Rückblick, Frühling 2020: Die Corona-Pandemie ist in Deutschland zunehmend spürbar und der erste Lockdown kündigt sich an. Während das öffentliche Leben nach und nach heruntergefahren wird, fallen auch an den Zapfsäulen die Preise. Im April 2020 kostet der  Liter laut Allgemeinen Deutschen Automobil Club (ADAC) durchschnittlich 1,08 Euro, E10 gibt es für 1,17 Euro. Im weiteren Verlauf des Jahres bleibt Sprit günstig.

Preis hat sich mehr als verdoppelt

Mit dem Jahreswechsel 2021 ist es damit schnell vorbei. Die neue CO2-Steuer lässt die Preise steigen und im April 2021 werden 1,30 Euro für den Liter Diesel und 1,46 Euro für den Liter E10 fällig. 

Spritpreise in Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

Heute, fast ein Jahr, eine erneute Anhebung der CO2-Steuer zum 1. Januar und einem Angriffskrieg in der Ukraine später, liegt der Preis für Sprit jenseits der 2 Euro. Am 9. März stehen für Diesel 2,22 Euro auf der Preistafel einer Aral-Tankstelle in Karlsruhe. Für Super werden ebenfalls 2,22 Euro fällig, teilweise liegt der Dieselpreis sogar über dem Preis für Super - ein Szenario welches lange undenkbar war und an den Zapfsäulen in Karlsruhe und Umgebung für Frust sorgt.

Motorradfahrer Steffen lässt sein Zweirad nun öfter stehen.
Motorradfahrer Steffen lässt sein Zweirad nun öfter stehen. | Bild: Thomas Riedel

"Ich fahre nur noch das Notwendigste und auch am Wochenende lasse ich mein Motorrad mal stehen. Es geht einfach nicht mehr", sagt Steffen, während er sein Motorrad betankt im Gespräch mit ka-news.de. "Die Preise sind nicht erst seit dem Krieg so hoch, schon vorher ging mit der CO2-Steuer der Preis nach oben."

"Alles wird teurer, Politik muss gegensteuern"

Seiner Meinung nach müsste die Politik mit einer Absenkung der CO2-Steuer gegensteuern. "Alles wird teurer, es ist katastrophal, kein Mensch kann das bezahlen", klagt der 45-Jährige aus der Karlsruher Oststadt.

Emanuel aus Karlsruhe.
Emanuel aus Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Ähnlich sieht es auch Emmanuel aus Karlsruhe. "Die Preise sind in den letzten Tagen extrem gestiegen und die Politik sollte jetzt was machen." Er erklärt, dass sich die Preissteigerung nicht nur auf die Tankstellen beziehen würde. "Lebensmittel, alles wird teurer und nix bewegt sich."

Das könnte Sie auch interessieren

Auch Massimo - der seit seiner Geburt in Karlsruhe lebt - fordert eine Steuersenkung. "Die Politik muss die Steuer ähnlich wie in Polen senken um die Bürger mal zu entlasten. Deutschland ist Steuerspitzenland und es wird Zeit, dass sich daran was ändert. Die Lebensqualität sinkt, wir gehen nur noch Arbeiten um Rechnungen zu bezahlen. Wir müssen wieder Wohlstand schaffen und die Mittelschicht stärken."

"Habe das Gefühl ich tanke goldenen Diesel"

Außerdem erklärt er, dass die Bundesregierung Ihre aktuelle Haltung zur Pipeline Nord Stream 2 überdenken sollte. "Nord Stream 2 sollte in Betrieb gehen, damit Heiz- und Energiekosten nicht noch weiter steigen." Die Bundesregierung hatte kurz nach Kriegsbeginn das Genehmigungverfahren für die neue Pipeline aus Russland gestoppt. 

Für eine Tankfüllung werden aktuell schnell mehr als 100 Euro fällig.
Für eine Tankfüllung werden aktuell schnell mehr als 100 Euro fällig. | Bild: Thomas Riedel

Sylvia aus Karlsruhe meint ganz kurz: "Ich habe das Gefühl ich tanke goldenen Diesel. Deshalb fahre ich aktuell auch wieder mehr Fahrrad." Uwe aus Stutensee ergänzt: "Für Vielfahrer ist es finanziell extrem stressig und ich denke das Ende ist noch nicht erreicht. Es wird beim Benzin eine dramatische Entwicklung geben."

