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Schock-Anrufe: So erkennen Sie ihn und schützen sich

Karlsruhe

Bei Anruf "Schock" - die perfide Masche der Trickbetrüger

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    Polizei warnt vor Schockanrufen
    Polizei warnt vor Schockanrufen Foto: Sina Pischem

    Aktualisierung, 10. Juli: Schockanrufbetrüger festgenommen

    Am Abend des 10. Juli konnte die Polizei einen mutmaßlichen Betrüger festnehmen. Er soll versucht haben, ein älteres Ehepaar aus Karlsruhe mit einem sogenannten "Schockanruf" um 45.000 Euro zu betrügen. Das Ehepaar informierte aber geistesgegenwärtig die Polizei. Diese konnte den Täter bei einer fingierten Geldübergabe stellen und verhaften. 

    Ob der Festgenommene auch in Verbindung zu dem Fall vom 2. Juli steht, konnte die Polizei auf Nachfrage von ka-news.de nicht beantworten. 

    "Es kann jeden treffen!"

    Am Dienstagmittag, 9. Juli, ist daraufhin die Polizei in Durlach-Aue unterwegs. Sie wollen die Bevölkerung in Karlsruhe vor genau diesen Telefonbetrügern warnen. Mit Flyern machen sich die Beamten auf den Weg in die betroffene Nachbarschaft. 

    Kennen sie diese Personen?
    Kennen sie diese Personen? Foto: Sina Pischem

    "Wer etwas Ungewöhnliches gesehen hat, soll umgehend die Polizei darüber informieren. Es kann jeden treffen", erklärt Ralf Danko gegenüber ka-news.de vor Ort. "Das sind absolute Profis, die am Telefon die Betroffenen täuschend echt unter Druck setzten" so Danko.  Wer jetzt glaubt: ach so naiv bin ich nicht, täuscht sich. Durch die Tonaufnahme lässt sich erkennen, wie real sich die Betrüger in Szene setzten. Das folgende Gespräch wurde vom Polizeipräsidium Hamburg nachgestellt:

    So klingt ein Schock-Anruf !

    "Sind Sie echt?" Anwohner sind misstrauisch, ganz zur Freude der Polizei

    Umringt von Kamerateams und Pressevertretern, verteilen fünf Beamte der Kripo die Flyer und hängen Plakate in Geschäften auf. Der Rummel zieht schnell die ersten Schaulustigen an. Ein älterer Herr mit Rollator fragt einen der Beamten: "Sind Sie ein Echter?" Eine Frage, die berechtigt ist, wenn sich Telefonbetrüger als Polizisten und Staatsanwälte ausgeben.

    Selbst mit Westen wird der Polizei von manchen Passanten misstraut
    Selbst mit Westen wird der Polizei von manchen Passanten misstraut Foto: Sina Pischem

    Danko lobt das Misstrauen des Herren: "Das ist ja genau das, was wir erreichen wollen. Mann muss leider immer häufiger hinterfragen, ob das Gegenüber tatsächlich der ist, für den es sich ausgibt. Vor allem am Telefon. Sollte man sich immer die Namen der vermeidlichen Polizisten geben lassen und im Zweifel bei der Polizei anrufen und klären, wer genau da bei einem angerufen hat". 

    Wie verfahren, wenn man einen Betrüger an der Strippe hat?

    Doch was machen, wenn man doch von einem Kriminellen angerufen wird? Ralf Danko erklärt: 

    "Legen Sie sofort auf! Keine Behörde stellt Geldforderungen über das Telefon oder nimmt Wertgegenstände als Kaution an. Sobald sie das Gefühl haben, dass Sie unter Druck gesetzt werden, sollten sie das Gespräch beenden und die Nummer blockieren. Lassen sie sich nicht in ein Gespräch verwickeln. Das sind Profis und können jeden emotional unter Druck setzen!"

    Ralf Danko: Leitet den Einsatz und die Ermittlungen im aktuellen Betrugsfall
    Ralf Danko: Leitet den Einsatz und die Ermittlungen im aktuellen Betrugsfall Foto: Sina Pischem

    Wichtig sei außerdem, keine persönlichen Daten preiszugeben. Schnell würde man sich verplappern und Namen, Adressen oder Angaben zur eigenen finanziellen Situation verraten, die von den Kriminellen dann genutzt werden könnten, um die Schlinge noch enger zuzuziehen und das Opfer noch weiter zu manipulieren. 

