Herr Hanfmann, Sie sind in Karlsruhe geboren und aufgewachsen, können Sie uns ein wenig von Ihrem Werdegang erzählen?

Aber natürlich. Tennis war schon immer Teil meines Lebens und ich wollte schon immer Profi werden - seit ich noch ein Kind war und im TC Rüppurr Tennis gespielt habe. Mein Elternhaus war nicht weit weg von der Tennisanlage in Rüppurr und als kleiner Junge bin ich ständig rüber gegangen, um zu üben oder lag meinen Eltern in den Ohren, sie sollten mit mir Tennis spielen. Eine Zeit lang habe ich auch Fußball beim KSC in der Jugendmannschaft gespielt, beides auch auf einem recht guten Level.

Yannick Hanfmann wehrte sich wacker, aber schied gegen Rafael Nadal aus.
Yannick Hanfmann wehrte sich wacker, aber schied gegen Rafael Nadal aus. | Bild: Dean Lewins/AAP/dpa

Ach, Sie waren beim KSC?

Oh ja. Ich bin auch immer noch großer Fan und verfolge den KSC auch immer und überall - notfalls auch im Liveticker. Auch auf das neue Stadion freue ich mich sehr. Für mich und meine Karriere wurde die Balance zwischen Fußball und Tennis aber irgendwann zu viel. Als ich mich dann entscheiden musste, hat mein Herz dann aber doch mehr für Tennis geschlagen. Und dort hat es auch einfach besser geklappt.

Und wie begann dann Ihr Weg zum professionellen Tennisspieler?

Zunächst einmal ging der Weg für mich relativ - ich sag mal - normal weiter. Ich wollte zuerst einmal mein Abitur machen und anschließend war die Frage, werde ich jetzt Profi oder studiere ich erst einmal? Viele aus meinem Umfeld, gerade meine Eltern, haben eher in Richtung Studium gezeigt und ich ging auf ein College in Kalifornien. Nach den vier Jahren College - in denen ich auch Erfahrungen gesammelt habe - habe ich dann 2015 die Profitour begonnen.

Das ist im Vergleich zu manch anderem Profisportler ein wenig spät, oder nicht?

Ja durchaus. Aber ich glaube das war auch ganz gut so. Ich war nämlich in meiner Jugend wirklich nicht gut genug, um direkt nach dem Abitur mit 18 Jahren auf die Profitour zu gehen. Mir hat die Reife und auch die körperliche Leistungsfähigkeit gefehlt. Deswegen glaube ich, dass diese Zwischenstopps mir gutgetan haben, auch wenn mit zunehmendem Alter nicht mehr so viel Luft nach oben ist.

Nun haben Sie es als Tennis-Profi schon zum zweiten Mal in den Australian Open geschafft. Wie war es für Sie nun wieder in Australien anzutreten? Wie war vor allem der Unterschied zwischen diesem und letztem Jahr?

Der Unterschied zwischen diesem und letztem Jahr war vor allem, dass ich diesmal durch die Qualifikation musste, also ich hatte schon zu Beginn drei Qualifikationsmatche und ich habe natürlich mein erstes Hauptfeldmatch überhaupt bei einem Grand-Slam gewonnen. Letztes Jahr habe ich direkt im ersten Hauptfeldmatch gegen den Topspieler Andrei Rubljow gespielt und wurde besiegt. Es ist allerdings nicht immer einfach, wenn man direkt in ein Turnier hineinkommt und noch nicht wirklich weiß, wo man steht.

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Dieses Jahr hatte ich einige erfolgreiche Qualifikationsspiele aus denen ich viel Selbstvertrauen mitnehmen konnte und habe im Hauptfeld eigentlich gleich gezeigt, dass ich zumindest mit den Weltklassespielern mithalten und ihnen gefährlich werden kann. Deswegen bin ich eigentlich sehr zufrieden und positiv gestimmt, was meinen Auftritt in Australien angeht."

Mit welchem Gefühl nehmen Sie das erste siegreiches Grand-Slam-Match Ihrer Karriere mit nach Hause?

Es war schon ein sehr emotionales Match. Vor allem da wir auf einem relativ kleinen Platz  gespielt haben, der aber komplett voll mit Zuschauern war. Kokkinakis ist in seinem Heimatland Australien ein echter Publikumsliebling und dementsprechend war die Stimmung auch angeheizt. Sie haben gesungen, an die Banden geklopft und Ovationen gegeben, als Kokkinakis auf den Platz kam.