Doris Leupen ist Inhaberin einer Tankstelle in Stutensee-Blankenloch.
Doris Leupen ist Inhaberin einer Tankstelle in Stutensee-Blankenloch. | Bild: Thomas Riedel

Doch nicht nur Autofahrer leiden unter den hohen Preisen. Auch für Tankstelleninhaberin Doris Leupen ist die aktuelle Situation nicht einfach. Sie ist Besitzerin einer OMV-Tankstelle in Stutensee-Blankenloch. "Viele Kunden sind einfach nur noch verärgert und jammern über die hohen Preise", gibt sie im Gespräch mit ka-news.de zu Protokoll. "Viele meinen auch sie können es sich bald nicht mehr leisten Auto zu fahren."

Zehn Tipps um beim Autofahren Sprit zu sparen:

Doch was tun, wenn man auf das Auto einfach angewiesen ist, es nicht einfach stehen lassen kann? Dafür hat der ADAC folgende Tipps parat:

    1. Fahrweise optimieren: Schnell beschleunigen, früh hochschalten (ab 2.00 Umdrehungen) und die Geschwindigkeit bei niedriger Drehzahl beibehalten. Erst runterschalten wenn der Motor ruckelt oder zu Brummen beginnt.

    2. Vorausschauend Fahren: Bremsen vergeudet Energie. Daher so lange wie möglich die Motorbremswirkung nutzen und beim Heranrollen an eine rote Ampel nicht den Gang herausnehmen. Die meisten Autos sind mit einer Schubabschaltung ausgerüstet, die die Kraftstoffzufuhr im Schubbetrieb komplett absperrt. Frühzeitig vom Gas gehen und das Auto die letzten hundert Meter bei eingelegtem Gang auf eine Ortschaft oder Ampel zurollen lassen, statt unmittelbar davor abrupt abzubremsen.

    3. Kurzstrecken vermeiden: Bei kaltem Motor verbraucht ein Auto am meisten Sprit. Um gleichmäßig zu laufen, benötigt zumindest der Ottomotor in der Warmlaufphase ein fetteres Gemisch als bei optimaler Betriebstemperatur. Deshalb bei Kurzstrecken lieber auf das Fahrrad umsteigen oder zu Fuß gehen. Im Winter das Warmlaufenlassen des Motors im Stand vermeiden – es ist verboten, belastet die Umwelt, kostet Extra-Sprit und schädigt den Motor.

    4. Motor im Leerlauf abschalten: Sobald der Motor läuft, verbraucht er Kraftstoff – auch wenn das Fahrzeug nicht fährt (etwa 0,5 bis 1 Liter pro Stunde). Daher: Motor aus, wenn die Leerlaufzeit voraussichtlich länger als 20 Sekunden dauert! An Bahnübergängen ist das sogar vorgeschrieben. Wer keine Start-Stopp-Automatik hat, kann auch selbst am Schlüssel drehen. Die zusätzliche Belastung für Anlasser und Batterie gerade bei warmem Motor ist zu vernachlässigen.

    5. Unnötige elektrische Helfer abschalten: Elektrische Geräte im Auto, wie etwa Steuergeräte, Beleuchtung, Lüfter, Klimaanlage, Sicherheits- und Komforteinrichtungen beziehen ihre Energie aus dem Bordnetz. Die elektrische Energie wird vom Generator bereitgestellt, der vom Verbrennungsmotor angetrieben wird. Folglich kosten eingeschaltete elektrische Geräte und andere Verbraucher Sprit.

