Das Fahrrad wird in Karlsruhe als Fortbewegungsmittel immer beliebter. Seit 2002 steigt der Radanteil am Karlsruher Gesamtverkehr kontinuierlich an und liegt 2020 bei 31 Prozent. Neben dem höheren Anteil am Verkehr steigen aber auch die Radunfälle in den letzten Jahren leicht an.

2019 etwas über 1.000 Unfälle mit Radfahrer-Beteiligung

Laut Unfallstatistik 2019 des Polizeipräsidiums Karlsruhe ereigneten sich 2019 im Stadt- und Landkreis Karlsruhe insgesamt 1.061 Unfälle mit Radfahrern. Sieben Menschen starben. Zwar ist die Zahl der Unfälle im Vergleich zu 2018 (1.100) leicht gesunken, der Drei-Jahres-Schnitt der Jahre 2015 bis 2017 liegt aber bei 965 Unfällen.

Eine ka-news.de-Umfrage aus dem November: 54 Prozent der Teilnehmer gaben an, auch im Winter regelmäßig mit dem Drahtesel unterwegs zu sein.
Eine ka-news.de-Umfrage aus dem November: 54 Prozent der Teilnehmer gaben an, auch im Winter regelmäßig mit dem Drahtesel unterwegs zu sein. | Bild: Pixabay/PublicDomainPictures

Um Unfällen möglichst vorzubeugen und um auch in der kalten Jahreszeit sicher unterwegs zu sein, gibt der Allgemeine Deutsch Fahrrad-Club (ADFC) eine Vielzahl von Hinweisen an die Hand:

  • Gut sehen und gesehen werden: Vorder- und Rücklicht sollten funktionstüchtig und mit Reflektoren ausgestattet sein.
  • Reflektoren: Zusätzliche Reflektoren an Speichen, Pedalen und Kleidung helfen, besser gesehen zu werden.
  • Richtige Kleidung: helle Kleidung im "Zwiebel-Look", Wasserfeste Schuhe, warme Socken und Fingerhandschuhe
  • Fahrradpflege: Bremsen und Kette werden im Winter durch Salz oder Matsch besonders beansprucht. Deswegen sollten diese Teile regelmäßig geputzt und gepflegt werden.
  • Reifen: Abgefahrene Reifen sollten ersetzt werden. Für den Winter empfiehlt der ADFC Reifen mit gröberem Profil und leicht verringerter Luftdruck.

Wichtige Winter-Radrouten durch Karlsruhe

Auch die Stadt Karlsruhe versucht die Gefahren für Radfahrer im Winter möglichst gering zu halten. Laut dem Karlsruher Amt für Abfallwirtschaft werden auch die Fahrradwege bei Bedarf geräumt und mit Feuchtsalz bestreut. Für die Stadt sind 14 Fahrzeuge im Radwege-Winterdienst im Einsatz. 

Blau: Auf diesen Radwegen findet ein Winterdienst statt.
Blau: Auf diesen Radwegen findet ein Winterdienst statt. | Bild: Screenshot: Mobilitätsportal Karlsruhe

Insgesamt gibt es in und um die Fächerstadt ein Radwege-Netz von rund 230 Kilometern. Sämtliche Radwege zu räumen und zu streuen, wäre laut Aussage der Stadt "nicht zumutbar." Deshalb liegt der Fokus auf den Winter-Radwegen, diese Routen empfiehlt die Stadt auch für Radfahrer. 

Wichtige Ost-West-Routen wären beispielsweise die Durlacher Allee und die 2020 ausgebaute Radroute 15. Beide schließen an die Cityrouten Nord und Süd an. Diese sollen die Fahrradfahrer abseits des Getümmels von einer Seite der Innenstadt auf die andere führen. Auch die Moltkestraße kann als wichtige Ost-West-Achse angesehen werden, sie endet am Karlsruher Schlosspark in der Willy-Brandt-Allee. Diese ist wiederum eine gute Nord-Süd-Verbindung. Ebenso wie die Theodor-Heuss-Allee, welche auf Höhe des Wildparkstadions am Adenauerring endet.

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"Die Winter-Radwege haben beim Winterdienst die gleiche Priorität wie die Hauptverkehrsstraßen", versichert die Stadt auf Anfrage von ka-news.de und ergänzt: "Für passionierte Radfahrer sind auch bei winterlichen Verhältnissen die Hauptradrouten innerhalb des Stadtgebietes gefahrlos befahrbar."

 

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Auf welchen Radwegen genau ein Winterdienst eingesetzt wird, ist auf dem Mobilitätsportal der Stadt zu finden. Unter anderem werden auch die Cityrouten Nord und Süd bei Bedarf von Schnee befreit und bestreut.

