Zwei Werktage hintereinander muss die Hospitalisierungsrate über 390 liegen und das Land Baden-Württemberg wird die Alarmstufe ausrufen. Damit kämen neue coronabedingte Einschränkungen auf die Bevölkerung zu - auch für die Einzelhändler, die bereits während der ersten drei Corona-Wellen massive Einbußen zu verzeichnen hatten.

Unberechenbarkeit der 3G-Regeln?

Für kleine wie große Einzelhändler bedeutet dies Umstellungen. Umstellungen, mit denen der baden-württembergische Handelsverband nicht immer einverstanden ist. Die 3G-Regelung für Einzelhändler schrecke Kunden ab, spanne unnötigerweise Personal zur Kontrolle ein und sei insgesamt nicht zielführend, erklärt der Handelsverband in einer Pressemitteilung.

Ein Schild mit der Aufschrift «Gemeinsam gegen Corona» hängt im Eingang eines Geschäfts in einer Einkaufsstraße.
Ein Schild mit der Aufschrift «Gemeinsam gegen Corona» hängt im Eingang eines Geschäfts in einer Einkaufsstraße (Symbolbild). | Bild: Oliver Berg/dpa/Archivbild

"Das Inkrafttreten der 3G-Regelung im Zuge der Alarmstufe hätte schwerwiegende Konsequenzen für den Einzelhandel in Baden-Württemberg. Die neuerlichen Beschränkungen würden dazu führen, dass zahlreiche Kunden vom Einkauf im stationären Einzelhandel absehen und ihre Weihnachtsgeschenke lieber im Onlinehandel besorgen. Unsere durch die Pandemie ohnehin schon stark angeschlagenen Händlerinnen und Händler sind finanziell jedoch zwingend auf das Weihnachtsgeschäft angewiesen", sagt Sabine Hagemann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg. 

Doch wie ist die Lage der Händler in Karlsruhe? Teilen sie die Befürchtungen des Verbandes? dazu hat sich ka-news.de in der Fächerstadt umgehört.

Wie ist die Lage in Karlsruhe?

Andreas Preissler, Geschäftsführer des Textilhandels Unikat. sei nicht unbedingt  davon überzeugt, dass die Konsequenzen nach Prognose des Handelsverbandes eintreten würden. Viel eher sei die Unsicherheit und Unberechenbarkeit der neu eingeführten 3G-Regeln Quelle der Beunruhigung.

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"Die Bevölkerung hängt in der Luft", sagt Preissler im Gespräch mit ka-news.de. "Natürlich haben wir eine gewisse Erfahrung von den letzten Lockdowns und Corona-Verordnungen, aber alles in allem können wir über die konkreten Folgen nur mutmaßen."  Ähnlich Prognosen spricht auch Sonja Volkmann, Eigentümerin des Spielwarenhandels "Bunter Hund" aus.

Sonja Volkmann, Mitbegründerin und Geschäftsführerin des Spielwarengeschäfts "Bunter Hund".
Sonja Volkmann, Mitbegründerin und Geschäftsführerin des Spielwarengeschäfts "Bunter Hund". | Bild: Sonja Volkmann

"Wir könnten durch eine 3G-Regelung natürlich große Probleme kriegen. Momentan kann ich es aber einfach noch nicht beurteilen", so Volkmann. Eine gewisse Sorge herrsche allerdings durchaus, denn immerhin benötige man zur Umsetzung der 3G-Regeln mehr Personal, um potenzielle Kunden auf Impfung, Test oder Genesung zu überprüfen.

"Zum Weihnachtsgeschäft könnte uns die Alarmstufe massiv treffen"

Das könne für die beiden eher kleineren und eigenständigen Geschäfte sehr wohl zur großen Herausforderung werden. Zumal so kurz vor der Weihnachtssaison jedes Personal gebraucht werde. "Wir hatten dank des Lockdowns schon kein Ostergeschäft", erklärt Preissler. "Vor dem Weihnachtsgeschäft wäre es schon möglich, dass uns die 3G-Regeln massiv treffen", sagt er.

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Volkmann wiederum habe in puncto Weihnachten geringere Sorgen. "Wir sind ein sehr kleines Geschäft und haben unsere Stammkunden. Die Stammkundschaft wird uns - wie ich hoffe - auch über die Weihnachtssaison und darüber hinaus treu bleiben", so die Chefin des "Bunten Hundes". 

"Alles ist besser, als schließen zu müssen"

Ob die 3G-Regeln wirklich zielführend sein werden, können die beiden Einzelhändler aber nicht beantworten. Als zwingend nötig, scheine sie beiden allerdings nicht. "Vielleicht wäre es eher sinnvoll, insgesamt weniger Menschen einzulassen, statt 3G-Regeln einzuführen", sagt Volkmann. Ein System mit dem auch Preissler gute Erfahrungen gemacht habe.

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(Symbolbild) | Bild: Needham/Mowhawkvisuals

"Wir haben im Unikat ein Ampelsystem, das auch dank unserer kleinen Verkaufsfläche gut funktioniert", sagt er. "Das schreckt auch keine Kunden ab. Im Gegenteil: Wenn die Kunden sehen, dass wir auf Hygiene achten, ohne auf Nachweise zu bestehen fühlen sie sich bei uns sicher." Natürlich bedeute das für keinen von beiden, dass sie innerhalb der Alarmstufe auf die vorgeschriebene Regeln verzichten wollen.

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"Wir stellen Gesundheit über alles. Und wenn wir es durch die Einführung der 3G-Regeln schaffen, die Pandemie schneller zu beenden, sage ich: 'Super, kein Problem'." Auch Volkmann sei Gesundheit in ihrem Spielwarenladen sehr wichtig. "Wir haben entsprechend auch Luftfilter im Laden - meiner Ansicht nach ist es jede Mühe wert, um während der Alarmstufe geöffnet zu haben", erklärt sie. "Alles ist besser, als den Laden schließen zu müssen."

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Dateiname : Aktuelle Corona-Verordnung
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Datum : 11.11.2021
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