Erst am Mittwoch ließ ein S-Bahn-Unfall am ZKM den Verkehr stocken.Bahn kontra Auto - das passierte nicht zum ersten Mal.
"Die Unfälle haben überhaupt nichts mit den Baustellen der Kombilösung zu tun", erklärt Eberhard Hohnecker im Gespräch mit ka-news. Er ist Universitätsprofessor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) für Eisenbahnwesen, lehrt dort öffentliches Verkehrswesen und kennt den Nahverkehr in der Fächerstadt genau. Die hohe Zahl der Unfälle in Karlsruhe habe andere Gründe.
Bahnen sind selten allein schuld
So gebe es in der Fächerstadt im Vergleich zu anderen Großstädten, wie Mannheim oder Stuttgart, sehr viele sogenannter "straßenbündiger Bahnkörper", erläutert Hohnecker. Als solche werden Schienen bezeichnet, die ohne besondere Abgrenzung oder Höhenunterschied in die Straße oder gar in eine Fußgängerzone eingelassen sind. Beispielhaft nennt der Experte Teile der Kaiserstraße.
Diese Konstellation bedeutet an vielen Orten in Karlsruhe eine gemeinsame Nutzung der Straße von Fußgängern, Radfahrern, Autos und Straßenbahnen. Ein Umstand, der das Unfallrisiko steigert. Hohnecker macht deutlich: "Meist sind andere Verkehrsteilnehmer, beispielsweise Fußgänger oder Autofahrer, mitverantwortlich für die Unfälle. Nur sehr selten sind ausschließlich Bahnen beteiligt."
Hinzu kommt, führt der Experte aus, dass in Karlsruhe überdurchschnittlich viele Bahnen "auf Sicht" fahren. Das heißt, dass die Abstände zwischen den einzelnen Fahrzeugen unterschiedlich sind - die alleinige Verantwortung liegt ähnlich wie im Straßenverkehr beim Fahrer.
"Fahren im Raumabstand verringert Unfallrisiko"
Sicherer wäre dagegen das sogenannte Fahren im Raumabstand. Bei dieser Variante regeln Signale exakt, welcher Zug sich wann in einem gewissen Streckenabschnitt aufhält. Da dieses "Fahren im Raumabstand" in Karlsruhe derzeit aber eher selten ist, mahnt der Experte die anderen Verkehrsteilnehmer zu besonderer Vorsicht: "Es gilt immer zu bedenken, dass eine Bahn nicht bremsen kann wie ein Auto", macht Hohnecker klar. Stattdessen sind die Bremswege lang und die Gefahr für die Fahrgäste im Falle einer Notbremsung groß.
Nach Fertigstellung der Kombilösung ist die gemeinsame Nutzung der Straße in der Innenstadt durch alle Verkehrsteilnehmer Geschichte - doch wird der Bahnverkehr dadurch sicherer? Hohnecker hat daran keinen Zweifel: "Im unterirdischen Bereich müssen sich die Bahnen die Strecke natürlich nicht mit Autos, Fußgängern oder Radfahrern teilen." Hinzu komme, dass die Bahnen unter der Erde niemals "auf Sicht", sondern ausschließlich im Raumabstand fahren könnten: "Das macht das Unfallrisiko insgesamt spürbar kleiner", resümiert Hohnecker.
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