"Ziel des heutigen Infoabends ist es, verschiedene Varianten vorzustellen, wie genau die zweite Rheinbrücke letztendlich durch eine Querspange mit der B 36 verbunden wird", sagt Sylvia Felder, Karlsruhes Regierungspräsidentin, beim Informationsabend am Dienstag, den 04. Oktober, in der Neureuter Badnerlandhalle. Während sich draußen Demonstranten gegen den Bau der Brücke eingefunden haben, sei es Ziel des Regierungspräsidiums, sein Bauvorhaben genau zu erklären. 

Sylvia Felder
Sylvia Felder, Regierungspräsidentin des Bezirks Karlsruhe. | Bild: Lars Notararigo

"Natürlich haben wir großes Verständnis für alle möglichen Proteste und möchten diese auch in unsere Planungen und Untersuchungen mit einbeziehen. Genau deshalb veranstalten wir diesen Informationsabend ja auch", erklärt Felder. "Im Vordergrund stehen Fragen des Umweltschutzes, des Naturschutzes, des Lärmschutzes und so weiter. Wir möchten, dass die Bürger unsere Planung nachvollziehen können und möchten zeigen, dass wir zu Kompromissen bereit sind."

Die Varianten der Querspange zur B 36

Diese "Kompromissbereitschaft" wurde in Form von drei Varianten vom Regierungspräsidium vorgestellt, zuvor erfolgte eine Einführung in die Historie der Brückenplanung. Da sich das Projekt laut der Präsidiumssprecherin Carina Langer noch immer im Vorplanungsstadium befinde, könne die Querspange auch durchaus an die Wünsche der Anwohner angepasst werden." Zusätzlich zu den Varianten seien auch verschiedene Unteroptionen möglich.

Während die schwarze Kurve die Rheinbrücke darstellt, zeigen die verschiedenfarbigen Linien einen möglichen Verlauf der Querspange.
Während die schwarze Kurve die Rheinbrücke darstellt, zeigen die verschiedenfarbigen Linien einen möglichen Verlauf der Querspange. | Bild: Regierungspräsidium Karlsruhe

Ausschlaggebend für die Varianten seien dabei die raumstrukturelle Wirkung. Also der Einfluss auf Anwohner, Arbeitsplätze und Infrastruktur, die Wirkung auf den Verkehr, auf die Sicherheit, die Wirtschaft in Form von Störfällen und natürlich auf die Umwelt. Zu den Umweltfaktoren zählen auch Lärm- und Artenschutz. Tatsächlich habe aber nur die Variante 1b bisher allen Überprüfungen standgehalten.

Varianten der Querspange 2
Bild: Regierungspräsidium Karlsruhe

Alle anderen Varianten führten direkt durch das Naturschutzgebiet, wodurch diese Standards nicht mehr gewährleistet werden, wie den Grafiken der Präsentation zu entnehmen ist. Natürlich dürfe die Querspange auch nicht zu nahe an Knielingen oder Neureut verlaufen, um den Lärm erträglich zu halten, so das Regierungspräsidium am Dienstag.

Ein Tunnel zur Rheinbrücke hin?

Bei nur einer vollständig umsetzungsfähigen Variante bespreche die Stadt schon jetzt alternative Konzepte für den Verlauf der Querspange. "Ein geschlossener Tunnel würde zum Beispiel die Lärmbelästigung und den Austritt von Emissionsgasen in die nähere Umgebung dämpfen", heißt es dazu auf Informationsabend am Dienstag. Auch Störfällen bei ansässigen Unternehmen könnte man durch den Tunnelbau vorbeugen.

Querspange Infoveranstaltung
Könnte man den Lärmpegel einfach in einem Tunnel einschließen? | Bild: Lars Notararigo

Ein ähnlicher Effekt könnte auch durch die Kombination zweier Varianten erzielt werden, etwa der Varianten 2 und 1b, die somit an den Naturschutzgebieten und an Knielingen vorbeilaufen würden.

Varianten der Querspange 3
Aus Variante 1b und Variante 2 ergibt sich laut Regierungspräsidium Variante 3d. | Bild: Regierungspräsidium Karlsruhe

Vorteil dieser schleifenförmigen Anordnung wäre, dass man auf eine vollständige Ummantelung in Form eines Tunnels verzichten könnte. Dem Lärm sei in diesem Fall problemlos durch Barrieren entlang der Leitplanken beizukommen. In der Summe sei sie also eine genehmigungsfähige Möglichkeit, die Querspange zu planen. Nur werden die Bürger sie auch annehmen?

So weit weg vom Wohngebiet wie möglich

Um das herauszufinden, führen die Mitarbeiter vor Ort eine digitale Umfrage durch, an der sich alle Anwesenden beteiligen können. Die Auswirkung ist eindeutig. Klarer Favorit ist Variante 3d, die eine Schleife an den Wohn- und den Naturschutzgebieten vorbei beschreibt. Den zweiten Platz belegt Variante 1b  und liegt mit einigem Abstand dahinter. Wohngebiete zu meiden scheint die Priorität zu sein - ein Eindruck, den auch Baubürgermeister Daniel Fluhrer bestätigt.

Daniel Fluhrer, Baubürgermeister der Stadt Karlsruhe.
Daniel Fluhrer, Baubürgermeister der Stadt Karlsruhe. | Bild: Lars Notararigo

"Das Umfrageergebnis ist auch im Sinne der Stadt. Uns war klar, dass wir eher keine der Varianten wählen werden, die näher an den Siedlungsstrukturen liegt", sagt der Baubürgermeister. Ist die Entscheidung damit also gefallen? Wohl kaum. Zu viele Faktoren müssten noch berücksichtigt werden, bevor die ersten Entwürfe der Querspange die Zeichenbretter verlassen.

"Es ist eine undankbare Aufgabe"

Verkehrsbelastungen etwa müssten ebenfalls noch austariert werden, wie Fluhrer weiter erklärt. "In Knielingen, genauer gesagt der Sudetenstraße rechnen wir mit mit enormen Entlastungen, sobald die Querspange fertiggestellt ist. Dort werden zirka 11.000 Fahrzeuge weniger pro Tag fahren, sobald im Norden neue Routen freigegeben sind. In Neureut hingegen rechnen wir mit 2.000 neuen Fahrzeugen pro Tag. Wie genau dieses Problem zu lösen ist, wird die Stadt gemeinsam mit dem Präsidium erarbeiten."

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Bisher seien all diese Ansätze aber noch Zukunftsmusik. Zunächst müssten die Vorplanungen abgeschlossen und dem Bundesverkehrsministerium vorgelegt werden. Wann dieses eine Genehmigung erteilt, sei derzeit noch nicht abzusehen. "Auch beim Preis kann ich keine verbindlichen Aussagen treffen, da das Projekt ja zum großen Teil vom Bund finanziert wird", sagt Fluhrer. 

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"Es ist eine undankbare Aufgabe, die Querspange und die Rheinbrücke so zu planen, dass an alles gedacht wird, aber ich bin überzeugt, dass wir bis zum Baubeginn 2027 die richtigen Entscheidungen treffen werden", wie der Baubürgermeister schließt.

 
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