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Karlsruhe Mehr Platz für Radfahrer und Bürger-Projekte: Ein neues Konzept gestaltet die Karlsruher Innenstadt um

Ideen für den Einzelhandel, für Gestaltung und Mobilität - Konzepte, wie die Karlsruher Innenstadt nach der Fertigstellung der Kombilösung aussehen könnte, gibt es viele. Um sie übersichtlicher zu gestalten und die Bürger künftig stärker in die Planungen einzubinden, wird nun das IQ-Leitprojekt "Öffentlicher Raum und Mobilität in der Innenstadt" (ÖRMI) entwickelt. Wie die Fächerstadt sich dadurch in den kommenden Jahren verändern wird, dazu gibt es aber schon jetzt erste konkrete Ideen.

Die Schienen in der Kaiserstraße verschwinden, der Marktplatz wird umgestaltet, die Kriegsstraße bekommt ein neues Gesicht - baulich tut sich in der Karlsruher Innenstadt aktuell und in naher Zukunft einiges. Weitere Konzepte sind langfristig geplant. Das übergeordnete Ziel aller Maßnahmen: Nach der Fertigstellung der Kombilösung soll die City ein "neues Gesicht" bekommen.

Ziel von ÖRMI: Mehr Aufenthaltsqualität

Zwei Aspekten wurde dabei nach Ansicht der Stadt Karlsruhe bisher allerdings noch zu wenig Bedeutung zugemessen: Der Mobilität und der Ausgestaltung des öffentlichen Raums. Dafür soll nun das sogenannte ÖRMI-Konzept entwickelt werden. Drei teils international agierende Planungsbüros sind bei der Ausarbeitung beteiligt:

  • Gehl People aus Kopenhagen (Stadtplanung und Strategie)
  • Argus aus Hamburg (Verkehrsplanung)
  • Weeber+Partner aus Stuttgart (Bürgerbeteiligung)

Themen wie Parken, Zulieferverkehr, autofreie Innenstadt, Entwicklung des Rad- und Fußverkehrs sowie die verstärkte Nutzung von Plätzen durch verschiedene Bürgerinitiativen sollen dabei im Fokus stehen. Das Ziel: Die Aufenthalts- und Lebensqualität zu steigern.

"Zum Einkaufen oder zur Freizeitgestaltung allein kommt niemand mehr in die Innenstadt"

"In der Karlsruher Innenstadt liegen viele Möglichkeiten nah beieinander. Hier kann etwa eingekauft, gewohnt, die Freizeit gestaltet und Fußball gespielt werden - und alles durch kurze Wege verbunden. Aber nicht erst durch Corona wird in Karlsruhe deutlich: Für eine dieser Aktivitäten allein kommt niemand mehr in die Innenstadt", erklärt Oberbürgermeister Frank Mentrup bei der Vorstellung des Konzepts am Mittwoch.

Brigitte Bundesen Svarre | Bild: Melissa Betsch

Man wolle sich daher darauf konzentrieren, den "Besuch der Stadt zu einem Gesamterlebnis zu machen". "Karlsruhe steckt voller Leben. Das möchten wir nutzen und alle Bedürfnisse vereinen, um so einen Mehrwert zu schaffen. Wir wissen nicht, wie die Innenstadt in zehn Jahren aussieht, aber so wollen wir einen robusten Rahmen für alle weiteren Entwicklungen schaffen", sagt Brigitte Bundesen Svarre vom Büro Gehl People, das die Federführung des Projekts innehat.

Konzepte werden zusammengefasst

Ein weiterer Vorteil des Projekts: Schon bestehende Konzepte und Planungen zur Gestaltung der Innenstadt sollen in ÖRMI zu einem großen Gesamtkonzept vereint werden und die künftige Planung so einfacher machen. Dazu gehören:

  • das Plätze- und Höfe-Konzept von 2003
  • das Cima-Gutachten zur Stärkung des Einzelhandels
  • die Planungen zum Sanierungsgebiet Innenstadt-Ost
  • die Planungen zur Umgestaltung der Innenstadt im Zuge der Kombilösung

Bis zum Herbst 2021 soll das ÖRMI-Konzept fertiggestellt sein. Doch schon jetzt gibt es erste Ideen von Seiten der Stadtverwaltung und der Planer, welche Bereiche der Innenstadt konkret verändert werden könnten, welche OB Mentrup bei einem kurzen Rundgang durch die Innenstadt erläutert:

1. Cityroute Süd in Kriegsstraße verlegen

Hier wolle man überlegen, die Rad-Cityroute-Süd in die dann neu gestaltete Kriegsstraße zu verlegen, um die von Radlern stark frequentierte Querung zu entschärfen.

