Von Karies bis Salmonelle, von Durchfall bis Chlamydie - der Online-Shop "Riesenmikroben" von Tobias Dietrich bietet alles andere als das klassische Spielwarensortiment. Schon seit 2004 ist der Unternehmer im Spielwarengeschäft tätig, arbeitete davor in der IT-Branche beziehungsweise im E-Commerce. Die Idee mit den Riesenmikroben schnappte Dietrich in der USA auf. Da sind die Plüsch-Bakterien, Viren und Zellen (zusammengefasst: Mikroben) bereits lange bekannt.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Partikeln des Coronavirus SARS-CoV-2.
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Partikeln des Coronavirus SARS-CoV-2. | Bild: Uncredited/NIAID/NIH/dpa

"Riesenmikroben" haben treue Fans

"Ich wollte selbst einmal versuchen, einen eigenen Shop aufzubauen. Ich wollte etwas, was es so in Deutschland noch nicht gibt", erläutert Dietrich im Gespräch mit ka-news.de. Zunächst habe er nur ein paar von den plüschigen Riesenmikroben nach Deutschland importieren lassen, da das Geschäft damit aber "erstaunlich gut" lief, übernahm Dietrich die Distribution von dem Original-Shop "Giant microbes" aus den USA. 

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Kurzum: Ein völlig neues Gebiet hat Dietrich mit dem Vertrieb der Riesenmikroben nicht betreten. Aber: Die ungewöhnlichen Plüschfiguren und die dazu passenden Fanartikel sollen auch in Deutschland einen treuen Kundenstamm haben. Allerdings liegt dieser nicht primär bei den Kindern.

Riesenmikroben Online-Shop Corona Fanartikel
Witzig oder geschmacklos? Das Corona-Virus gibt es nicht nur Plüschform. Auch Tassen und andere Fanartikel werden damit bedruckt und verkauft. | Bild: Riesenmikroben

"Die Riesenmikroben sind in Fachkreisen sehr beliebt. Das sind vor allem Personen, die mit Medizin zu tun haben oder mit Pharma", erläutert Dietrich. Da werde schon mal eine "Plüsch-Gehirnzelle" zum Abschluss geschenkt oder eine Nervenzelle als "Gag" weitergereicht, wenn jemand gestresst ist. Mit einem Spielzeug in diesem Sinne haben die Mikroben weniger zu tun. 

"Sind Autos oder Zigaretten etwa auch makaber?"

Mit dem Jahr 2020 wuchs dann auch das Sortiment von Dietrichs "Riesenmikroben" an. Denn: Neu hinzu kam das "lebendige" Corona-Virus in rot und ein "totes" Corona-Virus in schwarz. Sogar plüschige Corona-Impfdosen gibt es inzwischen in dem Online-Shop zu kaufen. Nichtdestotrotz soll auch hier das Konzept ursprünglich vom Mutterkonzern "Giant Microbs" aus den USA stammen, betont Dietrich.  

Corona-Impfstoff Plüschfigur
Der Corona-Impfstoff als Plüschfigur. Länge: zirka 13 cm. | Bild: Riesenmikroben

"Die sind dort ziemlich schnell auf die Idee gekommen, so eine Mikrobe zu produzieren. Das war bereits Anfang 2020. Bis die produzierte und bestellte Ware schlussendlich in Deutschland landete, sind auch nochmal einige Monate vergangen. Damals war ja noch die Rede, das Ganze wäre schnell wieder vorüber. Keiner wusste, wie sich das weiterentwickeln würde", sagt der Karlsruher Shopbetreiber im Gespräch mit ka-news.de. 

Corona Plüschtier
Bild: Riesenmikroben

Dass die plüschigen Viren jedoch von der Bevölkerung als geschmacklos oder makaber angesehen werden könnten, da das Virus inzwischen vielen Menschen das Leben gekostet hat, kann Dietrich nicht nachvollziehen. "Wenn man all das, was Menschen bereits das Leben gekostet hat, als makaber bezeichnen würde, dann müsste man auch andere Dinge dazuzählen. Wie Zigaretten oder Autos."

Aufklärung "mit Augenzwinkern"

Dietrich sei sich zwar bewusst, dass durch die plüschigen Corona-Artikel natürlich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit provoziert werde. Eine Verharmlosung oder Verniedlichung der Krankheit sei aber definitiv nicht das Ziel des Unternehmens. "Es geht nicht darum, sich über die Krankheit lustig zu machen, sondern aufzuklären und zu informieren. Alles natürlich mit einem gewissen Augenzwinkern", sagt er gegenüber ka-news.de. 

Bei "Riesenmikroben" gibt es die Corona-Artikel auch als Schlüsselanhänger.
Bei "Riesenmikroben" gibt es die Corona-Artikel auch als Schlüsselanhänger. Rechts wird ein Antikörper dargestellt, der einen "Fremdkörper" gefangen hat. | Bild: Riesenmikroben

Um diesen Aspekt der Aufklärung noch zu verdeutlichen, werden zu den Mikroben auch immer passende Informationstexte beigelegt. Diese, so ist sich Dietrich sicher, könnten sogar einen Beitrag zur Corona-Bekämpfung leisten: "Wenn sich jemand den Text der Corona-Impfungs-Mikrobe durchliest und sich dann entschließt, sich impfen zu lassen, dann hat das schonmal mehr gebracht, als das Ganze als makaber abzustempeln."

Je mehr Corona im Alltag, desto mehr Umsatz im Shop

Aber wie steht denn die Mehrheit dazu? Sind die Plüsch-Viren im Rahmen der Pandemie wirklich geschmacklos? Oder ist gar ein Hype um sie losgebrochen? Tatsächlich hänge die Anzahl der verkauften Corona-Accessoires von der jeweiligen Corona-Lage ab, wie Dietrich gegenüber der Redaktion zugibt.

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"Im Sommer schien Covid ja weitgehend kein Thema mehr zu sein, dementsprechend sind dann auch die Verkaufszahlen gesunken."  Durch Delta und Omikron habe der Verkauf dann wieder angezogen. Unterm Strich lässt sich also sagen, je mehr Corona im Umlauf ist, desto mehr klingelt die Kasse?

Das plüschige Corona-Virus im "Plagen-Paket".
Das plüschige Corona-Virus im "Plagen-Paket". | Bild: Riesenmikroben

Dietrich schmunzelt und erwidert: "Das stimmt, aber so ist es mit allen Riesenmikroben aus dem Shop. 2014 war das zum Beispiel Ebola, jetzt ist es eben Covid. Die Leute kaufen, womit sie sich beschäftigen. Irgendwann, wenn das mit der Pandemie vorbei ist, wird sich auch keiner mehr für diese Corona-Mikrobe interessieren."

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