18  

Karlsruhe Neue Corona-Varianten breiten sich aus: Karlsruher Klinikum richtet eigene Mutations-Station ein

Die Corona-Mutationen sind auch in Karlsruhe angekommen. Bereits vergangene Woche war dies das große Thema bei der wöchentlichen Pressekonferenz im Städtischen Klinikum. Jetzt hat das Team um Klinikchef Michael Geißler erste Vorkehrungen getroffen, um Mitarbeiter und Patienten vor der Verbreitung der Mutationen zu schützen.

"Bei uns ist ein bisschen Stagnation eingetreten", beginnt Klinik-Chef Michael Geißler die Pressekonferenz am Freitag. Das heißt: Statt weiteren Rückgängen "klebe es" seit einer Woche auf der Covid-Station. Inzwischen musste sogar eine halbe Station wieder für Covid-Patienten geschlossen werden, obwohl das Städtische bereits zum Februar wieder schrittweise in Richtung Normalbetrieb steuern wollte.

"Wir haben diese Station vergangene Woche nach der Konferenz reaktivieren müssen und das hat sich seitdem auch nicht geändert", so Geißler. "Das zeigt uns, so ganz linear nach unten geht das eben doch nicht."

Aus diesem Grund befindet sich die Intensivstation des Klinikums wieder in Pandemiestufe drei. In dieser befinden sich aktuell zehn Patienten, wovon drei beatmet werden müssen. Auf der Covid-Allgemeinstation sind momentan 16 Person zugegen, 13 weitere werden zu den Verdachts- oder Quarantänefällen gezählt.

Klinik über Lockdown-Verlängerung erleichtert

Dementsprechend freut sich die Klinik-Leitung darüber, dass der Lockdown noch fortgeführt und "die Politik nicht dem Druck nachgegeben hat". "Es ist, glaube ich, die richtige Entscheidung sowohl für die Wirtschaft als auch für die Krankenhäuser. Denn dann lässt sich die Lage, trotz Mutationen, auch viel besser kontrollieren", so Geißler. Denn: Durch die Fortführung des Lockdowns wird der Mutante "der Spielraum genommen" sich weiter auszubreiten.

Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe.
Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe. | Bild: Melissa Betsch

Das schließt aber ein Problem für den Klinik-Chef nicht aus: "Wenn die Zahlen weiterhin so langsam sinken wie bisher - das heißt eine Inzidenz-Reduzierung von acht bis zehn in der Woche - dann sind wir in zirka zwei bis drei Wochen bei 35. Machen wir dann alle Läden auf, geht das nicht gut."

Der Grund: Der R-Wert sei dann immer noch zu hoch. "Wenn es in den nächsten zwei Wochen rapide heruntergeht, die Infektionszahlen sich immer weiter halbieren und der R-Wert bei 0,7 ankommt, dann könnte man bei einem Inzidenzwert von 35 öffnen", so Geißler weiter.

Jeder positive Test wird auf Mutationen untersucht

Da die Mutationen immer noch schwer einzuschätzen und nicht genug erforscht sind, sollen jetzt auch im Krankenhaus neue Vorkehrungen getroffen werden. So werden inzwischen alle positiven Corona-Tests im Klinikum auf Mutationen untersucht.

Ein Arzt macht einen Abstrich für einen Corona-Test.
Ein Arzt macht einen Abstrich für einen Corona-Test. | Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Das funktioniert so: Die Abteilung für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene führt bei einem positiven PCR-Test einen zweiten Test durch, mit dem dann die Corona-Virus-Mutationen nachgewiesen werden können. Entscheidend ist hierbei die Mutation N501Y und die Deletion 69-70. Deletionen sind im Grunde "Erbsubstanzbausteine" des Virus.

Sind diese Bausteine nicht mehr vorhanden, ist der Patient an einer der neuen Corona-Varianten erkrankt. Um welche es sich dann konkret handelt, stellen die Experten dann anhand weiterer Forschung fest.