2. Eine direkte Radverbindung zwischen Europaplatz und Karlstor schaffen

Dies gestalte sich laut OB Mentrup schwierig, da in der Karlstraße alle Verkehrsteilnehmer aufeinandertreffen und jeder einen eigenen Raum erhalten soll. Ein zusätzliches Problem: Entgegen ursprünglicher Planungen kann die Haltestelle Europaplatz (Karlstraße) nicht auf den Platz selbst verlegt werden, sondern muss an Ort und Stelle bleiben. Der Grund: "Die Bahnen mit Doppeltraktionen würden sonst nicht auf den Platz passen", so Frank Mentrup.

3. Europaplatz könnte autofrei werden

Die Fußgängerzone der Kaiserstraße könnte zudem bis zum Kaiserplatz verlängert werden. "Da der Europaplatz stark genutzt wird und räumlich eng ist, gestaltet sich das schwierig", so das Stadtoberhaupt. Der Europaplatz soll zudem - zusammen mit anderen Plätzen in der City - eine "einheitliche Struktur" erhalten.

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4. Plätze mit mehr Charakter - Bürger sollen öffentlichen Raum mitgestalten

Ein zentraler Aspekt des Konzepts. Um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, soll auf den Plätzen und Straßen in der Karlsruher Innenstadt mehr Raum für Initiativen entstehen, die Bürger selbst organisieren. "Denkbar wäre etwa eine Art Speakers' Corner für Studenten oder freie Projektfelder für kulturelle Nutzungen", so Mentrup.

Frank Mentrup | Bild: Melissa Betsch

Die Bereiche sollen durch das IQ-Leitprojekt so gestaltet werden, dass unterschiedliche Gruppen sie für unterschiedliche Projekte nutzen können - etwa durch freigehaltene Flächen. Hierfür könnte ein "Intendant" für den jeweiligen Platz eingesetzt werden, der die Vergabe der Flächen prüft. Dann auch denkbar: Besondere Aktionen - wie ein Pool in der Innenstadt im Zuge der Kombilösung im Sommer 2013

Bedeutet das weitere Baustellen für die Innenstadt?

"Nicht unbedingt", sagt Frank Mentrup. Man solle sich darunter mehr eine Weiterentwicklung der Innenstadt vorstellen - ohne große infrastrukturelle Eingriffe. "Es geht weniger um die haptische Gestaltung als um die Konzentration auf die Anziehungskraft und die Atmosphäre - das ist kein neues, sondern ein anderes Bauen." Ein weiterer Vorteil soll bieten, dass sich die Bürger direkt an der Gestaltung beteiligen können.

Damit das gelingt, sollen im Jahr 2021 Reallabore im öffentlichen Raum eingerichtet werden, um das Konzept während der Laufzeit überprüfen zu können. Ein erster öffentlicher Auftakttermin der Bürgerbeteiligung ist am 24. September um 18 Uhr im Bürgerzentrum Südwerk geplant. Ein erstes Grobkonzept soll dann im kommenden Frühjahr vorgelegt werden.

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Karlsruhes Zukunft | ka-news.de: Wohnen, Arbeiten, Freiraum, Klima und Mobilität - Karlsruhe richtet sich mit dem Räumlichen Leitbild strategisch auf die Zukunft aus. Erste Vorhaben und Projekte werden bereits verwirklicht. In diesem Dossier werden die aktuellen Entwicklungen zum Räumlichen Leitbild gesammelt und kritisch beleuchtet.
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  •   mikado46
    (197 Beiträge)

    21.08.2020 16:41 Uhr
    Meinen nächsten Wagen....
    ...kaufe ich bestimmt nicht in Karlsruhe.
    Ich unterstütze doch nicht eine autofeindliche Stadt.

