Nach der Frage sei ihr Chef zunächst sprachlos gewesen, berichtet Przeklasa am Dienstagabend beim 4. Karlsruher #digitalk in der Karlshochschule. Doch dann wurde schnell klar: Warum eigentlich nicht? Auf die Idee, ihr Büro an den Strand zu verlagern, kam die Marketing-Managerin über "Planet Backpack".

Digitales Nomadentum - "kein Problem"

"Wenn Sie vorwiegend mit diesen Tools arbeiten, ist digitales Nomadentum kein Problem", sagt Przeklasa und wirft eine Folie mit über 25 Online-Programmen an die Wand. Ihre Arbeit beinhaltet wenig feste Meetings - die Aufgaben und Prozesse sind über 85 Prozent onlinebasiert. Während ihrer Zeit im Ausland arbeitete sie in Coworking-Spaces. Der Zeitunterschied war kein Problem: "Es war abgesprochen, dass ich abends noch einmal meine Emails abrufe, um den Arbeitsfluss nicht zu unterbrechen und meinen Kollegen den entsprechenden Input zu geben."

Das könnte Sie auch interessieren

Das Fazit: Positiv, aber: "Für einen normalen Urlaub bin ich jetzt verdorben." Auch Ute Klingelhöfer zieht ein durchweg positives Fazit. Die Karlsruherin verlagerte ebenfalls ihr Büro für drei Monate ins Ausland. Im Gegensatz zu Przeklasa ist Klingelhöfer selbstständig. Als Content-Strategin berät und unterstützt sie Kunden im Bereich Social Media Marketing, Newsletter oder Erstellung einer klassischen Website.

Arbeitest du noch oder lebst du schon?

Die beiden Frauen sind Beispiele, wie die Grenze zwischen Leben und Arbeit im digitalen Zeitalter verschwimmt. Die Aktualität dieser Begriffe nehmen die Referenten Stefan Rief und Frank Widmayer in ihren Vorträgen auf: Arbeiten wir um zu leben oder leben wir um zu arbeiten? Wie haben sich unsere Lebensstile verändert? Welche Arbeitsformen sind noch zeitgemäß?

Im Gegensatz zu früher sind die Lebensabschnitte kürzer und vielfältiger geworden: Das Erwerbsleben bis zum Ruhestand gliedert sich in unterschiedliche Jobphasen. Die Arbeit sollte sich diesen neuen Anforderungen anpassen. "Flexible Arbeitsweisen werden von allen Altersgruppen bevorzugt, nicht nur von Jüngeren", sagt Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart.

Flexibles Arbeiten ist die Zukunft

Die Gründe für den Wunsch nach flexiblen Arbeitsformen sind vielseitig: Zeitaufwand durch Pendeln vermeiden, mehr Zeit zur Gesundheitsförderung, für die Familienangehörigen oder Haustiere. Flexibles Arbeiten hat dabei aber nicht unbedingt etwas mit digitalen Nomadentum zu tun, stellt Rief in seinem Vortrag klar. Selbstbestimmtes Arbeiten hat einen positiven Einfluss auf die Leistung - die Büroumgebung allerdings auch.

Persönliche Kommunikation ist wichtig - soziale Kontakte und die Vorteile einer entsprechenden Büroausstattung, beispielsweise durch mehrere Bildschirme. Vor allem in Coworking-Spaces - an Orten des gemeinsamen Arbeitens - entstehen vermehrt neue Ideen und Lösungen. So eine Studie aus dem Jahr 2015 des Fraunhofer Instituts.

Weniger Hierarchie in Unternehmen macht effizient

Grundlegende Veränderungen im Arbeitsbereich sieht auch Frank Widmayer als essentiell an. Er begleitet mittelständische Unternehmen und Unternehmer in der Gestaltung von Organisation und Führung in der digitalen Transformation. Dabei beschäftigt sich Widmayer insbesondere mit "New Work" - der Frage, wie Unternehmen im Zeitalter des digitalen Wandels organisiert und geführt werden müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Seine Antwort: Weniger Hierarchie, weniger Automatismen, mehr Flexibilität. Arbeiten im Produktionsbereich sieht er in der Zukunft durch die Automatisierung weitestgehend bei Robotern und Computern. Geistiger Output soll hingegen durch entsprechende Arbeitsformen besser gefördert werden.

Er ist überzeugt: "Hierarchielose Unternehmen sind effizienter, denn hierarchiefrei heißt nicht führungsfrei." Anstelle einer Teampyramide stehen gleichberechtigte Teammitglieder inklusive Moderator. Beispiele für effizientes, hierarchieloses Arbeiten: Das Pflegedienstunternehmen Buurtzorg in den Niederlanden und eine Filiale der Volksbank Heilbronn.

"Automatisierung und Digitalisierung werden weiter dafür sorgen, dass Arbeiten, die stupide, langweilig, unkreativ und schematisch ist, auch genauso gut oder sogar besser von Maschinen gemacht werden kann", sagt Widmayer, "genau das sollten wir aber als Chance verstehen, denn es setzt die wahren Potenziale bei den Menschen, nämlich deren kreative Schaffenskraft wieder frei."