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Karlsruhe Streit am Badischen Staatstheater: Karlsruher Fraktionen üben Kritik an Verwaltungsrat

Am Badischen Staatstheater hängt der Haussegen schief. Der Personalrat hatte in einem offenen Brief den Führungsstil des Intendanten Peter Spuhler kritisiert. Aus dem Karlsruher Gemeinderat hagelt es Kritik an der Theater-Aufsicht, dem Verwaltungsrat. Oberbürgermeister Mentrup und Ministerin Bauer hätten bei Missständen weggesehen. Am Freitag will der Verwaltungsrat über das weitere Vorgehen beraten.

Da die Kritik am Badischen Staatstheater großen Wellen schlug, haben sich auch die Karlsruher Lokalpolitiker zu Wort gemeldet. Sie fordern zeitnahe Verbesserungen an Karlsruhes größtem Kulturhaus, das in den kommenden Jahren für über 300 Millionen Euro saniert wird.  

Peter Spuhler, Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, schaut in die Kamera.
Peter Spuhler, Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe. | Bild: Uli Deck/dpa

Nach der Kritik an seinem Führungsstil hat Generalintendant Peter Spuhler Transparenz bei der Aufklärung der Vorwürfe versprochen.  Er habe bereits "die Menschen, die sich durch sein Vorgehen verletzt fühlten", um Verzeihung gebeten und sagte den Betroffenen Veränderungen zu. Doch die Wunden scheinen tief zu sein. Wie stehen die Karlsruher Kommunalpolitiker zu den Vorkommnissen?

Missstände seit 2015 bekannt - doch niemand reagiert

Die größte Fraktion im Karlsruher Gemeinderat, die Grünen, stellen die Position des Generalintendanten Peter Spuhler derzeit noch nicht in Frage. "Wir drängen nicht darauf, die Reißleine zu ziehen", sagt Fraktionsvorsitzender Aljoscha Löffler gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten (BNN).

Aljoscha Löffler | Bild: Grüne Karlsruhe

Die Fraktion der Linken und der CDU indes kritisieren jeweils in einer Pressemeldung, dass der Theater-Verwaltungsrat bislang bei den offensichtlichen Problemen weggesehen habe. Bereits im Jahr 2015 war die Schlichtung eines Streits zwischen Belegschaft und Intendanz notwendig. Seitdem sei allen Verantwortlichen bekannt gewesen, dass "es im Großen Haus wie auch hinter den Kulissen des Badischen Staatstheaters kriselt", so die Linken.

"In seiner Kontrollfunktion völlig versagt"

Darüber hinaus seien die Missstände bei den Arbeitsbedingungen und des Betriebsklimas bei einer Mitarbeiterbefragung im Jahr 2018 ans Licht gekommen. Doch: "Der Verwaltungsrat hat über Jahre weggeschaut und in seiner Kontrollfunktion völlig versagt", so die Linken in einer Stellungnahme. Stattdessen wurde - so die CDU -  nur kurze Zeit später der Vertrag mit dem in der Kritik stehenden Intendanten Peter Spuhler um gleich sieben Jahre verlängert.

Das Badische Staatstheater von hoch oben in der Luft. | Bild: Corina Bohner

Kritik an Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup und Kulturministerin Theresia Bauer hagelt es von Seiten der Christdemokraten ebenfalls: Beide seien ihrer Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter des Theaters nicht nachgekommen und hätten den Beteiligten vorgeworfen, die Missstände an die Öffentlichkeit getragen zu haben.

"Inakzeptable Umgangsformen geduldet"

"Offensichtlich geworden ist, dass offenbar über Jahre hinweg inakzeptable Umgangsformen und patriarchalische Strukturen am Staatstheater geduldet worden sind", findet die Karlsruher CDU deutliche Worte. Das Image des Badischen Staatstheaters hätte nun deutlich gelitten.

Petra Lorenz
Petra Lorenz | Bild: Freie Wähler Karlsruhe

Auch die Fraktion der Freien Wähler/Für Karlsruhe betont die Schwere der Vorfälle: "Wir sind nach Gesprächen der Ansicht, dass Generalintendant Spuhler bis auf weiteres beurlaubt werden sollte", sagt Petra Lorenz, Stadträtin im Kulturausschuss, im Gespräch mit ka-news.de. Der Posten der Intendant soll vorerst kommissarisch neu besetzt werden.

Wie es für Peter Spuhler und das Theater nun weitergehen soll, darüber will der Verwaltungsrat am Freitag ab 8 Uhr in der Karlsruher Nancyhalle beraten. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, wollen Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters vor der Sitzung vor Ort eine Demonstration abhalten. ka-news.de wird vor Ort sein und berichten.

Dieser Artikel wurde nachträglich überarbeitet. Zuvor hatte die ka-news.de-Reaktion ein vor rund zwei Wochen veröffentlichtes Statement der Fraktion der Freien Wähler/Für Karlsruhe zitiert. Dies wurde nun durch den aktuellen Stand ersetzt.

