Hallo Frau Peters, Gewichte stemmen im Fitnessstudio machen ja viele Menschen – aber wie kommt man dazu, daraus eine Sportkarriere zu machen?

Das ist tatsächlich ein langer Weg. Ich trainiere jetzt schon seit ungefähr acht Jahren, so klassisch, wie es jeder macht, wie Sie sagen. Ich habe den Gedanken auf die Bühne zu gehen auch schon mal so vor fünf Jahren gehabt. Aber damals war ich Anfang zwanzig und habe mir dann gedacht: „Hm, dann muss ich mein ganzes Leben dafür aufgeben, kann nicht mehr mit Freunden essen gehen und so weiter“. Ich war so früh, noch mitten im Studium, auch einfach noch nicht bereit dafür.

Dann kam der Gedanke vor ungefähr anderthalb Jahren wieder, weil mein Verlobter auch Bodybuilder ist, und ich bei ihm live mitbekommen habe, wie das ist, und dann habe ich eben gedacht: "Ok, du hast dein Umfeld, jetzt bin ich mental stark genug, um zu sagen, ich verzichte vielleicht auch auf ein paar Sachen." Und dann habe ich diese Entscheidung getroffen. Da haben einfach die Umstände besser gepasst, fester Partner, fester Job.

Was macht für Sie Bodybuilding aus, was ist das Besondere daran?

Es wirkt ja erst mal, als würde es nur um das Äußere gehen, aber das ist nur der Output des Ganzen. Ich habe das jetzt erst in der Diät gemerkt, wie viel im Kopf tatsächlich passiert, und was das mit mentaler Stärke und der Beschäftigung mit einem selbst zu tun hat. Es hängt ganz viel mit Disziplin zusammen und damit, dass man extrem über sich hinauswachsen kann.

Vanessa Peters
Hinter diesem Kreuz stecken viel Disziplin und Arbeit. | Bild: privat

Man arbeitet ja, wenn man es jetzt ganz krass sagt, gegen seinen Körper, gegen das, was der eigentlich will. Der will jetzt eigentlich eine halbe Packung Nudeln essen, weil er die Energie braucht, und man sagt dann eben: "Das geht jetzt nicht, ich habe ein anderes Ziel."

Sie starten ja gerade so richtig durch, erster Platz bei den Newcomern, vierte bei der Süddeutschen Meisterschaft, der Rhein-Neckar-Pokal… Was haben Sie noch vor?

Am 3. Dezember ist die Deutsche Meisterschaft, das ist dann der letzte Wettkampf diese Saison. Es war auch das Ziel, dass ich mich dafür qualifiziere, von daher passt das für mich. Ich bin sehr ambitioniert und will am liebsten immer gewinnen.

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Ich bin sehr ehrgeizig, aber natürlich auch realistisch: Ich weiß, was da für Konkurrenz stehen wird. Mein Ziel ist, da einen Finalplatz zu erreichen. Dann ist die Saison für mich zu Ende und ich gehe wieder in den Aufbau. Dann wird wieder mehr gegessen! (lacht)

Da steckt auf jeden Fall sehr viel Arbeit drin. Ist das ein aufwendiges Hobby oder kann man davon leben?

Also vom Sport und den Wettkämpfen an sich kann man definitiv nicht leben. Bei den Wettkämpfen, die ich jetzt gemacht habe, da gibt es kein Preisgeld. Und auch bei den Profis sind die Preisgelder nicht wahnsinnig hoch.

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Im Vergleich zu dem, was man in das Training investiert, hebt sich das überhaupt nicht auf. Das, womit man sich sonst finanzieren kann, sind Social Media, Sponsoring, gegebenenfalls eigene Produkte. Aber ich finanziere mir das durch einen ganz normalen Job und mein Erspartes.

Bodybuilding assoziieren die meisten wohl erst mal mit muskelbepackten Männern. Wie ist das, in dieser Sportart als Frau erfolgreich zu sein?

Ich finde es extrem cool! Ich steche auch gerne aus der Masse heraus, muss ich sagen. In den Bodybuilding-Kreisen ist es ganz normal, dass es da auch Frauen gibt.

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Die dunkle Farbe schafft Kontraste im Scheinwerferlicht, damit sich die Muskeln der Bodybuilderin deutlicher abzeichnen. | Bild: Fabrice Labako

Im normalen sozialen Umfeld ist das schon etwas Besonderes, es kommt auch definitiv nicht bei jedem gut an, weil damit auch viel Negatives assoziiert wird. Es gilt eben nicht als "normal", als Frau so auszusehen. Das ist aber eben auch das Thema mentale Stärke. Da muss man drüberstehen.

Ja, schlank und sportlich wollen ja viele Frauen sein – extrem trainierte Muskeln werden gesellschaftlich aber eher Männern zugeordnet oder gelten sogar als unweiblich. Wie ist Ihr eigenes, persönliches Schönheitsideal? Wie hat es sich entwickelt?

