Zwischen Dildos, Knebel und Analplugs zu arbeiten und dann auch noch die Vorzüge jedes einzelnen Produkts anzupreisen, mag für so manchen Menschen ein Ding der Unmöglichkeit darstellen. Für Anna L. ist es dagegen eines der normalsten der Welt. "Man ist seriöser Fachverkäufer. Da ist nichts Schlimmes dran", findet sie. Vielmehr sei man als Erotikfachverkäuferin noch mehr in Sachen Einfühlungsvermögen gefordert.

Arbeit zwischen Dildos und Analplugs

"Die meisten Kunden, die in den Sexshop kommen, verhalten sich so, als würden sie im Kaufhaus einen Pulli kaufen", erzählt Anna L. "Aber es gibt auch die Schüchternen, die sich kaum trauen, etwas zu fragen. Und dann kommen auch die, die schon etwas zu offen sind und Details verraten, die man nicht unbedingt wissen möchte." Auf beide Extreme müsse man entsprechend reagieren. "Einmal kaufte sich ein Mann eine Taschenmuschi und war beim Bezahlen so nervös, dass er fast das Geld hat fallen lassen. Da empfindet man wirklich Mitgefühl und versucht, ihn irgendwie zu beruhigen."

Anders sei es mit Leuten, die kein Blatt vor den Mund nehmen. "Manchmal weiß man nicht, ob die wirklich über das Produkt reden wollen oder nur über ihre sexuellen Vorlieben und Phantasien." Ähnliches geschehe bei Leuten, die Dessous anprobierten und dann freizügig im Laden herumstolzierten. "Das geht wirklich nicht, wenn die Leute sich dermaßen präsentieren", betont Anna L. "Das grenzt dann doch an Belästigung."

"Ungewöhnlich gibt es nicht"

Generell sei wichtig, dass man als Verkäuferin neutral bleibe und die Produkte dementsprechend erläutere. Geschlechtsspezifische Unterschiede habe sie keine gemacht, zumal Frauen und Männer zu gleichen Teilen ins Geschäft kämen. Je nachdem wie diese drauf seien, könne man humorvoll agieren oder sogar einen Witz machen. "Grundsätzlich darf man niemanden für spezielle Vorlieben verurteilen", sagt sie. Schließlich verdiene die Erotikbranche gerade auch mit diesen ihr Geld. "Ungewöhnlich gibt es sowieso nicht", betont die Fachfrau in Sachen Erotik. Man verkaufe Fäkalpornos genauso wie Gleitcreme. "Wenn einen so etwas schockiert, dann sollte man nicht in der Branche arbeiten", ist sie überzeugt.

Im Sexshop zu arbeiten war für Anna L. eine logische Konsequenz aus den eigenen Vorlieben. "Ich bin schon immer gern als Kundin in den Sexshop gegangen. Die Atmosphäre hat mir sehr gut gefallen", gibt sie zu. So wollte sie dort arbeiten, wo sie sich wohlfühlte. "Das ist ja eigentlich nicht so ungewöhnlich." Langweilig sei es ihr im Laden nie geworden. Das Sortiment sei so umfangreich und biete immer wieder neue, interessante Produkte. "Das ist deutlich abwechslungsreicher als beispielsweise das vom Bäcker", grinst sie.

"Ich mache mir Gedanken, ob ich manche Leute damit schockiere"

Ob sie, die im Sexshop gearbeitet hat, automatisch toleranter ist, weil sie im gewissen Sinne deutlich mehr von den Lüsten anderer Leuten mitbekam, weiß Anna L. nicht. "Für mich ist es normal, über solche Dinge zu sprechen." Gelegentlich müsse sie dennoch im privaten Kreis aufpassen, wie sie etwas formuliere. "Da mache ich mir zeitweise schon Gedanken, ob ich die Leute mit so viel Offenheit nicht schockiere."

Es sei manchmal schwierig, die Grenze zu ziehen. Besonders bei Menschen, mit denen man im Privatleben ohnehin vertraut ist. Weil sie der Liebe wegen in die Landeshauptstadt gezogen ist, hat Anna L. ihren Job im Sexshop aufgegeben. "Ich würde auf jeden Fall wieder in diesem Bereich arbeiten wollen", räumt sie ein. Sie ist auch schon auf der Suche nach einer passenden Stelle.

Sorgen Internet-Pornos für eine Krise bei den Karlsruher Sexshops, wie wehrt man sich gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, und warum gibt es für kaum etwas so viele unterschiedliche Bezeichnungen wie für den menschlichen Beischlaf? Unter dem Motto "Let's talk about Sex - in Karlsruhe" werden wir in den kommenden Wochen in loser Folge über diese und weitere Themen berichten. Einen ersten Überblick zu dem Thema gibt es in unserem Dossier.

 
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