"Wir sind ein LGBTQIA+-freundliches Lokal“, stellt Inhaber Niko klar. Seit Februar hat er das PRINZs von Vorbesitzer Hans übernommen, bei dem er zuvor vier Jahre als Barchef gearbeitet hatte. "Es war an der Zeit, dass jemand neues, junges nachkommt, und Niko macht das mit viel Ambition und Herzblut", lobt Vorbesitzer Hans.
Das Prinzs – der Name schließt "Prince", "Princess", und alles, was dazwischen liegt, mit ein – war und ist immer noch die einzige queere Bar in der Karlsruher Umgebung, vergleichbare Orte finde man erst wieder in Mannheim und Stuttgart, betont das Café Prinzs-Team.

"Hier sind alle Menschen willkommen"
"Natürlich sind neben diesen Menschen auch alle anderen bei uns willkommen“, betont Niko. "Das Wichtigste für uns ist, dass sich alle Gäste wohl und aufgehoben fühlen." Und gleiches gelte auch für das siebenköpfige Team hinter der Bar. Auch abseits vom Arbeitsumfeld unternimmt man gerne etwas zusammen, wie zum Beispiel einen Besuch im Freibad.

"Das Konzept darf nicht verloren gehen"
Als der Laden, der damals unter einem anderen Inhaber noch eine Raucherkneipe ab 18 Jahren war, 2016 insolvent ging, war für ihn als ehemaliger Stammgast klar: "Dieses Konzept darf nicht verloren gehen."
"Es gab einige Interessenten für die Räumlichkeiten, doch ich habe durchgesetzt, dass das PRINZs weiter bleibt", so Hans. Der Einlass ist seitdem ab 16 Jahren, geraucht werden darf nur auf der Außenterrasse, die Platz für etwa 60 bis 70 Personen bietet. Serviert werden kleine Speisen und eigene Cocktailkreationen.

Doch neben dem klassischen Barbetrieb gibt es auch immer wieder Events und Aktionen. Zum Beispiel eine Drag Show mit Drag-Queen Emily Island aus Stuttgart oder die Happy Hour "Spin & Sip".
Für den Karlsruher CSD im Juni 2025 hat das Team eine zweitägige Veranstaltung in der Fleischmarkthalle geplant. Auch Stammtische finden sich regelmäßig im Prinzs zusammen. Ob Down-Syndrom, BDSM oder "Puppys" – "damit haben Leute einen safe place, wo sie sich unter Gleichgesinnten austauschen können", so Hans.
Ein "Safe Place" werde dringend gebraucht
Diese sicheren Orte braucht es seiner Meinung nach dringend: "Nicht nur, aber vor allem junge Menschen haben oft Schwierigkeiten oder das fehlende Selbstbewusstsein, sich so zu akzeptieren, wie sie sind. So oft hatte ich hier schon beobachtet, wie jemand alleine hergekommen ist und ein bisschen verloren wirkte. Dann habe ich den ersten Schubs gegeben, bin auf die Personen zugegangen, ins Gespräch gekommen, bis sie merken – hier bin ich aufgehoben, hier kann ich meine Geschichte teilen."

Diese Art des Kontakts habe schon in schönen Erlebnissen geendet, erinnert sich Hans mit einem Lächeln und erzählt von einem Gast, der seine Mutter extra für sein Outing ins PRINZs gebracht hatte. Auch seinem Nachfolger Nico liegt ein enger Kontakt zu den Gästen sehr am Herzen:
"Das ist eigentlich der Hauptgrund, warum ich das hier mache – so viele bunt gemischte, interessante Menschen, die man kennenlernt und eine Community, die mehr und mehr wächst. Doch gerade mit der aktuellen politischen Lage ist Zusammenhalt wichtiger denn je", so der Cafébetreiber. Doch bei solch einem Konzept sind Anfeindungen leider nicht weit entfernt
Man wünscht sich mehr Unterstützung von der Stadt
"Natürlich ist man immer mal wieder Anfeindungen ausgesetzt, diese Menschen wird es leider immer geben", meint Hans. "Doch ich konnte in den vergangenen Jahrzehnten so eine tolle Entwicklung, was queere Rechte und Toleranz in der Gesellschaft angeht sehen, und auf dieser positiven Spur soll es auch bitte bleiben!"

Von der Stadt Karlsruhe wünscht sich Hans für die queere Szene etwas mehr finanzielle Unterstützung, vor allem beim CSD: "Das ist im Vergleich zu anderen Städten noch sehr ausbaufähig!"
Nikos genereller Appell an die Gesellschaft: "Die Leute sollen sich mehr raus trauen, damit die Community noch sichtbarer wird. Allgemein sollten alle Menschen offen sein und mit Klischees brechen."

LGBTQIA+ - was bedeutet das überhaupt?
Die Abkürzung steht für "Vielfalt in Geschlecht, Sexualität und Orientierung", die einzelnen Buchstaben im Englischen für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans, Queer, Intersexuell und Asexuell/Aromantisch, das Plus soll die Vielfalt hervorheben.