    Wie sagte doch Herrn Kretschmann : mit jeder S-Bahn die wir bauen, müssen die Autos weniger werden.
    Sehr geehrter Herr Kretschmann, Mercedes, Porsche und Zulieferer liegen am Boden, und somit fallen
    für BW beträchliche Steuereinnahmen aus.
    Steuern Sie dagegen ! Bauen Sie S-Bahnen, und retten Sie mit dessen Steueraufkommen die Finanzkraft
    von BW .
    Nur dumm dass die S-Bahnen keinen Cent Gewinn abwerfen, und eine Menge an Subventionen
    verschlingen.
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  •   Freigeist1
    (1422 Beiträge)

    21.08.2020 21:03 Uhr
    Sie schwelgen in
    Extremen. Karlsruhe ist keineswegs "autofeindlich", sondern bisher offenbar viel zu "autofreundlich". Sonst hätten sich ja in der Vergangenheit nicht so viele Bürger ein Auto gekauft zwinkern
    Jetzt der Autoindustrie zu Liebe den gefährlichen Platzmangel für Radfahrer und Fußgänger nicht anzugehen, das wäre schon eine sehr schräge Idee, damit die Manager weiter munter Fehler begehen können (bis hin zum Betrug, wie ich gehört habe), wie sie lustig sind. Nee, nee.
    Also in der Wirtschaft geht das eigentlich so, dass Firmen gefragte Produkte auf den Markt bringen und dadurch erfolgreich sind (und entsprechend Arbeitsplätze bieten).
    Wenn die entsprechenden Manager da versagen, sollte sicher kein Politiker versuchen gegen den Willen der Bürger künstlich die Nachfrage anzuheizen, etwa in dem er die Interessen der Radfahrer mit Füssen tritt. Würde auch eh nicht funktionieren. Typischer Rohrkrepierer.
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  •   mueck
    (11748 Beiträge)

    21.08.2020 11:25 Uhr
    !
    In der Tat wüsste ich, wenn es mit der Abnahme durch die Behörden nicht klappt, siehe BER, schon eine Alternative zum Chamignonzüchten ... zwinkern

    Ansonsten kann man das mit dem überdachten Radweg ganz einfach selbst machen!

    ... wenn man das nötige Kleingeld dafür hat ... traurig
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  •   tom1966
    (409 Beiträge)

    21.08.2020 10:39 Uhr
    Auto oder Fahrrad?
    Was ist besser? Mich nerven nur die Statements vom "Bösen Autofahrer" oder " Bösen Radfahrer", die immer wieder auftauchen. Beide Verkehrsmittel haben ihre Bedeutung und sollten daher gleichberechtigt bei Planungen berücksichtigt werden.

    Es gibt Situationen, da nerven mich als Radfahrer die Autofahrer und umgekehrt.

    In einem Punkt muss ich jedoch einigen meiner Vorredner ( oder besser -schreiber) Recht geben: Es scheint viele Radafahrer zu geben, für die Verkehrsregeln nicht existent sind: Rote Ampeln, Handynutzung, Fahren auf dem Gehweg / in Fußgängerzonen, Vorfahrtsregeln, BELEUCHTUNG... Wie gesagt, es scheint so, das ist eine subjektive Wahrnehmung meinerseits und muss nicht unbedingt richtig sein.
    Fakt ist jedoch, dass ich als Fahrradfahrer bei Verkehrsverstößen kaum mit einer Ahndung rechnen muss: Wer soll mir denn schon beweisen, dass ich das war.
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  •   jmiles
    (126 Beiträge)

    21.08.2020 12:56 Uhr
    Kennzeichen
    Aus diesem Grund sind Kennzeichen für Radfahrer längst überfällig.
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  •   mueck
    (11748 Beiträge)

    21.08.2020 10:46 Uhr
    ...
    ... als wenn die Autofahrer da viel besser wären ...
    Nur werden deren Verstöße offenbar als normal empfunden. Unter jedem Artikel zu Tempoverstößen hier wird es als "Grundrecht" verteidigt, a weng schneller als erlaubt fahren zu dürfen und Kontrollen als Abzocke zu verunglimpfen. Dito beim (Gehweg-)Parken. "Die Älteren unter uns" (also die, die vor 1-3 Jahren hier schon schruben und sich noch dran erinnern zwinkern ) erinnern sich noch an die Neuregelungen zum Gehwegparken und wie das "Grundrecht" auf Parken vor der eigenen Haustür verteidigt wurde. Ähnliche Diskussionen gibt es bei "Kirschgrün". Und wo Du "Beleuchtung" erwähnst: Bei 90% der Autofahrer sind offenbar die Blinker defekt. Kennzeichenleuchten auch oft und "Einäugige" kann man im Winter auch mehr als genug sehen ... Abstand zu Radlern hält auch kaum jemand korrekte 1,50/2,00, was schon vor der StVO-Novelle von der Rechtsprechung gefordert war ... Wir brauchen anscheinend zur Ahndung unbedingt Kennzeichen für Autos!!!111elf zwinkern
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  •   mueck
    (11748 Beiträge)