Früher wollte ich auch immer schlank sein, nur ein bisschen Muskulatur haben, und als ich mir dann das erste Mal Bodybuilderinnen in meiner Gewichtsklasse angeschaut habe, da fand ich das auch viel, und habe gedacht: "So will ich nicht aussehen." Tatsächlich war das dann einfach so ein Prozess durch die Beschäftigung mit dem Sport. Jetzt sehe ich so aus, natürlich noch nicht wie ein Profi, aber so in die Richtung, und finde das tatsächlich auch sehr ästhetisch.

Und wie reagieren andere Menschen, Frauen wie Männer, auf Ihre Muskeln?

Ich weiß gar nicht, ob ich das in Männer und Frauen differenzieren kann. Natürlich bekomme ich im Fitnessstudio Blicke von allen Seiten, da frage ich mich manchmal auch, was die sich gerade denken, ob was Gutes oder was Schlechtes.

Ich glaube, Männer finden es besser als Frauen. Weil es für Frauen einfach nicht so das Schönheitsideal ist und uns eben auch immer wieder indoktriniert wird, wir müssen schlank sein, da müssen Knochen rausgucken.

Männer zeigen also eher Bewunderung, weil solche Muskeln zu ihrem eigenen Schönheitsideal passen?

Ja, ich glaube schon. Ich kann es aber nicht ganz abschließend beurteilen. Wenn ich jetzt Single wäre, könnte ich das vielleicht besser beurteilen, wie ich bei Männern ankomme. Ich kann mir schon gut vorstellen, dass es für einige Männer dann doch nicht so attraktiv ist, weil sie einfach eine zierliche Frau wollen und der Mann der zu sein hat, der Muskeln hat.

Bemerken Sie Unterschiede im Training zwischen Männern und Frauen? Zum Beispiel beim Aufbau oder Aufrechterhalten der Muskeln?

Nee, würde ich gar nicht sagen. Mein Partner und ich, wir trainieren nach dem gleichen Schema. Natürlich mit anderen Gewichten, aber ansonsten… Dahingehend funktioniert der Körper von Mann und Frau wohl gleich, würde ich sagen.

Sie haben gesagt, man arbeitet eigentlich gegen seinen Körper. Wie gesund oder ungesund ist das? Was macht das mit dem Körper?

Gesund ist das Stadium, in dem ich mich gerade befinde, nicht. Wichtig ist, dass das nicht von Dauer ist, und man dann wieder auf ein normales Level kommt. Dass man so wenig Körperfett hat, hat natürlich unter anderem Auswirkungen auf die Gelenke, die sind nicht mehr so gut geschmiert, man ist verletzungsanfälliger.

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Faszinierend fürs Auge, aber hart für den Körper: Das extreme Training belastet auch die Gesundheit der Bodybuilder. | Bild: Fabrice Labako

Bei Frauen ist natürlich der Hormonhaushalt ein Thema. Wenn der Körper nicht mehr genug Energie hat, konzentriert er sich halt aufs Wesentliche und möchte dafür dann keine Zeugungsfähigkeit aufrecht erhalten, dann bleibt eben mal die Periode aus. Aber das kommt dann alles wieder, wenn man wieder mehr isst. Das muss man dann ja auch, zum einen für die Regeneration, die Gesundheit, aber auch, um wieder Muskeln aufbauen zu können.

Und psychisch? Wie geht man mit dem Thema Essstörung um?

Das ist ein großes Thema in der Bodybuilding-Szene. Ich kenne einige, die nach ihrer Wettkampfvorbereitung da Probleme haben. Weil man auch diesen Körper nicht mehr hergeben will. Man sah so gut aus und dann kommt wieder Fett drauf, was man einfach nicht möchte. Was aber sein muss.

Deshalb ist das Thema Essstörung da auf jeden Fall ein Punkt. Das Wichtige ist, dass man einen Coach hat, der einem zur Seite steht, einem Pläne schreibt, einfach auch, weil man irgendwann so das Selbstbild verliert, den Blick verliert, was gerade wichtig ist. Da braucht man einfach jemand Externes, der sagt: "Du isst jetzt diese Woche so und so." Und es hilft viel, mit anderen Menschen darüber zu sprechen.

Gibt es da eine Ablaufzeit, wie lange man das seinem Körper zumutet? Wie lange wollen Sie noch Bodybuilding machen?

Pauschal kann man das nicht sagen. Ich habe für mich jetzt mal so festgesetzt, mit dreißig steht dann langsam die Familienplanung an, also wären das jetzt vielleicht noch so vier, fünf Jahre, je nachdem wie es läuft, wo ich den ganzen Spaß machen würde, und dann würde ich auch wieder aufhören. Es gibt zum Beispiel auch eine Master-Klasse für über 35-jährige – da muss man eben überlegen, ob das in dem Alter noch ins Leben passt.

Was ist Ihr Ratschlag für alle, die -  wenigstens ein bisschen  mehr -  Muckis haben wollen?

Genug essen! Das machen viele falsch, das habe ich auch jahrelang falsch gemacht. Ich wollte gleichzeitig abnehmen und Muskeln aufbauen, was einfach nicht geht. Genug essen und im Training immer ans Limit gehen.