Hinterm Hauptbahnhof ist derzeit ordentlich etwas los: Aktuell wird ein weiterer Teil des sogenannten "Filetstücks" bebaut - und zwar mit neuen Bürogebäuden. Die Baustelle ist bereits in vollem Gange, am kommenden Dienstag, 10. April, findet die offizielle Grundsteinlegung durch Oberbürgermeister Frank Mentrup und Wirtschaftsbürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz statt (ka-news wird berichten).

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Zweiteiliger Bürokomplex mit Tiefgarage

Bis Mitte 2020 soll zunächst auf rund 20.000 Quadratmetern ein zweiteiliger Bürokomplex nebst Tiefgaragenstellplätzen realisiert werden. Das Alte Heizkraftwerk soll in eine Betriebskantine umgebaut werden. Außerdem: In einem weiteren Bauabschnitt, direkt vor der östlichen Parkgarageneinfahrt des Hauptbahnhofs und in Verlängerung der Ettlinger Allee, ist ein laut Badischen Neuesten Nachrichten 70 Meter hohes Wohnhaus mit weiteren rund 20.000 Quadratmetern Fläche geplant.

Büro-Neubau hinter dem Karlsruher Hauptbahnhof
Büro-Neubau hinter dem Karlsruher Hauptbahnhof. | Bild: Graf

Die Projekte könnten einige Auswirkungen mit sich bringen - vor allem auch auf das umliegende Verkehrsnetz: Wurde das Gelände zuvor "lediglich" von einigen Künstlern und deren Ateliers in den Jahren von 1993 bis 2015 genutzt, werden in Zukunft deutlich mehr Menschen das Gelände tagtäglich betreten.

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Für die neuen Bürogebäude sind immerhin rund 1.500 neue Arbeitsplätze vor Ort geplant - und die Flächen sind auch schon vermietet. An wen? Das ist noch unbekannt. Ein möglicher Mieter könnte die 1&1 Internet SE sein. Eine Firma, die ebenfalls Ralph Dommermuth gehört, der das Gelände 2017 gekauft hat. Schon im Dezember 2017 äußerte Mentrup diesbezüglich ein Anliegen der Stadt: "Wir erwarten, dass 1&1 Hauptmieter der Gebäude wird."

Die geplante Bebauung im Modell.
Die geplante Bebauung im Modell. | Bild: Graf

Areal hinterm Hauptbahnhof: Das "Filetstück"

Die 1&1 Internet SE mit Stammsitz in Montabaur belegt derzeit zwei Firmengebäude in Karlsruhe: In der Brauerstraße 48 und in Gebäuden der Ernst-Frey-Straße - nach Mitarbeitern ist Karlsruhe der größte von vier Standorten. Laut firmeneigenen Blogeintrag aus dem Jahr 2014 hat das Unternehmen rund 2.300 Mitarbeiter - eine ka-news-Anfrage für aktuelle Zahlen ist derzeit noch offen. Fest steht: Wäre ein Umzug in die neuen Büroräume hinterm Hauptbahnhof geplant, so könnte lediglich ein Teil der Mitarbeiter an den neuen Standort umziehen: nämlich maximal 1.500.

Dennoch: Sollten alle Arbeitnehmer des neuen Bürogebäudes im "Worst Case" zum neuen Unternehmensstandort anpendeln, entspräche das immerhin einem Prozent aller Berufspendler. Mit über 100.000 Berufspendlern zählt die Fächerstadt, neben Stuttgart und Mannheim, zu den wichtigsten Arbeitsmarktzentren in Baden-Württemberg.

