Seit 1993 befinden sich die Ateliers auf dem Gelände hinter dem Hauptbahnhof. "Hier ist in den letzten Jahren etwas gewachsen, das erhaltenswert ist", so Künstler Klaus Gündchen. Dabei war der Umzug der Kreativschaffenden auf das alte Bahnhofsgelände vor 22 Jahren ursprünglich eine Übergangslösung. Sie hatten ihre Ateliers auf dem Gelände des heutigen ZKM, welche sie für die Entstehung des Zentrum für Kunst- und Medientechnologie aufgeben mussten.

Künstler-Ateliers: Kündigung seit 2002

Nun sollen sie wieder umziehen - das steht bereits seit September 2002 fest. Damals kündigte ihnen die Stadt Karlsruhe das Mietverhältnis. Seitdem herrscht eine "schwebende Räumungsvereinbarung", das heißt die Künstler dürfen so lange bleiben, bis entweder ein Grundstückskäufer vorliegt oder der Gemeinderat beziehungsweise Hauptausschuss die Räumung beschließt. So geschehen am 24. Mai diesen Jahres.

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Grund sind Neubau-Pläne rund um das Bahnhofareal - nach jahrelangem Stillstand, kommt die Umgestaltung des südlichen Stadteingangs so langsam in die Gänge. Man möchte das "Umfeld des südlichen Hauptbahnhofs als Visitenkarte Karlsruhe" aufwerten, so steht es im Stadtentwicklungsplan für Karlsruhe (ISEK 2020). Bei der Stadtverwaltung wünscht man sich die Ansiedlung von Bürobauten und Hotels rund um den Bahnhof.

Obert: "Wir haben ernsthafte Interessenten"

Konkret beschlossen wurde im Dezember 2014 das neue Fernbusterminal. Es soll auf dem Areal in der Fautenbruchstraße entstehen. Auch ein Bürohauskomplex mit zwei Hochhaustürmen sowie weitere Gebäude - eines ist bereits neben der Tankstelle entstanden - entlang der Schwarzwaldstraße sind laut der Stadtverwaltung geplant. Doch wie realistisch ist die Umgestaltung des südlichen Bahnhof-Areals? Bereits vor Jahren versuchte man mit einem "Time-Park"-Plan (einem Komplex aus Büro- und Gewerbeflächen für High-Tech- und Medienunternehmen), Investoren auf das Gelände zu locken.

Inzwischen sei das "Filetstück" aufgeteilt, der "Time-Park"-Plan verworfen, heißt es aus dem Rathaus. Man wolle den Bebauungsplan überarbeiten und anpassen - denn: "Wir haben ernsthafte Interessenten", so Bau-Bürgermeister Michael Obert. Darunter seien auch neue Bewerber. Gute Nachrichten für die Wirtschaft, schlechte Nachrichten für die Künstlerkolonie.

Sanierung oder Abriss?

Fest steht: Die Häuser müssten entweder saniert oder abgerissen werden. Der Grund für eine Kündigung sind vor allem Sicherheitsmängel. "Es gibt erhebliche Mängel in der Elektrik, die auch vom TÜV aufgelistet sind sowie im Dachbereich", so Obert gegenüber ka-news. Das sei nach so langer Zeit nicht verwunderlich, da die Gebäude immer für den Abriss vorgesehen waren - mit Ausnahme des denkmalgeschützten Kesselhauses. Hinzu kommt: Teilweise seien auch von den Nutzern selbst nicht fachmännische Installationen veranlasst worden.

Doch wohin mit den Künstlern? Alternative Standort wie im Alten Schlachthof oder im Rheinhafen in den ehemaligen Thomy-Betriebsgebäuden lehnen die Kreativen ab. Zu teuer und ungeeignet, sagen die Künstler im Gespräch mit ka-news. Skulpturen schweißen, Holzstämme sägen oder meterlange Papierzüge auf dem Fußboden bemalen - das ist in renovierten Räumlichkeiten oder inmitten eines Wohngebietes nur schwer möglich. Hinzu kommt eine erheblich höhere Miete: In den Abriss-Häusern liegt die Miete bei unter einem Euro pro Quadratmeter; im Alten Schlachthof sowie im Rheinhafen läge sie bei rund vier Euro.

Wie es mit der Künstlerkolonie weitergehen wird, ist noch ungewiss. Im Mai machten sich die Fraktionen ein Bild vor Ort. Über ihre Zukunft auf dem Gelände wird vermutlich der Gemeinderat entscheiden.

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