"Autonomes Fahren wird unsere Gesellschaft räumlich, technisch und sozial bewegen." Davon ist Jürgen Beyerer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung, beim Pressetermin am Donnerstag fest überzeugt. Zusammen mit Vertretern des Forschungszentrums Informatik (FZI), der Hochschule für Technik und Wirtschaft, des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Städte Karlsruhe sowie Bruchsal stellt Beyerer an diesem Tag die Zukunft des Verkehrs vor: automatisiertes und vernetztes Fahren.
Karlsruhe soll zur großen Testzone werden
Dass Autos, Busse oder Nutzfahrzeuge künftig ohne Fahrer auskommen, ist schon lange keine fixe Idee- vor allem in der Wirtschaft ist man sich sicher, dass das die Zukunft auf den Straßen sein wird. Auf der A8 bei Stuttgart testete Daimler bereits einen selbstfahrenden Lkw. Versuche wie diese will das Konsortium - bestehend aus den Karlsruher Forschungseinrichtungen, der Fächerstadt sowie Bruchsal - jetzt auch in die Region holen. Die Idee: Ganz normale Straßen und auch Autobahnstrecken sollen zu einem großen Testraum werden.
Auf diesen Teststrecken, so der Plan des Konsortiums, sollen dann Firmen und Forschungseinrichtungen in der Region vernetztes und automatisiertes Fahren im alltäglichen Straßenverkehr erproben können. Die dazu nötigen Fördermittel sollen dabei vom Land, den beteiligten Städten und Sponsoren getragen werden. Rund vier Millionen Euro an Eigenmitteln hat das Konsortiums schon zusammen, 2,5 Millionen Euro sollen vom Land hinzukommen.
Für die Stadt Karlsruhe sieht das Konsortium mehrere Testzonen und Strecken vor: Diese finden sich dann am Campus des KIT, in der Oststadt, dem Hauptbahnhof, in den südlichen Stadtteilen sowie auf den Autobahnstrecken bis Stuttgart und Heilbronn. Auch die Stadt Bruchsal ist nach der Planung des Konsortiums durch den Forschungscampus an das Testgebiet angeschlossen.

(In mehreren Testfeldern könnte das autonome Fahren in Karlsruhe getestet werden. Hier geht's zur größeren Ansicht. Quelle: FZI auf Basis Map data © OpenStreetMap contributors, tiles GIScience Research Group @ Heidelberg)
Karlsruher Gemeinderat gibt grünes Licht für Testregion
Der Karlsruher Gemeinderat jedenfalls ist bei den Plänen an Bord: Bei seiner Sitzung am Dienstag stimmten die Karlsruher Stadträte den Plänen des Bewerbungskonsortiums mit zwei Enthaltungen mehrheitlich zu. Mit diesem Beschluss stellt die Stadt Karlsruhe insgesamt 190.000 Euro für das Projekt zur Verfügung. Ein Teil dieser Mittel soll beispielsweise unter anderem in den Ausbau von KA-WLAN und in die Aufrüstung von Ampelsystemen fließen.
Auch die VBK soll in das Testfeld miteingebunden werden: Die Karlsruher Verkehrsbetriebe wollen das mögliche Testfeld in der Fächerstadt für die Erprobung von Elektro-Mini-Omnibussen nutzen. Gleichzeitig hat sich die Stadt durch den Gemeinderat bereit erklärt, den eventuellen Defizit und das Haftungsrisiko aus dem Betrieb des Testfeldes zu übernehmen.
Eines betont OB Mentrup am Donnerstag: Ohne die Zuschüsse vonseiten des Landes ist ein Testfeld für automatisiertes und vernetztes Fahren in der Region nicht denkbar. Ob die finanzielle Unterstützung kommt, steht noch aus. Aktuell haben sich auch Städte wie Ulm, Stuttgart und Ludwigsburg als Testregion beworben. Karlsruhes Stadtoberhaupt ist aber guter Dinge: "Ich glaube, dass wir ganz gute Chancen haben." Die Entscheidung soll im Sommer fallen, der Testbetrieb könnte dann im Herbst starten.