Das meint die Karlsruher Polizei

Neben der technischen Ausstattung und der richtig gewählten Route sollten Radfahrer auch ihr Verhalten an die erschwerten Bedingungen im Winter anpassen. Dazu rät die Polizei Karlsruhe zu folgenden Leitlinien:

  • Passen Sie Ihre Geschwindigkeit an die Straßen- und Witterungsverhältnisse an. Mit rutschigem Untergrund (Laub, überfrierende Nässe) muss immer gerechnet werden.
  • Das Bremsen eines Fahrrads erfordert generell viel Gefühl – bei Schnee und Eis gilt dies ganz besonders.
  • Tragen Sie reflektierende Kleidung, um von anderen Verkehrsteilnehmern (insbesondere Autofahrern) früher und besser erkannt zu werden.
  • Fahren Sie nur mit einem verkehrssicheren Fahrrad inklusive funktionierenden Bremsen, Reflektoren sowie Vorder- und Rücklicht. 
Eine Polizei-Fahrradstreife unterwegs in Karlsruhe (Juni 2020).
Eine Polizei-Fahrradstreife unterwegs in Karlsruhe (Juni 2020). | Bild: cob
  • Achten Sie besonders auf ausreichendes Profil des Reifens. Auch für Fahrräder werden Winterreifen angeboten.
  • Tragen Sie einen Schutzhelm.
  • Tragen Sie dicke Fingerhandschuhe als Kälteschutz für die Hände – die beiden Bremshebel sollten noch mit Gefühl bedienbar sein.
  • Rechnen Sie damit, trotz Licht und reflektierender Kleidung von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen zu werden.
  • Lassen Sie sich nicht durch Ihr Smartphone oder das Tragen von Kopfhörern ablenken.

Generell gilt: Seien Sie aufmerksam! Der ADFC ergänzt: "Abstand halten, das Tempo reduzieren und in den Kurven weder treten noch bremsen. Lieber frühzeitig vor einer Kurve maßvoll bremsen und abrupte Lenkbewegungen vermeiden."

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Außerdem raten Polizei und Stadt: "Radfahrer sollten ihren Weg auf jeden Fall den jeweiligen Wetterumständen entsprechend vorplanen und anpassen. Dabei sind nicht immer die vom Schnee geräumten Straßen zu empfehlen, da die Fahrbahnbreite geringer sein kann und sich dadurch gefährliche Fahrsituationen mit anderen Verkehrsteilnehmern ergeben können."

Und weiter: "Die Fahrbahnseiten, die von den Radfahrern genutzt werden, können dabei auch rutschig oder glatt bleiben. Manchmal ist daher ein Radweg mit einer gleichmäßigen, ebenen Schneedecke eventuell sogar besser zu befahren. Grundsätzlich kann die Benutzungspflicht eines Radweges aber entfallen, wenn der Weg beispielsweise durch Eisglätte unbenutzbar bzw. nicht gefahrlos nutzbar ist."

Tipps für Pedelec-Fahrer

In den vergangenen Jahren hat das Pedelec in mehr und mehr Haushalte Einzug gehalten. Laut ADFC steigt der Verkauf von Elektro-Rädern jährlich um zehn Prozent, während die Absatzzahlen für normale Fahrräder in etwa gleich bleiben.

Pedelecs werden immer beliebter. Im Winter sollten sich Fahrer vor allem um den Akku kümmern.
Pedelecs werden immer beliebter. Im Winter sollten sich Fahrer vor allem um den Akku kümmern. | Bild: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Neben den bisher genannten Tipps, Trick und Regeln sollten sich die Besitzer eines Elektro-Gestützten-Zweirads gut um den Akku kümmern. Die sind nämlich kälteempfindlich und verlieren bei Kälte leicht an Reichweite. "Akkus, können mit einem Neoprenüberzug geschützt werden und gute Handschuhe sind beim Pedelec-Fahren ein Muss", erklärt der Fahrrad-Club-

Knapp die Hälfte aller Umfrage-Teilnehmer gab zu, dass ihr Fahrrad nicht für den Winter gerüstet ist.
Knapp die Hälfte aller Umfrage-Teilnehmer gab zu, dass ihr Fahrrad nicht für den Winter gerüstet ist. | Bild: pixabay/StockSnap

Zum Abschluss hat der ADFC noch zwei Tipps parat, die nicht unbedingt geläufig sind. "Einen ganz einfachen: Für eine bessere Balance können Radler den Sattel ein paar Zentimeter niedriger stellen. So sind beide Füße schneller am Boden sollte es mal rutschig werden. Und was viele nicht wissen: Wenn ein benutzungspflichtiger und ausgeschilderter Radweg nicht ausreichend gestreut oder geräumt ist, dürfen Radfahrer auf die geräumte Straße ausweichen."

 

 

 

 

 

 

 

 
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