    Callcenter und Geldboten: Das Netz hinter den Schockanrufen

    Bei 30 Grad Celsius gehen die Polizisten von Haus zu Haus. Sie werfen die Steckbriefe in die Briefkästen und sprechen Anwohner an. Es drängt sich die Frage auf, kommen die Täter aus der Nachbarschaft? Woher wissen die Täter, welches Opfer sich lohnt anzurufen und bei welchem nichts zu ergaunern ist?

    Die Polizisten im Einsatz, fassen ansonsten Betrüger in Zivil. Deshalb zeigt ka-news.de ihre Gesichter und Namen nicht.
    Die Polizisten im Einsatz, fassen ansonsten Betrüger in Zivil. Deshalb zeigt ka-news.de ihre Gesichter und Namen nicht. Foto: Sina Pischem

    Danko erklärt, hinter den Schockanrufen stecken häufig  Banden, die beinahe schon wie richtige Unternehmen organisiert sind: "Wir haben schon Hinweise auf die Existenz von ganzen Callcentern in der Türkei, Osteuropa und dem vereinigtem Königreich erhalten. In diesen wird Tag für Tag nichts anderes gemacht, als solche Schockanrufe zu tätigen. Die einzelnen 'Telefonisten' beherrschen den gängigen "Polizeisprech" perfekt und können Laien leicht täuschen."

    Polizei warnt vor Schockanrufen
    Polizei warnt vor Schockanrufen Foto: Sina Pischem

    Von den Telefonisten gehe es dann weiter an sogenannte Dispatcher, die die Geldübergaben mit den Boten vor Ort organisieren. Danko fährt fort: "Um solche Kuriere handelt es sich auch bei den beiden Verdächtigen auf dem Steckbrief." Hinter der Betrugsmasche stünde also ein weitverzweigtes Netz aus Kriminellen, die nur auf das Geld von unbedachten Opfern aus seien. 

    Polizei warnt vor Schockanrufen
    Polizei warnt vor Schockanrufen Foto: Sina Pischem

    Wie finden die Täter ihre Opfer?

    Doch wie kommen diese Kriminellen an die Telefonnummern ihrer Opfer? Es sei laut Danko immer noch so, dass diese Banden ganze Telefonbücher durch Telefonieren. "Hier werden häufig alt klingende Namen präferiert, das muss aber nicht immer so sein. Von anderen Polizeidienststellen wurde uns sogar gemeldet, dass bereits künstliche Intelligenzen von Kriminellen eingesetzt wurden, um solche Anrufe vorzubereiten und potenzielle Opfer auszuwählen. Die Kriminellen gehen natürlich auch mit der Zeit."

    Polizeibeamte klären Anwohner auf
    Polizeibeamte klären Anwohner auf Foto: Marius Fritz

    "Bei meiner Mutter wurde schon drei oder viermal angerufen, aber sie ist für solche Fälle vorbereitet."

    ka-news.de trifft während der Aufklärungsarbeit der Polizei aus Frau F. Sie erzählt, dass ihre Mutter genau der Zielgruppe von solchen Schockanrufen entspreche. "Bei meiner Mutter wurde schon drei oder viermal angerufen, aber sie ist für solche Fälle vorbereitet."

    Die Mutter von Frau F. wurde bereits mehrfach von Betrügern angerufen
    Die Mutter von Frau F. wurde bereits mehrfach von Betrügern angerufen Foto: Sina Pischem

    Polizei sucht Zeugen

    Wer Hinweise zur Identität der beiden gezeigten Personen geben kann, wird gebeten, sich mit dem Kriminaldauerdienst in Verbindung zu setzen. 

    Polizei warnt vor Schockanrufen
    Polizei warnt vor Schockanrufen Foto: Sina Pischem

    Erreichen kann man diesen telefonisch unter 07216665555 oder per Mail unter karlsruhe.kd.k3@polizei.bwl.de.

    Da die Kriminellen häufig auch die aktuelle Berichterstattung verfolgen, wurde die Redaktion gebeten, die Kriminalpolizisten, die sich am heutigen Einsatz beteiligt hatten, nicht namentlich zu nennen oder ihre Gesichter zu zeigen. So sollen die Beamten auch bei verdeckten Einsätzen nicht erkannt werden. Dieser Bitte kommt die ka-news.de Redaktion nach. 

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