Vor dem Karlsruher Rathaus wehte eine ukrainische Flagge, als sich 2.500 Menschen am Sonntagnachmittag auf dem Marktplatz zur Mahnwache einfanden. Gegen Krieg, für Solidarität und für Hilfe sprachen sich verschiedenste Redner aus Deutschland und der Ukraine aus, darunter auch Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup. "Wir haben diese Mahnwache auch einberufen um unsere Fassungslosigkeit, unsere Wut aber unseren besten Willen zur Hilfe zu teilen", sagt er.

Oberbürgermeister Frank Mentrup hält eine Rede vor dem Karlsruher Rathaus.
Oberbürgermeister Frank Mentrup hält eine Rede vor dem Karlsruher Rathaus. | Bild: Thomas Riedel

"Dass die Bürger zu Tausenden eingeströmt sind, spricht für eine starke Stadtgemeinschaft, aber auch für die Bereitschaft, ein Zeichen für die Demokratie und gegen Russlands völkerrechtswidrigen Angriff zu setzen, den die Regierung Vladimir Putins leider an den Tag legt", so Mentrup. "In ganz Deutschland werden Mahnwachen wie diese abgehalten, denn immerhin schmieden wir seit Jahrzehnten europa- und weltweit Bündnisse um nie wieder Kriege wie im 20. Jahrhundert erleben zu müssen."

"Ein Angriff auf die Ukraine ist ein Angriff auf die freie Welt"

Auf jene Kriege, die nicht ohne Grund die Bezeichnung "Weltkrieg" in die Geschichtsbücher trugen, nimmt auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth Bezug: "Mehr als 75 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges ist mit diesem Krieg ausgebrochen, was zuvor außerhalb der Vorstellungskraft vieler lag. Voller Bangen haben wir in den letzten Wochen in die Ukraine geblickt - doch alles Hoffen auf eine diplomatische Lösung war vergebens", meint Harbarth.

Mahnwache in Karlsruhe gegen Ukraine-Krieg, 06.03.2022
Bundesverfassungsgerichtspräsident Stephan Harbarth am Mikrofon. | Bild: Thomas Riedel

Und wie weitreichend die Konsequenzen des Ukrainekriegs sein werden, könne man derzeit nur befürchten. "Das russische Regime hat den Bürgern der Ukraine durch seinen Angriff das Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung abgesprochen. Offenbar fürchtet die Regierung Putins nichts mehr als diese freiheitlichen Werte, die wir in Europa vertreten. Deshalb ist ein Angriff auf die Ukraine ein Angriff auf die freie Welt."

Was, wenn Putin Erfolg hat?

Schon jetzt ginge durch diesen Angriff ein spürbarer Ruck durch Europa. Alleine die Militarisierung, die unter anderem in Deutschland angekündigt wurde, sei ein unmissverständliches Anzeichen der Veränderung. "Vermutlich werden wir ihr volles Ausmaß erst im historischen Rückblick begreifen", so Harbarth. Doch schon jetzt müsse man auf die Zeichen eines neuen Zeitgeistes reagieren, wie Frank Mentrup ergänzt.

"Finnland oder Georgien, weitere Nachbarländer Russlands, setzen sich schon jetzt für einen Eintritt in die Nato beziehungsweise in die EU ein", so Mentrup. "Und wir sollten deren freiheitliches Bestreben auch ernst nehmen und uns ganz klar gegen ein Regime positionieren, das einen Angriffskrieg führt", sagt er.

Mahnwache in Karlsruhe gegen Ukraine-Krieg, 06.03.2022
Bild: Thomas Riedel

Man könne nämlich unmöglich abschätzen, welche Konsequenzen die Welt erwarten, sollte Putin Erfolg mit diesem Krieg haben. "Vielleicht greift China in naher Zukunft Taiwan an oder es folgen noch unvorhergesehenere Ereignisse. Am Ende kämpfen wir - auch mit dieser Mahnwache - für Frieden, Freiheit und Demokratie", erklärt Karlsruhes Oberbürgermeister. Ein Ausspruch der nicht ohne Beifall bleibt.

Eine friedliche Veranstaltung trotz 2.500 Personen

Abgesehen von erhobenen Stimmen sei die Mahnwache aber ruhig verlaufen. "Es war sehr emotional, aber es ist bis zum Ende friedlich geblieben", erklärt ein Sprecher der Polizei. "Auch die Corona-Regeln wurden beinahe zu 100 Prozent eingehalten. Und das alles obwohl über 2.500 Personen sich über den gesamten Marktplatz verteilt waren." 

Mahnwache in Karlsruhe gegen Ukraine-Krieg, 06.03.2022
Bild: Thomas Riedel

Wie sich im Nachhinein herausstellte, waren sowohl russisch- als auch ukrainischstämmige Demonstranten auf dem Marktplatz vertreten. Konflikte oder andere Anliegen als sich für den Frieden stark zu machen, habe es aber nicht gegeben, wie sowohl die Polizei als auch die Ordner der Demonstration bestätigen.

Alle Bilder zur Karlsruher Mahnwache am 6. März:

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