Ein Auto zu besitzen ist Fluch und Segen zugleich - vor allem in der Innenstadt: Es lassen sich zwar beispielsweise größere Einkäufe einfacher transportieren, aber das Fahrzeug muss ja später auch irgendwo geparkt werden. Und genau hier hakt es in vielen Städten. Immer dort, wo viele Menschen auf kleinem Raum leben - und wo eben auch die vielen Menschen ihre Autos unterbringen wollen.

Dazu gehört, dass eine Stadt nicht beliebig schnell formbar ist. Wenn die Zahl der Einwohner in der Stadt ansteigt, diese mehr Fahrzeuge besitzen und diese Fahrzeuge dann noch größer sind als es ein Auto vor 20 Jahren war, kann eine Stadt, immobil und aus Stein gebaut, nicht in gleicher Geschwindigkeit mitwachsen.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Gehwegparken: Nie erlaubt, immer nur geduldet

Seit Jahren ist das Thema "Parken" bei Gemeinderat und dem zuständigen Planungsausschuss regelmäßig vertreten. Auch jüngst, beispielsweise durch den Vorstoß der Karlsruher Grünen, die Zahl der Stellflächen in der Stadt zu Nutzen der Radfahrer zu verringern. Vorerst, vor allem solang Karlsruhe noch eine Baustellenstadt ist, solle an der Zahl aber nichts geändert werden - vor allem da es stellenweise derzeit ohnehin eng zugeht.

Das sorgte auch dafür, dass in der Stadt des Rechts bemerkenswertes geschah: Ordnungswidrige - streng gesprochen: illegale - Zustände wurden kurzerhand legalisiert. Gehwegparken ist eigentlich grundsätzlich verboten. Da man sich bei der unter dem Parkdruck ächzenden Stadt jedoch nicht anders zu helfen wusste, erklärte man die Praxis lange Jahre für geduldet.

Alle Verkehrsteilnehmer sollen fairer behandelt werden

Eine Praxis aber, die bald der Vergangenheit angehören soll: Derzeit wird das Projekt "Fair Parken" in der Fächerstadt umgesetzt. "Nicht selten endet die Park­platz­su­che dort, wo das eigene Fahrzeug andere behindert. So brau­chen Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinder­wa­gen e­benso wie Kinder unter acht Jahren, die auf dem Gehweg Rad­fah­ren müssen, eine ausrei­chende Gehweg­breite (mindes­tens 1,60 Meter)", rechtfertigt die Stadt das Vorgehen. Wird aber nicht auf beiden Seiten auf dem Gehweg geparkt, verbleibt keine ausreichende Breite der Fahrbahn, um beispielsweise Rettungskräften eine freie Fahrt zu ermöglichen.

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(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

In der Nordweststadt, in der Innenstadt West und Ost, der Nordstadt, der Südstadt, Knielingen, Hagsfeld, Neureut und der Waldstadt sei das Projekt bereits umgesetzt worden - der Rest soll bis Jahresende folgen. "Zum Verlauf des Konzepts können wir Ihnen mitteilen, dass unsere bisherigen Erfahrungswerte bei der Umsetzung durchaus positiv sind", so Helga Riedel vom Presse- und Informationsamt der Stadt.

Nicht nur Zustimmung bei der Bevölkerung

"Es hat sich gezeigt, dass das Konzept auch in Straßen mit hohem Parkdruck nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase funktioniert", gibt Riedel weiter an. "Die Reaktionen aus der Bevölkerung sind dabei durchaus unterschiedlich und reichen von viel Zustimmung bis hin zur Ablehnung."

Diese Ablehnung haben die Bürger auch gegenüber ka-news geäußert: "Das Chaos ist natürlich perfekt", kritisiert eine ka-Reporterin die Situation in Knielingen, "ich habe jetzt das Problem, dass ich gar nicht mehr vor dem Haus, in dem ich wohne, parken darf." Andere kritisieren, dass nun noch weniger Platz auf dem Gehweg ist.

Das neue Parkkonzept sorgt in Knielingen für Frust
Das neue Parkkonzept sorgt in Knielingen für Frust | Bild: ka-Reporter

Ob die Maßnahmen aus Sicht der Stadt bislang erfolgreich waren, wolle man noch nicht sagen: Eine genaue Auswertung steht noch aus. Und erst wenn diese vorliegt, will sich die Stadt Gedanken über weitere Maßnahmen im Parkraum - wie etwa Bewohnerparken machen.

Dass auch hier Bedarf besteht, geht aus der Nachricht einer anderen ka-Reporterin aus der Meidingerstraße hinter dem Badischen Staatstheater hervor: "Jeder Einwohner hier hat zu kämpfen, um einen Parkplatz zu ergattern und das nur, weil hier alle parken, um mal in die Stadt oder ins Staatstheater zu gehen", kritisiert sie. Der Wunsch nach einem Bewohnerparkraum blieb bislang von der Stadt unbeantwortet.

Bild: Paul Needhem

Doch selbst ein Bewohnerparkausweis, der 30 Euro im Jahr kostet, garantiert keinen festen Stellplatz: "Es sind immer mehr Ausweise im Umlauf wie Parkplätze vorhanden", informiert die Stadt auf ihrer Seite. Das Verhältnis liege etwa bei 3 Ausweisen pro Parkplatz.

Mit weiteren Veränderungen bei den Karlsruher Parkflächen kann erst nach Abschluss des Projekts "Faires Parken" gerechnet werden - also wohl erst 2019. Unklar ist jedoch, ob überhaupt weitere Bewohnerparkzonen eingerichtet werden sollen. Der Oberbürgermeister Frank Mentrup wandte 2017 dagegen ein, dass es Ausweichbewegungen geben würde und sich das Problem der Parkplatzknappheiten einfach ein Quartier weiter in Richtung Stadtrand bewegen würde. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Parksituation nach Ende des Gehwegparkens entwickelt. Beschlossen ist noch nichts.

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(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel
 
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