Geschlossene Läden, fehlendes Weihnachtsgeschäft, wenig oder keine Perspektive auf eine baldige Öffnung, ausbleibende Hilfszahlungen und vieles mehr. Viele Einzelhändler sehen ihre Perspektive bedroht. Um diese Notlage nun zu verdeutlichen, startet die Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" nun eine bundesweite Aktion. 

Deutschlandweite Aktion geplant

Am Montagabend nach Einbruch der Dunkelheit, sollen deutschlandweit Schaufenster von Geschäften des Einzelhandels rot angestrahlt werden. Ziel der Aktion soll sein, auf die existenzielle Notlage der betroffenen Einzelhändler aufmerksam zu machen. "Viele Existenzen von großen und kleinen Händlern sind massiv bedroht. Deshalb wollen wir jetzt ein Schlaglicht auf die Situation richten - bevor die Lichter ausgehen", heißt es auf der Website der Initiative lebenimzentrum.com. 

So wie hier am Thalia in Karlsruhe, sollen am Montagabend mehrere Geschäfte rot leuchten.
So wie hier am Thalia in Karlsruhe, sollen am Montagabend mehrere Geschäfte rot leuchten. | Bild: Thomas Riedel

"Das Leben gehört ins Zentrum" ist eine Initiative von viele großen Einzelhändlern. "Das rote Licht soll die Notlage verdeutlichen. Es soll sagen 'Ohne Handel, sehen die Städte rot'", erklärt Oliver Sichert, Bereichsleiter von Thalia gegenüber ka-news.de 

"Müssen jetzt aufstehen"

Die Buchhandelskette beteiligt sich unter anderem auch an der Initiative und ließ die Scheiben der Karlsruher Filiale in der Kaiserstraße schon am vergangenen Sonntag in Rot erleuchten. "Wir sind der Überzeugung, jetzt aufstehen zu müssen, denn die aktuelle lange Schließung der Geschäfte bringt viele Unternehmen in große Nöte", meint Sichert weiter. 

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Sichert ist für insgesamt 16 Thalia-Filialen in Baden-Württemberg und Bayern verantwortlich. Auch die Filialen in Karlsruhe fallen in seinen Kompetenzbereich. Er ist der Meinung, dass der Einzelhandel "verantwortungsvoll am 8. März öffnen kann und sollte." Lockerungen seien seiner Meinung nach gerechtfertigt, da die Möglichkeiten, die Pandemie zu kontrollieren, nun durch die Impfung und mögliche Schnelltest besser seien, als nach der Öffnung nach dem ersten Lockdown. 

Oliver Sichert ist als Bereichsleiter bei Thalia unter anderem für die Filialen in Karlsruhe verantwortlich.
Oliver Sichert ist als Bereichsleiter bei Thalia unter anderem für die Filialen in Karlsruhe verantwortlich. | Bild: Sichert/Thalia

"Wir haben gesehen, dass die Konzepte gut waren und gewirkt haben", sagt der Bereichsleiter. Zwar gab es auch in seinen 16 Filialen positive Corona-Befunde, diese seien aber alle über private Kontakte geschehen und nicht im Laden. "Außerdem hat sich nachweislich auch kein Kunde bei uns angesteckt. Die getroffenen Maßnahmen haben gut gehalten", so Sichert. Er ergänzt: "Auch im Lebensmittelhandel, gibt es ja aktuell fast keine Infektionen."

Infektionsrisiko im Handel ist gering

Das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigt den Eindruck von Sichert. Das RKI schätzt in seinem "ControlCovid-Protokoll" das Infektionsrisiko im Einzelhandel als gering ein und empfiehlt bei einer Sieben-Tages-Inzidenz zwischen 35 und 50 einen geöffneten Einzelhandel mit der Einschränkung, dass sich höchstens ein Kunde pro 20 Quadratmeter Ladenfläche aufhalten darf. Ab einer Inzidenz von über 50 soll eine Schließung erwogen werden. Zuletzt waren die Inzidenzen in Karlsruhe wieder leicht angestiegen.

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Mit Blick auf die kommenden Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch hofft Sichert trotzdem auf eine Öffnung des Handels am 8. März. "Die meisten haben ihre Rücklagen aufgebraucht und man könnte ja bei den Öffnungen dort anfangen, wo man im Dezember aufgehört hat. Das wäre eine gute Basis." 

Cityinitiative begrüßt Aktion

Ganz so weit möchte Frank Theurer, Geschäftsführer der Cityinitiative Karlsruhe nicht gehen, auch wenn Öffnungen sein favorisiertes Ereignis wäre. "Vor allem muss jetzt mal ein klarer Plan vorgestellt werden, damit die Händler planen können. Dieses 'von Treffen zu Treffen hangeln' muss jetzt aufhören", so Theurer. 

Frank Theurer ist seit 7. Februar 2019 neuer CIK-Geschäftsführer.
Frank Theurer ist seit 7. Februar 2019 neuer CIK-Geschäftsführer. | Bild: ps/CIK

Der Cityinitiative-Chef weiter: "Dabei ist es egal in welche Richtung der Plan geht. Wenn es heißt: 'Der Handel bleibt jetzt noch vier Wochen zu, erhält bis dahin alle Hilfen und öffnet dann', dann ist das immerhin mal eine verlässliche Aussage."

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Für Theurer, der die Aktion von "Das Leben gehört ins Zentrum", begrüßt seien vor allem die ausbleibenden Überbrückungshilfen der Grund, warum die Rufe nach Öffnungen lauter werden. Hinzu kommt die aktuelle Perspektivlosigkeit. "Die Händler dürfen nicht weiter im Unklaren gelassen werden, die Öffnungen sollten geplant werden, wie auch ein Unternehmen geplant werden muss."

Zwar kann der Chef der Cityinitiative die Bedenken der Mediziner verstehen und findet, dass "die Gesundheit ganz oben steht", doch ein weiteres Hinhalten der Regierung ohne die versprochenen Hilfen auszuzahlen "wäre eine Katastrophe."

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