"Zuerst einmal möchte ich die Solidarität loben, die die Menschen aus Karlsruhe den Geflüchteten aus der Ukraine entgegenbringen", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup in Bezug auf den mittlerweile großen Zustrom an Ukrainern, die ihre Heimat aufgrund des Krieges verlassen müssen. "Die Anteilnahme die Bund, Land und zuletzt auch die Stadt Karlsruhe zeigen, erfüllt mich mit Stolz", so der OB.

"Man muss beim Hilfeleisten den nächsten und übernächsten Schritt beachten"

Solidarität und Hilfsbereitschaft alleine seien aber noch kein ausgearbeitetes Konzept, wie die Kriegsflüchtlinge aufgenommen und integriert werden sollen. "Immerhin wird die schiere Masse an Flüchtenden in vielen Fällen nicht von der Landeserstaufnahme, sondern über private Kontakte nach Deutschland und Karlsruhe gebracht und sind derzeit nicht registriert - in vielen Fällen können sie sich im Rahmen der Flucht nicht registrieren. Dennoch wird es natürlich nicht leichter für den Staat, so einen Überblick zu behalten", sagt Mentrup.

Oberbürgermeister Frank Mentrup hält eine Rede vor dem Karlsruher Rathaus.
Oberbürgermeister Frank Mentrup hält eine Rede vor dem Karlsruher Rathaus. | Bild: Thomas Riedel

"Auch aus diesem Grund sehe ich die Aktionen, einfach an die Grenze zu fahren, Güter zu transportieren und Menschen mitzunehmen kritisch", meint der OB weiterhin. "Man sollte, wenn man Hilfe leistet auch den nächsten und den übernächsten Schritt beachten. So sollte man nur Hilfsgüter transportieren, wenn man vor Ort einen Abnehmer hat und nur Menschen mitnehmen, wenn Kontakt und Unterbringung schon sichergestellt sind."

"Die Stadt muss sehr schnell neue Wohnangebote liefern"

Die offizielle Unterbringung von staatlicher Seite sei nämlich ein nicht zu unterschätzender Fallstrick. Vielen Ukrainer, die aufgrund des Krieges ihre Heimat verlassen mussten, wolle man in Deutschland und Karlsruhe auch die Möglichkeit bieten, sich wirtschaftlich und gesellschaftlich zu integrieren, Arbeit zu finden oder Kinder zur Schule zu schicken, doch für diese Leistung müssten zunächst konkrete Zahlen und anschließend Wohnraum vorliegen.

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"Die meisten städtischen Flüchtlingsunterkünfte sind nur eine kurzfristige Lösung", sagt Meri Uhlig, Leiterin des Büros für Integration. "Das bedeutet, dass die Stadt neue Wohnungsangebote liefern - sowohl durch die Erweiterung der bestehenden Unterkünfte als auch durch das Akquirieren von Wohnraum und der verstärkten Kooperation mit privaten Vermietern. Die größte Herausforderung dabei wird sein, dass es sehr schnell gehen muss", so Uhlig.

Meri Uhlig, Schloss
Meri Uhlig, Integrationsbeauftragte der Stadt Karlsruhe und Leiterin des Büros für Integration. | Bild: Verena Müller-Witt

Es sei nämlich damit zu rechnen, dass sich die Lage der nach Deutschland fliehenden Ukrainer nur noch zuspitzen werde. "Bis dahin müssen wir verlässliche Strukturen gebildet haben. Um die Integration selbst kümmern wir uns dann, wenn wir diese Probleme überschauen können", so Uhlig weiter.

Genauere Maßnahmen sollen am Dienstag ab 15,30 Uhr bei einer Sondersitzung des Gemeinderates besprochen werden. Dazu gehörten auch eine Sondierung der Lage und eine Resolution.