    21.08.2020 10:51 Uhr
    ...
    ... und Handys an Autofahrerohren siehrt man auch oft genug, wenn man mal hinschaut, was bei Autofahrern schwieriger als bei Radfahrern ist.
    Mit anderen Worten: Die Autofahrer sitzen im Glashaus und sollten die Steine besser in Ruhe liegen lassen ...
    Die Fehlerquote dürfte bei Radfahrern nicht viel höher sein ...
    Ein obskurer Autoclub hat kürzlich aus einer Stichprobe an einigen Münchner Ampeln die Roradelzahl von München/Bayer/Schland oder so hochgerechnet.
    Wenn man aber mal zu Recht die Zahl der Radfahrten in diesem Gebiet gegenrechnet, was Radfahrer getan haben, kam nur eine kleine einstellige Zahl an Rotlichtsündern raus, dumm gelaufen ... zwinkern
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  •   tom1966
    (409 Beiträge)

    24.08.2020 13:51 Uhr
    Ja , aber du..... oder besser: Ja, aber die Autofahrer...
    Etwas anderes kann ich dem Beitrag nicht entnehmen. Es ist ja alles richtig, es gibt genügend Autofahrer, die sich rücksichtslos verhalten. Ist das aber ein Grund es auch zu tun? Wäre es nicht besser, sich an Regeln zu halten, die für alle gelten?
    In einer anderen Diskussion hier auf KA-News hat ein Radfahrer sich damit gebrüstet, regelmäßig das Rotlich von Ampeln zu missachten. Ein anderer gab an, auf Steigungen möglichst mitten auf der Fahrbahn zu fahren, um Autofahrern das Überholen zu erschweren oder unmöglich zu machen. Ich nenne so ein Verhalten rücksichtslos und bezeichnend für die heute imme weiter um sich greifende Mentalität: Erst komme ich, dann lange nichts, dann ein großer Sch..haufen und dann der Rest der Welt.
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  •   tom1966
    (409 Beiträge)

    24.08.2020 13:56 Uhr
    Verkehrsverstöße von Radfahrern
    Tatsache ist, dass Verkehrsverstöße von Fahrradfahrern nur sehr sehr selten geahndet werden. Fahrräder haben eben kein Kennzeichen, mit dessen Hilfe sie ermittelt werden können. Sie müssten schon vor dem Streifenwagen über die rote Ampel fahren, damit etwas passiert. (Das gleiche gilt übrigens auch für Motorradfahrer, wenn von vorne geblitzt wird).
    Leider gibt es Radfahrer(oder auch Motorradfahrer( ich fahre übrigens beides auch, also nicht beleidigt sein)), die dies gnaden- und rücksichtslos ausnutzen und damit alle anderen in ein schlechtes Licht rücken. Für rücksichtslose Autofahrer gilt das auch.
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  •   mueck
    (11748 Beiträge)

    24.08.2020 17:40 Uhr
    !
    Autoklub Mobil in Deutschland rechnet hoch: 25.000 Rotlichverstöße durch Radler am Tag in München!!!!11

    Hier lesen wir: die Münchener machen pro Tag 4,8 Mio. Wege, der Radanteil ist 18%, macht 864.000 Radfahrten/Tag.

    Daraus ergibt sich, dass auf 3 % der Fahrten ein Rotlicht missachtet wird, vielleicht auch weniger, wenn 1 Radler pro Fahrt mehrmals Rot "übersieht" ...
    97 % regeltreue Radfahrer an Ampeln, ich weiß nicht, was Du willst, das ist doch um Längen besser als die Regeltreue der Autofahrer alleine beim Parken gewesen vor der Einführung von "Fair parken", als jeder 2. Autofahrer verbotswidrig auf dem Gehweg geparkt hat ... Das hat auch keine Sau geahndet ...
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