"Der digitale und der stationäre Handel müssen immer mehr zusammenwachsen", sagt Gerd Hager, Verbandsdirektor des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein (RVMO) im Rahmen der Veranstaltung "Attr@ktive Innenstadt - neue Wege für Einzelhandel und Stadtentwicklung". Diese richtete sein Verband am Freitag gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Karlsruhe aus.

Mittelzentren in besonderem Fokus

Rund 130 Gäste, darunter Einzelhändler, Flächenplaner und Gastronomen, diskutierten dabei den digitalen Wandel und seine Folgen für die Handelsbranche. Für die Händler steht dabei die Frage im Mittelpunkt, wie sie ihre Kunden auch in Zukunft zum Einkauf in den Läden vor Ort bewegen. Die Planer wollen erfahren, was sie tun können, um den stationären Handel zu stärken: "Es stehen viele Fragen im Raum. Diese wollen wir gemeinsam erörtern", sagt Hager.

Der Handel zentralisiere sich zusehends. Große Händler bestimmen den Markt, können Produkte preiswerter anbieten als Einzelhändler in ihrem Ladengeschäft. Diesen bleiben somit vermehrt Nischenprodukte, schildert er. In einem Bereich sieht Hager den "Laden vor Ort" jedoch klar im Vorteil: "Die Grundversorgung, etwa mit Lebensmitteln, wird in stationärer Hand bleiben", sagt er. Eine wichtige Aufgabe sei es deshalb, derartige Einkaufsmöglichkeiten flächendeckend zur Verfügung zu stellen.

Neben Einzelhändlern nehmen an der Veranstaltung im Haus der Wirtschaft auch Gastronomen teil: "Gastronomie und Handel sind eng verknüpft. Beide sind darauf angewiesen, dass die Kunden in die Innenstädte kommen", erklärt Nicolas Schruff, Referent für Handel bei der IHK Karlsruhe. Auch das Angebot aus dem Gastro-Bereich steige im Internet stetig, betont er.

Im besonderen Fokus der Zusammenkunft steht indessen nicht Karlsruhe als Oberzentrum der Region, sondern die sogenannten Mittelzentren rund um die Fächerstadt - also beispielsweise Rastatt oder Bruchsal: "Die Karlsruher Innenstadt ist, spätestens nach dem Bauende der Kombilösung, sehr gut aufgestellt", ist Hager überzeugt. Die Mittelzentren stünden dagegen derzeit vor einem entscheidenden Sprung, so der Verbandsdirektor.

"Die Resonanz der Veranstaltung zeigt, dass es auf allen Seiten einige offene Fragen gibt", so IHK-Referent Schruff. Diese wolle man gemeinsam angehen. "Fertige Antworten" biete die Zusammenkunft dagegen nicht, machen die Experten unisono deutlich. Vielmehr gelte es, gemeinsam Ansätze für einen zukunftsfähige Handelsbranche zu erarbeiten: "Die Wandlung des Handels ist ein Prozess, an dem sich alle beteiligen müssen", erklärt Hager abschließend.

Bereits am Mittwochabend wurde im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe  #digitalk unter dem Motto "Total geliefert - Wie die Digitalisierung unser Konsumverhalten verändert!" über die Zukunft des Handels diskutiert. Nach spannenden Vorträgen zum Einzelhandel und der Online-Herausforderung folgte eine lebhafte Debatte mit dem Publikum. #digiTALK ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH, der Karlshochschule, ka-news und weiteren Akteuren aus Karlsruhe. Das neue am #digiTALK-Konzept ist, dass es bei jeder Veranstaltung um ein Thema der digitalen Welt geht, das von unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Bericht und Fotos von der Veranstaltung finden Sie hier .