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Karlsruhe Ursula Kunz ist Leiterin der Karlsruher Babyklappe: "Seit zwei Jahren wurde kein Baby mehr abgegeben, aber es ist gut, dass es uns noch gibt!"

Seit 2001 gibt es in Karlsruhe die Babyklappe. 25 Kinder wurden seit Bestehen von ihren Müttern dort abgegeben. Doch wie funktioniert die Babyklappe? Ursula Kunz erzählt im Interview mit ka-news von Fehlalarmen, verirrten Paket-Zustellungen und einer schönen Wiedervereinigung.

Frau Kunz, wie funktioniert die Babyklappe überhaupt?

Die Babyklappe ist allzeit bereit. Im Bedarfsfall wird die Klappe geöffnet und man kann das Kind in das Wärmebett dahinter legen. Wenn die Klappe geöffnet wird, wird ein Alarm ausgelöst. Der wird dann den Mitarbeitern auf dem Handy angezeigt. Also hier vor Ort ist niemand. Und die Mitarbeiterin, die den Alarm überwacht, bekommt dann eine Mitteilung. Dann bestätigt sie mit einem Pin, dass sie den Alarm wahrgenommen hat und macht sich umgehend auf den Weg.

Babyklappe Karlsruhe
Bild: Gustav Holzwarth

Wie lange dauert es, bis jemand vor Ort ist?

In der Regel 10, maximal 15 Minuten. Alle Mitarbeiter wohnen in der Nähe und richten, wenn sie Klappendienst haben, ihren Alltag danach ein. Damit sie sofort alles stehen und liegen lassen können. Vor diesem Einsatz habe ich wirklich großen Respekt!

Aber es ist nicht immer ein Baby da, wenn der Alarm ausgelöst wird. Es gibt neugierige Spaziergänger, die einfach mal einen Blick hineinwerfen wollen. Und es werden auch manchmal einfach Sachen hineingelegt. Ein Briefträger hat auch mal gedacht "Übergabestation, ja wunderbar, da leg ich meine Päckchen rein". Also es gibt immer wieder Überraschungen.

Was passiert dann?

Also wenn ein Kind da ist, wird es von unserem Mitarbeiter aus dem Bettchen geholt. Dann wird erstmal ein Foto gemacht, wie das Baby zum Zeitpunkt der Abgabe aussieht - welche Kleidung trägt es, wie sieht es aus, welche Haarfarbe hat es. Dann wird das Kind umgezogen und es erfolgt ein Anruf in der Kinderklinik, dass es eine Übergabe in der Babyklappe gegeben hat.

Babyklappe Karlsruhe
Bild: Gustav Holzwarth

Dann fährt der diensthabende Kollege mit dem Kind möglichst schnell in die Klinik. In der Regel ist das Kind nur einen ganz kurzen Zeitraum hier, weil es dann in die Obhut der Kinderklinik kommt. Und dann werden natürlich auch die Behörden verständigt.

Kann die Mutter im Nachhinein noch Kontakt aufnehmen?

An der Babyklappe liegt ein kleiner Brief an die Mutter. Darin wird Verständnis für die Situation geäußert und eingeladen, sich einfach nochmal mit uns in Verbindung zu setzen, wenn der größte Stress abgeklungen ist. Und es gibt die Möglichkeit, einen Fuß- oder Handabdruck des Babys für sich zu machen. 

Babyklappe Karlsruhe
Ursula Kunz | Bild: Gustav Holzwarth

Kam es schon vor, dass sich eine Mutter wieder gemeldet hat?

Der Brief wird leider nicht oft mitgenommen. Ich glaube, die Person, die da draußen steht und ein Kind abgeben will, die schaut, dass sie möglichst schnell wieder wegkommt. Es ist ja auch ein sehr schmerzhafter Moment.

In den acht Jahren in denen ich hier bin, ist es erst ein einziges Mal vorgekommen, dass sich eine Mutter gemeldet hat. Das erste Gespräch mit ihr habe ich schon eine Woche nach der Geburt des Kindes führen können - und sie ist am Ball geblieben und hat sich dazu entschieden, das Kind wieder zurück zu nehmen! Das freut uns dann natürlich sehr! 

Seit zwei Jahren wurde hier kein Baby mehr in die Babyklappe gelegt - ist sie überhaupt noch zeitgemäß?

Also aus meiner Erfahrung: Ja! Ich arbeite zum größten Teil in der Schwangerenberatung - und mir begegnen da so viele Lebenssituationen, die man sich gar nicht vorstellen kann. Manche Frauen sind tatsächlich nicht in der Lage, irgendein Beratungsangebot anzunehmen. Und dann ist es gut, dass eine Möglichkeit die Babyklappe ist.

Wie leben die Kinder mit diesem Schicksal?

Die Kinder, die ich kennen lernen durfte, haben mich jedes Mal beeindruckt. Selbstbewusste Kinder, die ganz selbstverständlich damit umgehen, dass sie hier in der Babyklappe ihr Leben begonnen haben. Aber die waren alle noch unter 15. Wenn ein Kind in der Pubertät ist, ist es vielleicht nochmal ein ganz anderes Thema.

Lesen Sie im ersten Teil, welche bewegenden Erinnerungen Anneliese Reinhard an die Kinder der Babyklappe hat. 

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