Klinikum baut Mutations-Station auf

Neu ist auch, dass über die eigenen Tests hinaus fünf Prozent aller positiven Proben zur Sequenzierung an die Uni-Klinik nach Freiburg geschickt werden. "Das ist von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn so vorgegeben und soll aufzeigen, wie es in Deutschland eigentlich aussieht", so Geißler.

Doch nicht nur in der Forschung und Testung gibt es Änderungen. Auch will Krankenhaus die Verteilung seiner Corona-Patienten neu konzipieren. Darum soll das Klinikum zu den Covid- und Nicht-Covid-Stationen nun auch eine Covid-Mutation-Station hinzubekommen. Das heißt: Wird eine mutierte Variante festgestellt, werden diese Patienten von den anderen Corona-Patienten isoliert.

"Wir nehmen die Situation ernst und wollen Vermischungen und Übertragungen vermeiden", erklärt der Klinik-Chef. "Wieder ein erhöhter Aufwand, aber aus meiner Sicht, die richtige Maßnahme." Aktuell sind im Klinikum drei Fälle - zwei Patienten ein Mitarbeiter - bekannt, die eine der Mutationen aufweisen. 

Vorteil: Corona-Maßnahmen helfen gegen Influenza

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten: In dieser Saison hat das Klinikum noch keinen einzigen Grippefall registriert, wie Geißler erklärt: "Die Influenzasaison beginnt normalerweise nach Weihnachten und geht bis April. Aber diesmal ist die Influenza nicht nur kein Problem, sondern faktisch im Krankenhaus nicht vorhanden", sagt Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III. "Das gab es noch nie, seit ich hier bin." 

Martin Bentz, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III.
Martin Bentz, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III. | Bild: Verena Müller-Witt

Damit falle schon mal ein wichtiger Aspekt weg, der die Krankenhäuser saisonal sonst "sehr belastet". Grund dafür sind die enormen Corona-Maßnahmen, denn die wirken nicht nur bei Covid, sondern auch bei der der Influenza. Zum Vergleich: Allein in den Monaten Januar und Februar 2020 waren im Städtischen Klinikum insgesamt 170 Patienten wegen Grippe in Behandlung.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (18)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Dalli_Klick
    (567 Beiträge)

    13.02.2021 19:18 Uhr
    Angstlevel hochhalten
    Und hier wieder der wöchentliche, mit Panik gespickte, Artikel aus dem Klinikum. Die Mutantenangst wird jetzt seit Weihnachten künstlich hochgehalten. Natürlich auch von der Kanzlerin und unserem Ministerpräsidenten. Aber die Corona-Zahlen sinken. Wieso eigentlich lässt sich das Virus nicht von dieser Angstkampagne beeindrucken? Ignoriert es etwa Merkels Autorität? Böses Ding.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tom1966
    (1090 Beiträge)

    15.02.2021 07:57 Uhr
    "Mutantenangst" und "künstlich hochgehalten"?
    Bezweifeln Sie, Dalli_Klick, dass es diese Mutanten gibt und dass sie allen derzeitigen Erkenntnissen nach, anstreckender sind?

    Ich empfehle, sich mal die Situation in Tschechien anzusehen: Inzidenz um die 1000, hoher Anteil der Mutanten - und dann sprechen Sie nochmal von "künstlich hochgehaltener Mutantenangst"!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Motorhead
    (42 Beiträge)

    13.02.2021 16:35 Uhr
    Das ist
    reine Satire und meiner Ansicht sogar sehr angebracht bei den Kommentaren von Kicherente 😏
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kicherente
    (111 Beiträge)

