Nicht die Weihnachtsglocken, sondern die Alarmglocken läuten im Karlsruher Wildpark. Nach dem 0:1 gegen Mitaufsteiger Wehen Wiesbaden rutschten die Badener der Abstiegsregion bedrohlich nahe. Nur noch drei Punkte trennen den KSC vom Abstiegsplatz. Mit mäßiger Stimmung und angekratztem Selbstbewusstsein ging es in den Urlaub.

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Dabei konnte sich keiner beim KSC in Sachen Einstellung einen Vorwurf machen. Jeder wollte - aber das reichte nicht. Deutlich wurde wieder einmal, dass der KSC spielerisch Probleme hat, eine Begegnung zu bestimmen und in der Offensive Chancen zu kreieren. Und: Die Gäste aus Hessen waren glücklicher und effektiver. Trainer Alois Schwartz sprach von einem "ordentlichen Spiel mit Scheiß-Ergebnis".

Alois Schwartz (KSC Trainer) mit enttäuschtem Blick zum Rückstand der Mannschaft.
Alois Schwartz (KSC Trainer) mit enttäuschtem Blick zum Rückstand der Mannschaft. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Es bleibt einiges zu tun in der Winterpause, wohl auch personell. Auch, weil zuletzt die Tendenz ein wenig nach unten ging. In den letzten zwölf Spielen gelang nur ein Sieg. Die Wurzel allen Übels: Der KSC mit Keeper Benjamin Uphoff kassiert zu viele Gegentore. 36 in 18 Spielen, im Schnitt zwei pro Partie - eine geradezu furchterregende Bilanz. Und keine gute Basis für den Klassenerhalt.

Gegentorflut minimieren

Dabei hat Trainer Alois Schwartz gegen Wiesbaden sowohl taktische wie personelle Änderungen vorgenommen. Die schlugen sich allerdings nicht in Punkten nieder. Positiv ist die Anzahl der Tore, die die Badener in der zweiten Bundesliga erzielten: 29. Doch es gilt die immense Gegentorflut zu minimieren, daran muss das Team nach der Pause arbeiten, oft geht in wichtigen Phasen die Konzentration verloren.

Auffällig im bisherigen Saisonverlauf: Die Verpflichtung von sechs neuen Feldspielern meldete der KSC vor der Saison. Aber: Das halbe Dutzend Neuzugänge brachte keine Qualitätssteigerung. Meist schaffte es nur einer, maximal ein zweiter, in die Startformation. Der Rest? Bankdrücker oder gar Tribünengast. Durch die - in der Gehaltsliste nicht all zu billigen - Neuen konnte das Team in Sachen Qualität bisher nicht wesentlich verstärkt werden.

Hofmann erwies sich als Volltreffer

Als absoluter Volltreffer erwies sich nur Sturmtank Philipp Hofmann. Der 26-Jährige erzielte bisher zehn Treffer. Auch Mittelfeldmann Lukas Fröde hat sich stabil gezeigt, mit einem kleinen Durchhänger. "Die Offensive ist ordentlich", bilanzierte Trainer Alois Schwartz, verhehlt aber nicht: "Die Defensive wackelt richtig. So viele Tore wie wir bekommen, können wir gar nicht schießen", so der Coach, der flugs versichert: "Der Kader ist mit Sicherheit konkurrenzfähig."

Die Mannschaft läuft zum Training auf.
Die Mannschaft läuft zum Training auf. | Bild: Tim Carmele

Dennoch müsse man sich "Gedanken machen." Die Horrorzahl an Gegentreffern sei unter anderem ein Qualitätsproblem. "Als Aufsteiger musst du auch mal hinterfragen, ob bei dem einen oder anderen die Qualität fehlt."

Ob Winterzugänge für die Defensive ein Thema sind, dazu sagt Schwartz: "Der ein oder andere will ja vielleicht weg, um mehr Spielzeiten zu bekommen. Man muss sehen, was wir an Budget freikriegen. Im Winter ist es immer schwer. Vor eineinhalb Jahren hatten wir Glück mit der Verpflichtung von Marvin Pourié, das hat man nicht immer. Der Kader ist konkurrenzfähig, das zeigt er immer mal wieder." Obwohl der Finanzrahmen noch nicht klar ist, macht man sich konkret Gedanken.

Jerome Gondorf zum KSC?

Zum Beispiel über Jerome Gondorf, den Karlsruher, der beim Bundesligisten SC Freiburg unter Vertrag steht, aber schon einige Zeit nicht mehr zum Zuge kommt. Nur in den beiden ersten Spielen der Saison kam er bei den Breisgauern zum Einsatz. Schon vor der laufenden Spielrunde hat man im Wildpark über ein Leihgeschäft Gondorfs nachgedacht, vielleicht klappt es nun im Winter.

11.05.2015, xfux, Fussball 2.Bundesliga, Karlsruher SC - SV Darmstadt 98, v.l.
Jerome Gondorf im Mai 2015, damals noch im Trikot von Darmstadt 98. | Bild: fu-sportfotografie.de

Gondorf wohnt in Malsch, ist ein vielseitiger Mittelfeldspieler und aufgrund seiner Erfahrung - er ist 31 Jahre alt - und seiner Mentalität einer, der das KSC-Team führen könnte. Aber: Um Neuverpflichtungen tätigen zu können, sollte - oder muss - man den einen oder anderen von der Gehaltsliste streichen.

Da Kyoung-Rok Choi für den Rest der Zweitliga-Saison verletzt ausfallen wird, übernimmt dessen Gehalt die Berufsgenossenschaft. Da werden ein paar Euro frei.

Baustelle auf den offensiven Außenbahnen 

Neben der wackligen Defensive sind die offensiven Außenbahnen eine Baustelle. Dort hätte man gerne - wie schon vor der laufenden Spielrunde - einen schnellen Mann im Kader. Im vergangenen Sommer wollten die Badener Merveille Biankadi vom FC Hansa Rostock verpflichten, konnten aber finanziell mit dem FC Heidenheim nicht mithalten. Der 24 Jahre alte Deutsch-Kongolese wurde bisher bei den Schwaben nicht glücklich, stand einmal in der Startelf, brachte es auf insgesamt 162 Einsatzminuten - spielte zuletzt gar keine Rolle mehr.

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