Was hat das Projekt "Autonome Bahn" mit dem Testfeld "Autonomes Fahren" in Karlsruhe zu tun?

Da muss man unterscheiden: Das Testfeld Autonomes Fahren, das in diesem Jahr in Betrieb genommen wurde, wird vom KVV betrieben. Beteiligt sind aber mehrere Unternehmen und Gebietskörperschaften. Das Testfeld soll für Unternehmen freigegeben werden, welche ihre Forschung auf die Straße bringen wollen. Die VBK beteiligten sich in Form von Autonomen Kleinbussen als Testfeld-Teilnehmer.

Das Projekt "Autonome Bahn" ist aus einer anderen Zielsetzung heraus entstanden. Hier geht es darum, anwendungsorientierte Lösungen zu finden, die das vorhandene Schienennahverkehrssystem ergänzen können. Konkret geht es um Strecken, die im Randbereich, also im ländlichen Raum, liegen, die heute zum Teil gar nicht bedient werden und brach liegen. Wir stellen uns die Frage, wie man es schafft dort ein Angebot zu realisieren, das wirtschaftlich vertretbar ist.

Ascan Egerer (li), technischer Geschäftsführer bei VBK und AVG im Gespräch mit ka-news-Redakteur Florian Kaute
Ascan Egerer (li), technischer Geschäftsführer bei VBK und AVG im Gespräch mit ka-news-Redakteur Florian Kaute | Bild: Tim Carmele

Welches Ziel hat das Projekt?

Wir wollen testen, wie weit die Technologie des hochautomatisierten Fahrens schon ist und in einem zweiten Schritt das fahrdrahtunabhängige Fahren erproben. Da geht es in erster Linie um die Frage, wo man den notwendigen Strom herbekommt. Interessant ist das für Strecken ohne Oberleitung.

Da wir ja anwendungsbezogen forschen wollen, können wir schauen, wie wir auf eben solchen Strecken ein attraktives wirtschaftliches Angebot realisieren können. Vielleicht kommt die Bahn dort irgendwann auf Knopfdruck – wie bei einem Aufzug. Unser Ziel ist es nicht, das im gesamten Netz anzubieten. Es ist aber ein interessantes Modell für Stichstrecken im ländlichen Raum, auf denen sonst kein wirtschaftlicher Verkehr möglich ist.

Und wie will man dieses Ziel erreichen?

Wir haben uns Partner gesucht: Mit dem KIT und seinem Institut für Fahrzeugsystemtechnik haben wir die wissenschaftliche Basis an Bord. Die Firma "Thales" ist unser Partner aus der Industrie, der die notwendigen technischen Komponenten liefert. Die können wir selbst nicht entwickeln. Thales hat uns signalisiert, dass sie die Teile bereits haben, sie müssen sie nicht neu entwickeln. Nur mal in eine Bahn einbauen.

Die AVG ist gerade in einer Phase, in der wir viele alte Bahnen ausmustern und sie durch Neufahrzeuge ersetzen. Eines der ausgedienten Fahrzeuge wird jetzt nicht verschrottet, sondern dient als Versuchsträger, in den die neue Technologie eingebaut wird.

Ascan Egerer (r), technischer Geschäftsführer bei VBK und AVG, sowie Sarah Fricke von der Pressestelle im Gespräch mit ka-news-Redakteur ...
Ascan Egerer (r), technischer Geschäftsführer bei VBK und AVG, sowie Sarah Fricke von der Pressestelle im Gespräch mit ka-news-Redakteur Florian Kaute | Bild: Tim Carmele

Wo soll das Testfahrzeug dann fahren?

Wir fangen klein an: Zunächst bleiben wir auf unserem Betriebshof am Rheinhafen. Dort bewegen wir uns nicht im öffentlichen Raum, sondern auf einem Werksgelände. Das sorgt für vereinfachte Bedingungen.

Je nachdem welche Ergebnisse diese Versuche liefern, entscheiden wir dann über das weitere Vorgehen. Das heißt, wir entscheiden erst dann, ob und auf welchen Strecken wir Tests durchführen. Eine Möglichkeit wäre da unsere eigene AVG-Strecke bei Ettlingen, also zwischen Ettlingen-West und Ettlingen-Stadt. Dort gibt es keinen Regelverkehr und wir könnten mit der autonomen Bahn Pendelfahrten machen. Dafür gibt es allerdings derzeit noch keinen festen Zeitplan.

Dem Fahrermangel wollen Sie mit diesem Projekt also nicht begegnen?

Nein, definitiv nicht. Das Thema "Fahrermangel" wollen wir schnell lösen. Bei der Entwicklung der autonomen Bahn sprechen wir von einer langfristigen, technologischen Entwicklung, die wir nicht vorhersehen können. Das Thema "Fahrermangel" wollen wir schneller lösen.

Das autonome Fahren mit einer Bahn hat in nächster Zeit keine Auswirkungen auf die Fahrer. Ich erwarte, dass die Fahrer, die wir jetzt einstellen, langfristig bei uns beschäftigt sein können. Das hängt auch damit zusammen, dass wir in unserem Alltag mit sehr vielen Menschen zu tun haben. Da ist es unerlässlich, dass auch nach wie vor ein Mensch vorne in der Bahn sitzt. Es ist nicht unser Ziel, das in absehbarer Zeit zu ändern.

Das Berufsbild eines Lokführers wird sich aber durch die Entwicklungen in der Technologie mit Sicherheit verändern. Es gibt zum Beispiel schon einige Städte mit vollautomatisierten U-Bahnen. Hier hat die Realität gezeigt, dass dadurch kein Personal eingespart wird, sich die Aufgabenbereiche aber ändern.

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