"Bei uns ist ein bisschen Stagnation eingetreten", beginnt Klinik-Chef Michael Geißler die Pressekonferenz am Freitag. Das heißt: Statt weiteren Rückgängen "klebe es" seit einer Woche auf der Covid-Station. Inzwischen musste sogar eine halbe Station wieder für Covid-Patienten geschlossen werden, obwohl das Städtische bereits zum Februar wieder schrittweise in Richtung Normalbetrieb steuern wollte.

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"Wir haben diese Station vergangene Woche nach der Konferenz reaktivieren müssen und das hat sich seitdem auch nicht geändert", so Geißler. "Das zeigt uns, so ganz linear nach unten geht das eben doch nicht."

Aus diesem Grund befindet sich die Intensivstation des Klinikums wieder in Pandemiestufe drei. In dieser befinden sich aktuell zehn Patienten, wovon drei beatmet werden müssen. Auf der Covid-Allgemeinstation sind momentan 16 Person zugegen, 13 weitere werden zu den Verdachts- oder Quarantänefällen gezählt.

Klinik über Lockdown-Verlängerung erleichtert

Dementsprechend freut sich die Klinik-Leitung darüber, dass der Lockdown noch fortgeführt und "die Politik nicht dem Druck nachgegeben hat". "Es ist, glaube ich, die richtige Entscheidung sowohl für die Wirtschaft als auch für die Krankenhäuser. Denn dann lässt sich die Lage, trotz Mutationen, auch viel besser kontrollieren", so Geißler. Denn: Durch die Fortführung des Lockdowns wird der Mutante "der Spielraum genommen" sich weiter auszubreiten.

Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe.
Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe. | Bild: Melissa Betsch

Das schließt aber ein Problem für den Klinik-Chef nicht aus: "Wenn die Zahlen weiterhin so langsam sinken wie bisher - das heißt eine Inzidenz-Reduzierung von acht bis zehn in der Woche - dann sind wir in zirka zwei bis drei Wochen bei 35. Machen wir dann alle Läden auf, geht das nicht gut."

Der Grund: Der R-Wert sei dann immer noch zu hoch. "Wenn es in den nächsten zwei Wochen rapide heruntergeht, die Infektionszahlen sich immer weiter halbieren und der R-Wert bei 0,7 ankommt, dann könnte man bei einem Inzidenzwert von 35 öffnen", so Geißler weiter.

Jeder positive Test wird auf Mutationen untersucht

Da die Mutationen immer noch schwer einzuschätzen und nicht genug erforscht sind, sollen jetzt auch im Krankenhaus neue Vorkehrungen getroffen werden. So werden inzwischen alle positiven Corona-Tests im Klinikum auf Mutationen untersucht.

Ein Arzt macht einen Abstrich für einen Corona-Test.
Ein Arzt macht einen Abstrich für einen Corona-Test. | Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Das funktioniert so: Die Abteilung für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene führt bei einem positiven PCR-Test einen zweiten Test durch, mit dem dann die Corona-Virus-Mutationen nachgewiesen werden können. Entscheidend ist hierbei die Mutation N501Y und die Deletion 69-70. Deletionen sind im Grunde "Erbsubstanzbausteine" des Virus.

Sind diese Bausteine nicht mehr vorhanden, ist der Patient an einer der neuen Corona-Varianten erkrankt. Um welche es sich dann konkret handelt, stellen die Experten dann anhand weiterer Forschung fest.

Klinikum baut Mutations-Station auf

Neu ist auch, dass über die eigenen Tests hinaus fünf Prozent aller positiven Proben zur Sequenzierung an die Uni-Klinik nach Freiburg geschickt werden. "Das ist von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn so vorgegeben und soll aufzeigen, wie es in Deutschland eigentlich aussieht", so Geißler.

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Doch nicht nur in der Forschung und Testung gibt es Änderungen. Auch will Krankenhaus die Verteilung seiner Corona-Patienten neu konzipieren. Darum soll das Klinikum zu den Covid- und Nicht-Covid-Stationen nun auch eine Covid-Mutation-Station hinzubekommen. Das heißt: Wird eine mutierte Variante festgestellt, werden diese Patienten von den anderen Corona-Patienten isoliert.

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"Wir nehmen die Situation ernst und wollen Vermischungen und Übertragungen vermeiden", erklärt der Klinik-Chef. "Wieder ein erhöhter Aufwand, aber aus meiner Sicht, die richtige Maßnahme." Aktuell sind im Klinikum drei Fälle - zwei Patienten ein Mitarbeiter - bekannt, die eine der Mutationen aufweisen. 

Vorteil: Corona-Maßnahmen helfen gegen Influenza

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten: In dieser Saison hat das Klinikum noch keinen einzigen Grippefall registriert, wie Geißler erklärt: "Die Influenzasaison beginnt normalerweise nach Weihnachten und geht bis April. Aber diesmal ist die Influenza nicht nur kein Problem, sondern faktisch im Krankenhaus nicht vorhanden", sagt Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III. "Das gab es noch nie, seit ich hier bin." 

Martin Bentz, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III.
Martin Bentz, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III. | Bild: Verena Müller-Witt

Damit falle schon mal ein wichtiger Aspekt weg, der die Krankenhäuser saisonal sonst "sehr belastet". Grund dafür sind die enormen Corona-Maßnahmen, denn die wirken nicht nur bei Covid, sondern auch bei der der Influenza. Zum Vergleich: Allein in den Monaten Januar und Februar 2020 waren im Städtischen Klinikum insgesamt 170 Patienten wegen Grippe in Behandlung.

 
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