70.043 Straftaten registrierte die Karlsruher Polizei in ihrem Zuständigkeitsbereich im vergangenen Jahr. 29.518 Verdächtige gerieten ins Visier der Ermittler, für einen Teil ging es dann in die Justizvollzugsanstalten des Landes. Hier zeichne sich ein eindeutiger Trend ab, wie Guido Wolf, Minister für Justiz und Europa im Land, erklärt. Die Zahl der Menschen, die in eine Justizvollzugsanstalt (JVA) eingeliefert wurden, sei angestiegen.
Belegung liegt bei 127 Prozent
Baden-Württemberg verfügt insgesamt über 17 Justizvollzugsanstalten mit 19 Außenstellen, zwei Jugendarrestanstalten, einem Justizvollzugskrankenhaus, einer Sozialtherapeutischen Anstalt sowie einer Justizvollzugsschule. Eine JVA hat ihren Sitz in der Karlsruher Weststadt.
Und wie im Rest des Landes auch sind die 110 Haftplätze überbelegt: "Im Februar 2017 befanden sich in der JVA Karlsruhe (Hauptanstalt) durchschnittlich 140 Gefangene, was einer Auslastung von 127 Prozent entspricht", so Robin Schray, Richter und Pressesprecher des Ministeriums für Justiz und Europa, auf Anfrage von ka-news. Dort werden Tatverdächtige im Untersuchungshaft untergebracht. Damit eine Zelle mehrfach belegt werden kann, müssen die betreffenden Gefangenen dieser Maßnahme zustimmen.
Etwas entspannter sieht die Lage in den beiden Außenstellen der JVA Karlsruhe aus. In Bühl, im geschlossenen Vollzug für weibliche Gefangene, waren im Februar die 28 Haftplätze im Schnitt auch mit 28 Gefangenen belegt. In der Jugendarrestanstalt Rastatt, welche ebenfalls eine Außenstelle der JVA Karlsruher ist, waren durchschnittlich 16 Gefangene in den über 50 Haftplätzen untergebracht.
"Starker Anstieg ausländischer Gefangener"
"Damit ist die JVA Karlsruhe (Hauptanstalt) wie einige andere Anstalten des Landes derzeit überbelegt", fasst Schray die Zahlen zusammen. Mit einer Überbelegung habe man im Land allerdings nicht gerechnet: "Dies beruht insbesondere auf einem starken Anstieg der Gefangenenzahlen seit Mitte des Jahres 2015, den niemand so vorhergesehen hat", erläutert Schray weiter.
Zuletzt seien die Zahlen zwischen 2002 und 2015, "auch demografisch bedingt", kontinuierlich gesunken. "Seit August 2015 hat sich dann insbesondere bei den Untersuchungsgefangenen ein sprunghafter Anstieg ergeben. Seitdem steigen die Zahlen Monat für Monat kontinuierlich", heißt es aus dem Landesministerium weiter. Der Grund: "Der Anstieg beruht insbesondere auf einem starken Anstieg ausländischer Gefangener", gibt Schray im Gespräch weiter an.
Kommunikation mit ausländischen Gefangenen ist problematisch
Es ist eine Situation, die auch für die Beschäftigten eine Herausforderung darstellt, so der Pressesprecher. "Dabei bleiben auch Konfliktsituationen nicht aus." Dem Ministerium für Justiz sei aber aus der JVA Karlsruhe in den vergangenen Monaten keine außergewöhnliche Konfliktsituationen bekannt.
Doch nicht die nur daraus resultierende Überbelegung fordert die Beschäftigten der JVA im Land. Um die nicht unerheblichen Probleme mit der Kommunikation mit den ausländischen Gefangenen zu lösen, wurde am Mittwoch in Karlsruhe unter Beisein von Justizminister Guido Wolf ein "OhneWörterBuch" vorgestellt.

Das Werk soll von den Vollzugsbediensteten mitgeführt werden und im Alltag die Basisverständigung mit den Gefangenen ermöglichen. Darin zu sehen sind sogenannte Schlüsselbilder, also Piktogramme, Bilder und Bildabfolgen. Entworfen hat die Bilder eine Kommunikationsdesignerin in Zusammenarbeit mit einer anstaltsinternen Arbeitsgruppe.
Für Justizminister Guido Wolf war der Termin am Mittwoch "kein alltäglicher", wie er betont. Er befürwortet es, dass mithilfe der Schlüsselbilder nun "kein Gefängnis im Gefängnis" mehr entstünde. Denn dank des Buches, an welchem 14 Monate lang gearbeitet wurde, könnten die Gefangenen in eine grundsätzliche Kommunikation treten. "Und so können Konflikte bereits im Keim erstickt werden", hofft der Minister.

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