrierte gegen den Krieg in der Ukraine. | Bild: Lars Notararigo

Laut Cherepeanova habe es einen Grund, warum Länder wie Finnland oder Georgien derzeit eine Allianz mit dem Westen suchen. "Auch sie haben Angst. Angst, Putin schutzlos ausgeliefert zu sein. Ich finde so etwas nicht vertretbar - deswegen demonstriere ich hier."

Dass viele Russen in und außerhalb Russlands diesen Krieg mit Gleichgültigkeit sehen würden, bedauere sie. "Das finde ich mit am schlimmsten, denn gerade hier in Deutschland weiß man, dass aus so einer Gleichgültigkeit schon einmal der Faschismus entstanden ist."

"Viele Russen haben Freunde in der Ukraine"

Natürlich gelte eine solche Gleichgültigkeit bei Weitem nicht für alle Russen - zum Beweis haben sich zahlreiche Personen russischer Herkunft auf dem Marktplatz eingefunden. "Hier in Karlsruhe ist das Demonstrieren aber auch kein großes Problem", sagt eine weitere russischstämmige Teilnehmerin, Victoria Allgeier, dazu. "Aber mein Herz bricht für die Leute in Russland, die ihr Leben und ihre Freiheit riskieren, indem sie vor Ort gegen den Krieg protestieren."

Mahnwache in Karlsruhe gegen Ukraine-Krieg, 06.03.2022
Victoria Allgeier (r.) demonstriert sowohl für die Ukraine als auch für Regimekritiker in Russland. | Bild: Lars Notararigo

Eine Vielzahl an Menschen sei bisher in Moskau verhaftet worden, indem sie ihren Unmut gegen das Regime offenlegten. "Neben den Ukrainern möchte ich mich hier auch mit diesen Menschen solidarisch zeigen", sagt Allgeier.

Leider werde diese Gruppe bei vielen Solidaritätsbekundungen übersehen. "Es ist für beide Seiten eine schmerzhafte Katastrophe. Viele Russen haben eine freundschaftliche Bindung zur Ukraine und werden nun verhaftet, wenn sie sich gegen den Krieg stellen."

Mahnwache in Karlsruhe gegen Ukraine-Krieg, 06.03.2022
Bild: Thomas Riedel

"Ich bin dankbar, dass die Menschen Hilfe anbieten"

Es gebe dabei aber durchaus Möglichkeiten zur Hilfe: "Die Moskauer Menschenrechtsorganisation OVD-info beispielsweise setzt sich gerade in diesen Zeiten für die Rechte von Systemkritikern ein - und führt auch Protokoll über die Verhafteten, damit sie nicht einfach 'verschwinden' können. Ich bin sehr froh, dass solche Organisationen noch agieren und Putin somit nicht behaupten kann, ganz Russland hinter sich zu haben."

Das könnte Sie auch interessieren

Umso dankbarer sind die in Karlsruhe lebenden Ukrainer, dass sich auch russischstämmige Bürger mit ihnen solidarisieren: "Wir haben Angst", sagt ein ukrainischstämmiger Mann, der anonym bleiben möchte, im Gespräch mit ka-news.de. Jeden Tag fürchte er, keine Nachrichten mehr von seiner Familie zu erhalten. "Es ist schön, dass die Leute in Karlsruhe solidarisch sind und ich bin dankbar, dass sie Hilfe anbieten."

Doch, so kritisiert er auch, "so lange Putin die Bevölkerung in der Ukraine nicht fliehen oder die Hilfe durchkommen lässt, nutzen solche Mahnwachen leider recht wenig".

Das könnte Sie auch interessieren
Das könnte Sie auch interessieren