      Der elektrische Energiebedarf ist – anders als beim Fahrwiderstand – nicht von der Fahrstrecke oder von der Geschwindigkeit abhängig, sondern von der Zeit, also von der Einsatzdauer. Zum Beispiel führt eine Klimaanlage je nach Fahrzeugmodell, Technik und Einsatzbedingungen zu einem Mehrverbrauch von etwa 0,3 bis 1,5 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer. Eine Standheizung kostet etwa einen Mehrverbrauch 0,2 bis 0,5 Liter pro Stunde. Eine sinnvolle Nutzung dieser Extras ist gut, denn ein angenehmes Innenraumklima hält den Fahrer fit.

      Damit die Spritrechnung nicht zu hoch wird, sollten Sie die Einschaltzeiträume jedoch auf das notwendige Maß begrenzen. Übrigens: Offene Seitenfenster oder Schiebedächer beeinträchtigen die an der Außenhaut anliegende Luftströmung und können dadurch ebenfalls Kraftstoff kosten. Auf beiden Seiten offene Fenster bei 100 km/h führen beispielsweise zu etwa 0,2 Litern Mehrverbrauch.

      Nur bei niedrigen Geschwindigkeiten – etwa im Stadtverkehr – können daher geöffnete Fenster einen signifikanten Verbrauchsvorteil gegenüber einer Klimaanlage bringen.

      Achtung: Nie an der Beleuchtung sparen, am Scheibenwischer oder an der Scheibenheizung und damit an der Sicherheit!

    6. Ladung und damit Gesamtgewicht reduzieren: Jedes Stück mehr im Auto bedeutet mehr Gewicht und kostet Kraftstoff. Ursache für diesen Effekt ist die sogenannten Massenträgheit, also der Energieeinsatz, der erforderlich ist, um eine Masse auf eine höhere Geschwindigkeit zu beschleunigen. Also am besten alles raus, was nicht  gebraucht wird. 100 Kilo Zusatzlast ergeben bis zu 0,3 Liter Mehrverbrauch.

    7. Energiesparreifen nutzen: Der Einfluss der Bereifung auf den Fahrwiderstand ist erheblich, deshalb werden im ADAC Reifentest Pneus regelmäßig auf ihren Rollwiderstand geprüft. Mit optimierten Reifen können Sie bis zu 0,5 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer sparen. Somit kann sich ein auf den ersten Blick teurer Reifen mit sehr geringem Rollwiderstand über die Nutzungsdauer mehr als amortisieren.

    8. Der richtige Reifendruck: Regelmäßig den Luftdruck überprüfen, denn zu wenig Luft in den Reifen erhöht den Verbrauch des Autos. Schon ein 0,3 bar verminderter Luftdruck steigert den Rollwiderstand und sorgt somit für unnötigen Mehrverbrauch. Um zusätzlich Kraftstoff zu sparen, kann man den vom Fahrzeughersteller empfohlenen Reifenluftdruck moderat erhöhen, sofern dies in der Bedienungsanleitung beschrieben ist. 

    9. Regelmäßige Wartung: Auf den ersten Blick scheint dieser Punkt unwichtig, sind moderne Fahrzeuge doch mit einer wartungsfreien digitalen Motorelektronik ausgerüstet. Grundsätzlich gibt es hier keine wartungsabhängigen Verbrauchsfaktoren. Geben Sie ihr Fahrzeug dennoch regelmäßig zur Inspektion. Denn es gibt Ersatzteile, die durchaus relevant für den Kraftstoffverbrauch sind – etwa der Motorluftfilter. Wichtig für günstige Verbrauchswerte sind auch regelmäßige Ölwechsel, die stets mit einem modernen Leichtlauföl erfolgen sollten. Hier sind die Vorgaben der Fahrzeughersteller einzuhalten. 

    10. Sprit-Spar-Training vom ADAC: In einem Auto mit Datenschreibertechnik bietet der ADAC eine Trainingsgelegenheit, bei der der persönliche Fahrstil aufgezeichnet und dokumentiert wird. Daraus können die Trainer individuelle Optimierungsvorschläge herleiten. Nach einer kurzweiligen, theoretischen Einheit kann das Erlernte in einer zweiten Fahrt angewendet werden. Das Ergebnis wird gemeinsam ausgewertet und am Ende des Trainings schwarz auf weiß ausgehändigt.