Pendler nach Karlsruhe
Die aktuellen Pendlerzahlen. | Bild: Stadt Karlsruhe/Amt für Stadtentwicklung/Statistikstelle

Viele Beschäftigte kommen aus dem Umland zur Arbeit in die Fächerstadt - sie pendeln mit Bahn, Bus oder Auto. Die aktuellsten Pendlerzahlen stammen aus "Daten und Fakten der Stadt Karlsruhe": Von den 101.114 Berufseinpendlern (sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2016) kamen 44.417 aus dem Landkreis Karlsruhe, 10.434 aus den Kreisen Rastatt und Baden-Baden, 16.151 aus Rheinland-Pfalz und 2.699 aus Frankreich, hauptsächlich aus dem Nordelsass.

Erste Optimierungen des Verkehrsnetzes schon gemacht

Es ist anzunehmen, dass viele Arbeitnehmer auch öffentliche Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit nutzen - schließlich liegt das neue Büro-Areal in optimaler Anbindungslage am Hauptbahnhof. Dennoch bleibt die Frage, welche Auswirkungen die Bebauung auf die umliegenden Straßen haben wird und wie die Verkehre gegebenenfalls umgestaltet werden müssen. Vor allem, wenn auch ein Investor für das Fernbusterminal in der Fautenbruchstraße gefunden wird.

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Bisher wurde die Straßenführung sowohl am östlichen als auch am westlichen Ende angepasst: In der Schwarzwaldstraße wurde, unter anderem für den Fernbusverkehr, eine neue Ampelkreuzung geschaffen, an der Ettlinger Straße wurde die Zu- und Abfahrt zu den Parkplätzen am Hauptbahnhof sowie zur Fautenbruchstraße optimiert. Während der Bauarbeiten bis Mitte 2020 sind keine zusätzlichen Arbeiten zur Umgestaltung des Straßenraums am Hauptbahnhof Süd geplant, heißt es in einer Stellungnahme des Städtischen Tiefbauamtes. "Für die Erschließung der neuen Gebäude sind noch diverse Arbeiten auch mit Auswirkungen auf die Verkehrsführung in der Straße Hinterm Hauptbahnhof notwendig. Die zeitlichen und planerischen Randbedingungen dazu sind derzeit noch in der finalen Abstimmung", heißt es von Seiten der Stadt.

Der Artikel wurde nachträglich aktualisiert.

ka-news-Hintergrund

Mitte 2020 sollen die neuen Bürogebäude fertiggestellt sein - vermietet sind die Büros für 1.500 Arbeitsplätzen bereits. An wen, das wollen die Verantwortlichen noch nicht an die Öffentlichkeit gelangen lassen. Das ergibt eine ka-news-Anfrage an die das Bauprojekt betreuende Firma "S.K.E.T. Gesellschaft für Immobilienmanagement mbH". Nur soviel: Für die Vermietung sei Ralph Dommermuth zuständig.

Ralph Dommermuth ist der Bauherr der neuen Bürogebäude: 2017 hat er das Grundstück für rund 20 Millionen Euro gekauft. Bekannt ist Dommermuth als Vorstandsvorsitzender und größter Aktionär der United Internet AG, welche neben 1&1 noch zwölf weitere Marken wie Strato, web.de und GMX unter sich vereint. Der Durchbruch in der Internetbranche gelang ihm mit der Firma "1&1" - und machte ihn zu einem der reichsten Männer des Landes. Heute ist er aus diesem Grund auch als der "deutsche Bill Gates" bekannt.

Dommermuth hat das Grundstück als Privatperson gekauft - und tritt damit persönlich als Investor auf. Betreut wird das Bauprojekt von der Firma "S.K.E.T. Gesellschaft für Immobilienmanagement mbH". Die Firma gehört Ralph Dommermuths Bruder: Rainer Dommermuth. Gebaut werden die Bürogebäude von "Diringer & Scheidel Bauunternehmungen GmbH & Co KG" aus Mannheim.

Die ganze Historie des "Filetstücks" können Sie bei ka-news im Artikel "Areal hinterm Hauptbahnhof: Wie das Filetstück vom Ladenhüter doch noch zur Top-Adresse wurde" nachlesen.