Herr Heeger, geht es im Profifußball gerecht zu?

Das kann man pauschal nicht beantworten. Manchmal muss man einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Das ist im Berufsleben immer so. Dass im Profifußball nicht immer alles gerecht ist und dass die Vereine - bei einem Kader von rund 30 Spielern - es nicht immer für alle gerecht machen können, liegt in der Natur der Sache. Doch ich glaube auch, dass oftmals die Menschlichkeit etwas zu kurz kommt. Sie haben zwei richtig gute Zweitligaspiele abgeliefert, unter schwierigen Bedingungen.

KSC vs. Dynamo Dresden
Bild: Mia

Sie haben bewiesen, dass Sie in dieser Liga bestehen können. Dennoch wurde Ihr Vertrag nicht verlängert? Ist das okay? Nachvollziehbar?

Zunächst: Es war eine riesige Ehre für mich, vor diesen großartigen Fans zu spielen. Davon habe geträumt, seit ich ein kleines Kind war. Es war ein sensationelles Gefühl. Jetzt zur Frage: Es war anfangs für mich schon sehr schwer zu akzeptieren.

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Auch vor dem Hintergrund, dass ich ein Karlsruher Junge bin. Ich habe mit neun Jahren beim KSC mit dem Fußballspielen begonnen. Der KSC war immer mein Wunschverein, bei dem ich spielen wollte. Vor diesem Hintergrund war es schwer zu akzeptieren, dass die Position an jemand anderes vergeben wurde.

KSC vs. Dynamo Dresden
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Gab es seitens des KSC eine Erklärung? Wenn ja - welche?

Ende vergangenen Jahres hatte ich ein Gespräch mit den KSC-Verantwortlichen. Man hat meine fehlende Erfahrung als Begründung angeführt. Dass da schon ein anderer Keeper verpflichtet worden war, habe ich erst im Nachhinein erfahren. So wurde ich vor vollendete Tatsachen gestellt und habe nie eine faire Chance bekommen. Erst kurz vor dem Spiel gegen Dresden bekam ich schließlich gesagt, dass ich verabschiedet werde.

Haben Sie nach Ihren guten Auftritten in der Liga noch auf einen Sinneswandel gehofft?

Gehofft - aber nicht gerechnet, denn die Entscheidung war ja schon früh gefallen. Das Trainerteam hat sich aber immer top verhalten. Die sind klasse, fachlich wie menschlich.

Sind Marius Gersbeck, Max Weiß und Kai Eisele, die KSC-Keeper kommende Saison, wirklich besser? Wo genau?

Marius Gersbeck ist absolut zu Recht die Nummer eins. Er hat super Spiele gemacht und ist auch menschlich super. Ich gönne ihm jeden nur erdenklichen Erfolg. Er hat tolle Fähigkeiten. Zum Beispiel kann er prima mit Druck umgehen und das ist nicht selbstverständlich bei Torhütern. Max ist ein junger Torhüter, ein großes Talent, das über viel Potential verfügt. Ich bin gespannt, wie er sich entwickeln wird. Zu Kai Eisele kann ich nichts sagen.

KSC vs. Dynamo Dresden
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Im Moment sind Sie vereins- bzw. arbeitslos. Was ist das für ein Gefühl?

Kein schönes. Natürlich ist das keine schöne Situation, das ist schon belastend. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich einen passenden Verein finde, bei dem ich glücklich werde und der mit meinen Ansprüchen übereinstimmt.

Ihre Ansprüche sind?

Ich traue mir zu, früher oder später, Stammspieler in der zweiten Liga zu sein. Das ist mein langfristiges Ziel und auch mein Anspruch an mich selbst.

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Gibt es Kontakte zu anderen Clubs?

Ja, es gibt einige.

Wo und wie halten Sie sich fit, falls es nicht gleich klappt?

Zunächst mache ich eine Woche Urlaub - in Karlsruhe. Danach absolviere ich bei einer Baufirma in Düsseldorf ein Praktikum, das interessiert mich. Für diesen Zeitraum habe ich auch einen Personal-Trainer engagiert, um weiterhin meine Fitness beizubehalten, damit ich beim Start in die neue Saison topfit und bereit bin.

Warum ein Praktikum in der Baubranche?

Ich mache derzeit parallel zum Fußball ein Fernstudium im Bereich Immobilienmanagement, das ich in ein paar Monaten auch abschließen werde.