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  •   OlympeGreta
    (2 Beiträge)

    17.07.2020 11:28 Uhr
    Das Prinzip des Wegschauens...
    ... ist in Karlsruhe Programm. Totschweigen bei gemeldeten Missständen, Mobbing, Schikanen, Machtmissbrauch und Einschüchterung. Kunstschaffende werden von der Leitung oder vom Vorstand in Kunstbetrieben eingeschüchtert, ausgebeutet, gemobbt, seelisch zerstört, Hilferufe an die Stadt überhört. Krampfhaft wird an alten Macht- und Leitungspersonen festgehalten. Man arbeite doch so gut mit ihnen als Vertreter*innen der Kulturbetriebe zusammen. Wer weiß, wer danach kommt ! Das Marketing der Stadt muss weiter laufen. Auf Kosten der Künstler*innen in allen Sparten. Der innere und zwischenmenschliche Zustand des Badischen Staatstheaters spiegelt den Zustand der Stadtverantwortlichen und Stadtgesellschaft wider. Es dreht sich bei den Kunst- und Kultur-Verantwortlichen selten um die Kunst sondern hauptsächlich und fast immer um narzistische Selbstdarstellung. Karlsruhe ist Hauptstadt der Schönheitsreden.
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  •   OlympeGreta
    (2 Beiträge)

    17.07.2020 11:21 Uhr
    Wegschauen hat in Karlsruhe Programm
    Missstände, Mobbing, Schikane, Machtmissbrauch und Einschüchterung. Kunstschaffende werden von der Leitung oder Vorstand in Kunstbetrieben eingeschüchtert, ausgebeutet, gemobbt, seelisch zerstört, Hilferufe an die Stadt überhört. Krampfhaft wird an alten Macht- und Leitungspersonen festgehalten. Das Marketing der Stadt muss weiter laufen. Auf Kosten der Künstler*innen in allen Sparten. Der innere und zwischenmenschliche Zustand des Badischen Staatstheaters spiegelt nur den Zustand der Stadtverantwortlichen und Stadtgesellschaft wider. Es dreht sich bei den Kunst- und Kultur-Verantwortlichen selten um die Kunst sondern hauptsächlich und fast immer um narzistische Selbstdarstellung. Karlsruhe ist Hauptstadt der Schönheitsreden.
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  •   Enttäuschte
    (1 Beiträge)

    16.07.2020 19:23 Uhr
    Der Filz zieht sich durch alle Fraktionen
    Es ist so manche Reaktion (z.B. A.Löffler) unverständlich. So lange hat der Zustand am Badischen Staatstheater gedauert, so lange wurde von allen "Offiziellen" weggeschaut, Einzelne, die sich Vertraute an entsprechender Stelle suchten (Kulturamt Stadt KA) wurden geradezu an P. Spuhler "verpfiffen". Was sind das für Politiker? Früher gab es mal... Oppositon, jetzt haben alle Parteien - ja, auch die CDU - ihre Posten und Pöstchen. Keiner, nur die, die etwas zu verlieren !!! haben, nämlich die Beschäftigten selbst, sind damit in die Öffentlichkeit gegangen. Schämt euch alle, Ihr Grünen, die so "hehre Gedanken" hinausposaunen und ihnen selbst so wenig genügen, Ihr SPDler, die Ihr Euch um die "Werktätigen" einen feuchten Dreck kümmert, ja, auch Ihr CDUler, die Ihr einen nur stets lächelnden Kulturbürgermeister (und Vorgänger) nicht beschädigen wollt und von "wenigstens christlicher Nächstenliebe" wohl noch nie gehört habt, um nur einige aus der Parteienlandschaft zu nennen. Schämt Euch
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  •   Reger
    (232 Beiträge)

    16.07.2020 16:08 Uhr
    OB-Kandidaten
    Ich warte inständig auf einen ernsthaften Gegenkanditaten bei der OB-Wahl. Frischer nichtgrüner Wind muss her.
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  •   dipfele
    (5806 Beiträge)

    16.07.2020 22:48 Uhr
    Wobei bei Lichte betrachtet....
    …. der SPD Mentrup die Politik seines CDU Vorgängers weiter macht. Was will dem eigentlich ein CDU Kandidat entgegen setzen?
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  •   Buddha
    (64 Beiträge)

    16.07.2020 14:23 Uhr
    Der OB
    ...wird das Thema bald lösen. Wer will sowas im Wahlkampf mit, ja mit wem eigentlich... na ja egal.... keiner will das Thema im Wahlkampf haben, dann löst er er halt schnell mal... zuhören , verbinden, gestalten.....
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  •   Gelbfüßler
    (15 Beiträge)

    16.07.2020 14:58 Uhr
    Weiter so!
    Zuhören, verbinden, gestalten ... und weiter so!
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  •   myopinions
    (1104 Beiträge)

    16.07.2020 14:17 Uhr
    ............wenn er doch überall
    aneckt, warum jagt man ihn nicht ganz einfach zum Teufel???
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  •   dipfele
    (5806 Beiträge)

    16.07.2020 23:20 Uhr
    Das Problem liegt darin.....
    …. dass viele "Führungspersonen" reine Machtmenschen sind, die sich sehr gut verkaufen können. Meist zu Lasten anderer, die nieder gemacht werden. Nicht nur in den Verwaltungen, Vereinen und Politik, auch in der Industrie und Handwerk. Praktisch überall läuft das so. Wenn da einer fertig gemacht wird, ist das kaum von öffentlichem Interesse, es sei denn eine Vergewaltigung o.ä. steckt dahinter. Da Politiker, hier Verwaltungsbeiräte, auch Machtmenschen sind, fehlt denen das Verständnis dafür, wie ein mit Künstlern operierender Apparat zu führen ist und es besteht die Gefahr, für die falsche Seite Partei zu ergreifen. Es fehlt der Mut zur Entscheidung.
    Bevor Führungsposten vergeben werden, müssten die Bewerber erstmal einen Kurs in Menschenführung absolvieren.
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  •   Reger
    (232 Beiträge)

    16.07.2020 16:00 Uhr
    Freie Wirtschaft
    In der freien Wirtschaft würde man sich die Seiten anhören. Anschließend gäbe es so wie ich es kenne, schnell eine Entscheidung. Aber es gäbe eine.
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