    13.02.2021 13:53 Uhr
    @Alpfin
    Ich bestreite nicht, dass eine Coviderkrankung gefährlich sein kann. Allerdings muss man genauer auf die schwer Erkrankten und Verstorbenen schauen. Der Altersdurchschnitt der Verstorbenen liegt über der statistischen Lebenserwartung. Nur bei den Alten haben wir Übersterblichkeit. Unter 60jaehrige erkranken ausserst selten schwer. Momentan gehen die Zahlen laut WHO weltweit zurück unabhängig von Lockdown oder Impfung. Ich bestreite den Erfolg eines strengen Lockdowns wie wir es derzeit haben. Die diffamierten Schweden stehen am Ende nicht schlechter da als wir. Hier wie dort hat für Politik beim Schutz der Risikogruppen versagt. Anderen wurde die Existenzgrundlage entzogen. Es gibt kein Grundrecht auf immerwährende Gesundheit auf Kosten anderer festgeschriebener Grundrechte.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   AhmedDerAufklärer
    (84 Beiträge)

    13.02.2021 15:28 Uhr
    Hier
    Die Info zu den Schweden:
    Coronatote gesamt pro 100.000 Einwohner
    Deutschland 77.
    Schweden 120.
    D.h. 55,84% mehr Tote in Schweden als bei uns.
    Kann man ja diskutieren, ob das wünschenswert wäre.
    Bei Corona spielen viele Faktoren mit rein (Klima, Nachbarn...). Daher Schweden im Zusammenhang:
    Norwegen 11 Tote/100.000 Einwohner.
    Finnland 13 Tote.
    Dänemark 39.
    Ne wirklich "ganz tolle" Bilanz für Schweden, mit einer Verzehnfachung der Toten im Vergleich zu ähnlich gelegenen und aufgestellten Ländern.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   melotronix
    (3358 Beiträge)

    13.02.2021 15:30 Uhr
    ich würde mich mal mit diesen Zahlen..
    nicht so reinreissen, sondern eher eine gesicherte Quelle liefern!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   AhmedDerAufklärer
    (84 Beiträge)

    13.02.2021 16:08 Uhr
    Aha,
    Bauchgefühl trifft auf Fakten und ist überrascht, oder was zwinkern
    Bei "meinen" Zahlen kannst Du ganz beruhigt sein.
    Die Zahlengrundlage liefern die Johns Hopkins University und das RKI, nachzulesen beispielsweise da (Gesamtfallzahlen Europa):
    https://interaktiv.morgenpost.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/
    Hast Du andere Zahlen?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kicherente
    (111 Beiträge)

    13.02.2021 11:28 Uhr
    Bitte genauer hinsehen
    Ob ein Test als positiv oder negativ gewertet wird ist auch abhängig von der Anzahl der im Test durchlaufenen Zyklen (ct-Wert). Je mehr Zyklen desto mehr positive Ergebnisse, je mehr Zyklen desto geringer die Infektiosität.. In Deuschland wird der ct-Wert bei den Testergebnissen von den Laboren nicht angegeben. Schon dadurch ist die Anzahl der positiven Tests manipulierbar. Je mehr getestet wird, desto mehr falsch positive Testergebnisse kommen heraus. Bei nur einem Prozent falsch positiver Tests ist es kaum möglich die Inzidenz deitlich unter 30 zu drücken wenn die Tests noch ausgeweitet werden. Eigentlich müssten wegen der erheblichen Konsequenz positve PCR- Tests durch Antigentests verifiziert werden bevor man einen gesunden Menschen in Quarantäne schickt..
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   AhmedDerAufklärer
    (84 Beiträge)

    13.02.2021 15:31 Uhr
    Da
    muss ich wiedersprechen.
    In Deutschland Der ct-Wert bei den Testergebnissen von den Laboren sehr wohl angegeben, z.B. bei Synlab in Ettlingen.
    Wenn die anderen Angaben die Du verbreitest auch von ähnlichem Wahrheitsgehalt sind...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   runner
    (545 Beiträge)

    13.02.2021 10:30 Uhr
    Leute, bemüht euch doch wenigstens!
    Zitat von ka-news Deletionen sind im Grunde "Erbsubstanzbausteine" des Virus.

    Was soll denn dieser Quatsch? Ein wenig Aufklärung der Leserschaft ist im Grunde löblich, aber doch nicht so!
    Deletion ist nämlich kein "Erbsubstanzbaustein", sondern, wie der Name schon vermuten lässt, das Fehlen eines solchen im Chromosom.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.