Herr Gondorf, der KSC hat nach der Hinrunde 18 Punkte auf dem Konto. Zufrieden?

Gondorf: Nein.

Und warum nicht?

Gondorf: Nach einem schwierigen Start hatten wir eine konstant gute Phase, dann kam - ab dem Darmstadt Spiel- ein kleiner Bruch. Wir hatten gegen den Tabellenführer viele Chancen, das Spiel auf unsere Seite zu ziehen und zu gewinnen. Die haben wir nicht genutzt und wurden am Ende dafür bestraft, dass wir das verpasst haben. Ab da hatten wir eine Durststrecke zu überwinden. Nach den Punkten, die wir vor dieser Partie auf dem Konto hatten, ist der aktuelle Stand daher nicht zufriedenstellend.

Jerome Gondorf (KSC 8) schießt den Ball.
Jerome Gondorf (KSC 8) schießt den Ball. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Sie sprechen von Phasen. Gibt es eine Erklärung für dieses Auf und ab? Niederlagen, einige Siege, wieder Niederlagen. Es war auffällig, dass Ihrem Team entweder defensive Stabilität oder die Torgefahr fehlte. Wie kann man das konkret verändern?

Gondorf: So hart wie diese Saison hat es uns - trotz mancher Leistungsschwankungen zuvor - noch nie getroffen. Aber: Auch da waren wir nicht so schlecht. Wir haben auch da immer Chancen kreiert. Zum Beispiel haben wir in Kaiserslautern das Spiel dominiert und dennoch verloren.

Eines ist die bittere Wahrheit: Wir bekommen zu viele Tore. Darüber reden wir intern oft, gehen ins Detail, wollen gemeinschaftlich alles verbessern. Daran arbeiten wir, das wollen wir auf alle Fälle verändern.

Könnte ein Grund für die Schwankungen sein, dass nur ein echtes "Alpha-Tier“ im Kader - wie es Kapitän Jerome Gondorf ist - zu wenig ist? Gibt es zu wenig Führungsspieler? Im Moment gibt es nur: Sie und Torhüter Marius Gersbeck. Irgendwann vielleicht Marcel Franke. Reicht das?

Gondorf: Schwierig. Ich habe mich da auch geändert und packe die Jungs zahmer an. Man muss feststellen und akzeptieren, dass sich einiges im Fußball verändert hat. Die jungen Spieler wurden insgesamt sensibler. Das meine ich nicht negativ, sondern das Gesamtpaket führt dazu, eben weil die Jungen heute extrem verwöhnt werden. Zu meiner Zeit in der KSC Jugend war das nicht so.

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Nochmals: Gibt es zu wenig laute Spieler im Kader, zu wenig, die den Ton angeben?

Gondorf: Ich denke nicht. Wir haben Spieler, die das können. Aber wir müssen insgesamt lauter werden. Wenn einer in die Hände klatscht ist das etwas komplett anderes, als wenn das 20 machen.

Aber es ist doch überraschend: Es steht fast ein Dutzend Spieler im Kader, das knapp unter oder etwas über 30 Jahre alt ist, folglich viel Erfahrung hat. Doch in Extremsituationen sind die zu leise.

Gondorf: Ich glaube nicht, dass wir noch ein, zwei laute Typen bräuchten.

Bräuchte der KSC denn im Winter überhaupt neue Spieler?

Gondorf: Diese Frage müssen die Verantwortlichen beantworten. Sie werden eine Analyse vornehmen, ob und wo man eventuell etwas tun muss. Mehr Torgefahr, mehr Lautstärke, mehr Konkurrenzkampf - das müssen die Verantwortlichen entscheiden.

Jerome Gondorf (l) erzielte den dritten KSC-Treffer in Regensburg.
Jerome Gondorf (l) bei einem Spiel gegen Regensburg. (Arhchivbild) | Bild: Daniel Löb/dpa

Sie haben fast alle Partien in der Startelf absolviert. Wie schätzen Sie Ihre Leistung ein?

Gondorf: Es spiegelt sich da das Auftreten der Mannschaft wieder. Ich habe auch bei Niederlagen ansprechende Leistungen gezeigt - wie das Team meist auch. Ich konnte offensive Akzente setzen. Durch die Umstellung auf eine Raute im Mittelfeld war ich mehr an offensiven Aktionen beteiligt. Das tat gut, ich fühle mich auf dieser Position wohl, mag diese Position und habe auch daher extrem viel Spaß auf dem Platz. Allerdings hätten es ein, zwei Tore mehr sein können - müssen.

Sie sagen: Ich mag diese Position. Trainer Eichner denkt darüber nach, zukünftig mit einer Dreierkette zu agieren. Dann gibt es diese Position so nicht mehr. Gondorf: Man kann die Raute dennoch beibehalten, kann ein 5-4-1 spielen - eben mit einer Raute im Mittelfeld. Da gibt es verschiedene Varianten. Und was wäre Ihre Lieblingsposition in diesem anderen System?

Gondorf: Das entscheidet der Trainer, mir ist es nicht so wichtig wo ich spielen kann. Ich fühle mich auf dem Platz wohl und habe in meiner Karriere schon fast alle Positionen gespielt.

Der Karlsruher Trainer Christian Eichner.
Der Karlsruher Trainer Christian Eichner. | Bild: Uli Deck/dpa/Archivbild

Was halten Sie grundsätzlich von einer Dreierkette?

Gondorf: Das ist interessant, zudem muss man im modernen Fußball flexibel sein. Gegen St. Pauli haben wir in Halbzeit zwei auf Dreierkette umgestellt und das hat schon ganz gut funktioniert. Wir waren defensiv stabiler.

Der KSC hat das Ziel ausgegeben, eine sorglose Runde zu spielen. Wird das gelingen?

Gondorf: Anfangs gelang uns das nicht. Dann haben wir unser System geändert und gewonnen. Dann haben sich die Gegner besser auf uns eingestellt, Düsseldorf war zum Beispiel optimal auf uns eingestellt. Bisher ist es sorgenfrei, aber wir dürfen es nicht sorglos angehen, denn dann bekommen wir große Sorge.

Doch so weit wollen und werden wir es nicht kommen lassen. Wir werden in der Pause richtig arbeiten, im Training Vollgas geben, denn nur dann kann ich das auch im Spiel. Gelingt das wird es sorgenfrei, sonst wird es schwierig