Yannick Hanfmann.
Yannick Hanfmann. | Bild: James Ross/AAP/dpa

Und das Match dann so glatt zu gewinnen und die Nerven so gut zu behalten - das war stark von mir, finde ich.  In den letzten vier Grand-Slams an denen ich teilgenommen habe, habe ich meiner Meinung nach im Hauptfeld nicht gut gespielt. Aber dieses Match war verdient für einen ersten Hauptfeld-Sieg.

Ich weiß noch, wie ich vom Platz gegangen bin und meinen Physio-Coach getroffen habe. Wir sind uns in die Arme gefallen, nach dem Motto 'endlich ein Hauptfeldsieg'. Ich muss sagen ich bin dankbar, dass es auf diesem Wege passiert ist und nicht in einem kleinen Stadion mit 15 Zuschauern."

Ihr zweites Match ging dann gegen Rafael Nadal. Wie war es, das zweite Mal gegen ihn zu spielen?

Das Ergebnis gegen Rafael war diesmal relativ ähnlich mit drei Sätzen die an ihn gingen. Aber das Match an sich habe ich völlig anders wahrgenommen.

Rafael Nadal jubelt nach dem Matchgewinn.
Rafael Nadal jubelt nach dem Matchgewinn. | Bild: Frank Molter/dpa

Und zwar bin ich mit einem viel besseren Gefühl vom Platz gegangen als nach meiner ersten Niederlage in Paris 2019. In Frankreich ist Rafael nämlich noch ein Stück gefährlicher, da ihm der Sandplatz dort eher zugutekommt als der Hartplatz in Melbourne. Der Hartplatz war nämlich ein Bonus für mich. 

Ich glaube, dass ich ihm dieses Mal insgesamt deutlich mehr Paroli bieten konnte und ein viel besseres Match hingelegt habe. Viele, die das Spiel gesehen haben, haben mir auch Komplimente dafür gegeben, deswegen war ich auch alles in allem zufriedener. Wenn ich das nächste Mal gegen Rafael spiele, kann ich vielleicht noch ein besseres Match hinlegen.

Wurden Ihre Erwartungen an die Australien Open denn alles in allem erfüllt? Oder hätten sie auf mehr als auf die zweite Runde abgezielt?

Auf die Auslosung der Matches schaue ich nicht besonders gerne im Vorfeld. Deshalb wusste ich auch nicht, dass ich gegen Rafael Nadal spielen würde und konnte keine so konkreten Erwartungen für das Turnier aufbauen.

Der Deutsche Yannik Hanfmann (l) ist bei den Australian Open in der 2. Runde gegen Rafael Nadal aus Spanien ausgeschieden.
Der Deutsche Yannik Hanfmann (l) ist bei den Australian Open in der 2. Runde gegen Rafael Nadal aus Spanien ausgeschieden. | Bild: Frank Molter/dpa

Als aber alles feststand wusste ich eigentlich, dass die erste Runde schon sehr schwer wird und die zweite gegen Rafael aber für einen Spieler von meinem Kaliber das Maximum ist. Bei meinem ersten Match gegen ihn hatte ich das Gefühl 'okay, ich kann ihm gefährlich werden' und war im Ergebnis dann aber doch weit weg davon.

Nun ist das Turnier aber vorbei. Wie ist es für Sie, nun wieder im heimischen Karlsruhe zu sein, nachdem Sie so lange auf der ganzen Welt präsent waren?

Für mich ist es wirklich schön hier zu sein. Ich verbringe momentan die meiste Zeit in München, wenn ich beim Training bin, aber die Heimat ist immer Karlsruhe. Hier habe ich Freunde und Familie und fühle mich grundsätzlich zu Hause. Am liebsten würde ich auch irgendwann mal wieder hierher zurückziehen und in Karlsruhe mein Leben leben.

Leider weiß ich nicht ob das in meinem Umfeld momentan funktioniert. Aber Karlsruhe ist einfach eine tolle Stadt. Ich komme hierher und das wird man auch nie aus mir rauskriegen. Leider kann ich aber nicht allzu lange bleiben, da es am Mittwochabend schon wieder weitergeht."

Wie geht es denn nun für Sie weiter?

Mittwoch geht es nach Südamerika - also ein weiterer langer Trip. Ich habe mir überlegt direkt von Australien aus zu fliegen, aber weil es in Südamerika auch eine lange Turnierreise wird wollte ich wenigstens ein paar Tage zu Hause verbringen.

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Anschließend geht es zuerst nach Argentinien zu zwei Turnieren, anschließend ein Turnier in Rio und eines in Santiago de Chile. Es wird also wieder warm spannend und es wird spanisch zugehen.

Im Sommer gibt es natürlich noch Wimbledon und die French Open, wo ich mich mindestens qualifizieren möchte, aber wie es da mit den Hauptfeldspielen aussieht, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen.