Ein aufregendes Jahr liegt hinter dem Städtischen Klinikum. Nicht nur wegen Corona - auch ein Wechsel der Geschäftsleitung sowie der Baufortschritt des Hauses M standen beim größten Krankenhaus des mittleren Oberrhein auf dem Programm.
Vorkehrungen in der Corona Pandemie
Eine vorgezogene Inbetriebnahme des Hauses M könne aufgrund von Corona in Betracht gezogen werden, sobald die Kapazitäten es fordern, so der Geschäftsführer Markus Heming. Man sei aber für den weiteren Anstieg der Infektionszahlen "gerüstet", ergänzt Geißler.
Dennoch begrüße das Krankenhaus die Idee eines "Light Lockdowns", um die Infektionszahlen zu senken.

Bis zu 42 Intensivbetten können, laut Geißler, zur Verfügung gestellt werden, um Corona Patienten zu versorgen. Auch für genügend Beatmungsgeräte sei gesorgt.
Aktuell werden 20 Covid-19 Patienten im Städtischen Klinikum behandelt, drei davon befinden sich auf der Intensivstation. An der Erkrankung sind bisher 23 Patienten verstorben.
Trennung zwischen covid Patienten und nicht-covid Patienten
Des Weiteren sei infolge der Pandemie ein Zahleneinbruch von rund 30 Prozent bei den Notaufnahmen zu verzeichnen. Der Grund: Die Menschen trauen sich wegen infizierter Corona-Patienten nicht ins Krankenhaus. Laut Geißer sei diese Sorge aber unbegründet.

So soll mithilfe eines Fragebogens, eines sogenannten "Point of Care Tests", bereits vorab abgeklärt werden, ob der Patient an Corona erkrankt sei. Herfür werden separate Behandlungsteams eingesetzt, die die Patienten in covid-19 Patienten und nicht-covid-19 Patienten einteilen. Dementsprechend sei das Krankenhaus in ein covid-Krankenhaus und ein Non-covid-Krankenhaus eingeteilt worden.

Die separate Erstbehandlung erfolgt in einem extra errichteten Containerkomplex vor dem Gebäude der zentralen Notaufnahme (ZNA), bestehend aus 10 Containern.
Notfallpatienten, bei denen kein Corona Verdacht besteht, werden dann zur weiteren Versorgung in den Gebäudetrakt der ZNA weitergeleitet. Bestätigte covid-19 Fälle werden, sofern eine stationäre Aufnahme erforderlich ist, auf die Infektstation oder auf eine eigene covid-Intensivstation gebracht.

Wechsel in der Führungsetage
Das Klinikum steht nun unter neuer Leitung. Nach 20 Monaten überreicht Uwe Spetzger die Führung an Michael Geißler. Spetzger möchte sich fortan auf seine Stelle als Direktor der Neurochirurgischen Klinik und auf seinen Lehrauftrag am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) konzentrieren.

Geißler ist Infektologe und hat aus seiner Tätigkeit am Corona-Krisenstab der Stadt Esslingen einiges an Erfahrungen bezüglich Pandemiebekämpfung sammeln können.
Positive Bauentwicklungen
Bezüglich des baulichen Fortschritts von Haus M und Haus T zeigt sich Geschäftsführer Markus Heming zufrieden. Zeit und Kostenrahmen konnten eingehalten werden - insgesamt 194,2 Millionen Euro sind in die Baumaßnahmen eingeflossen. Ende März soll das Haus in Betrieb genommen werden.

Mehrkosten und Wirtschaftliche Folgen
Das Wachpersonal wurde ebenfalls verstärkt, wodurch das Krankenhaus mit mehr Kosten zu rechnen habe. Dennoch soll die Personalgewinnung und -bindung auch in der Zukunft an oberster Stelle des Städtischen Klinikums stehen. So wurde das Pflegepersonal inzwischen auf 1600 Vollkraftstellen aufgestockt.

Doch nicht nur der verstärkte Sicherheitsdienst, auch Schutzkleidung und Desinfektionsmittel mussten infolge der Pandemie aufgestockt werden. So stieg der Verbrauch von Handschuhen, Mundschutz und Co. um 140 Prozent. Bei Hand und Desinfektionsmitteln um 23 Prozent.
Die wirtschaftlichen Folgen seien zwar "gravierend, aber noch nicht abschließend kalkulierbar", so das Städtische Klinikum. Der Jahresabschluss 2019 stelle sich aber noch positiv dar. So verzeichne das positive Ergebnisveränderung von 0,8 Millionen Euro.