Der Sportpark "Untere Hub" bestimmte bereits vor einer Woche den Abend im Durlacher Ortschaftsrat. Dort war man sich einig, dass bis Sommer 2014 weiter darüber verhandelt werden soll, wie die Kosten vor Ort erheblich reduziert und gleichzeitig die Erlöse erhöht werden können. Die Verhandlungen soll die Stadt Karlsruhe führen.

Dieser Meinung ist auch der Karlsruher Gemeinderat. Die Stadträte beauftragten am Dienstag einstimmig die Stadtverwaltung, zu prüfen, wie die Kosten für das Projekt zu senken und die Erlöse zu steigern sind. Eine Grundsatzentscheidung für das Bauvorhaben wird nicht vor dem Sommer 2014 erwartet.

Bisherige Bilanz "Untere Hub": 20 bis 25 Millionen Euro nötig

Der Sport- und Freizeitpark "Untere Hub" soll ein gemeinsamer Standort für vier Durlacher Sportvereine werden. Für den ASV und DJK gibt es an den jetzigen Standorten keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Außerdem besteht dort erheblicher Sanierungsbedarf. Die beiden Vereine streben daher seit 2007 eine Verlagerung an die Sportstätten der Turnerschaft Durlach an. Auch der TC Durlach soll sich der Verlagerung anschließen. Durch dieses Vorhaben sollen entstehende Synergieeffekte zwischen den Vereinen genutzt werden. Außerdem sollen dann auf den freiwerdenden Sportflächen neue Wohnungen gebaut werden. In Durlach fehlen laut Stadtverwaltung bis 2017 über 3.000 Mietwohnungen. (Hier die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung im Wortlaut - Link führt zu PDF-Format auf Webseite der Stadt Karlsruhe)

Neben der Schaffung neues Wohnraums soll durch den neuen Sportpark auch die Schulsportsituation im Stadtteil verbessert werden. Nach aktuellen Kalkulationen liegt die Bilanz des Sportparks "Untere Hub" noch deutlich im Minus. Die Stadt müsste demnach etwa 20 bis 25 Millionen Euro investieren. Eine zu hohe Summe für die Karlsruher Stadträte, wie bei der Debatte am Dienstag deutlich wurde.

Bürgermeister Martin Lenz sieht durch die Verlagerung der Vereine eine Chance, Grundstücke in Durlach der Wohnnutzung zuzuführen. Das sei ganz im Sinne der Stadtteilentwicklung. Auch sei die Sporthallensituation in Durlach nicht ausreichend, um den Schulsportbedarf zu decken. Die zum jetzigen Zeitpunkt erkennbaren Erlöse und Kosten für die Realisierung des Sportparks seien noch recht hoch. "Jetzt geht es darum die Erlöse zu steigern und die Ausgaben zu senken", so Lenz.

Wohnraum schaffen, Vereinssport stärken - aber nicht für so viel Geld

Die CDU-Fraktion "wäre gerne schon weiter", so Stadtrat Detlef Hofmann zu den Sportpark-Plänen. "Die CDU-Fraktion steht schon immer zu dem Projekt." Das Projekt bedeute einerseits Schaffung von Wohnraum und gleichzeitig für die Vereine Synergieeffekte. Zudem sei klar, dass Ausgaben von 20 Millionen Euro nicht durchsetzbar seien - auch weil diese hohe Investition ungerecht anderen Vereinen in Karlsruhe gegenüber wäre.

Wohnraum schaffen, Schulsport verbessern, Vereinsport stärken - das seien auch Ziele der Karlsruher Grünen, so Ute Leidig. Doch nicht für 20 bis 25 Millionen Euro. Diese hohe Summe wäre auch aus Sicht der Grünen nicht gerecht anderen Vereinen gegenüber, zudem seien Probleme mit dem Naturschutz am Standort noch nicht ausreichend geklärt. Den Grünen sei es vor allem wichtig, dass der später entstehende Wohnraum bezahlbar sei - für junge Familien und Rentner.

SPD-Stadtrat Hans Pfalzgraf wies darauf hin, dass es sich lediglich um einen Arbeitsauftrag an die Stadtverwaltung und keine Grundsatzentscheidung handle. Zudem seien die genannten Zahlen "derzeit nicht belastbar". Die SPD begrüße aber jede Möglichkeit, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

OB Mentrup: "einvernehmliche Lösung braucht Zeit"

"Die FDP steht dem Vorhaben sehr kritisch gegenüber", so Stadträtin Rita Fromm. Sie bemerkte: "Der Tennisclub Durlach ist bisher auf der Strecke geblieben." Der Verein sei nicht bereit das "wunderbar gelegene Gelände aufzugeben". Es gehe hierbei nicht um Erweiterung, sondern um Bestandssicherheit für den Tennisclub. Zudem müsse Schulsport nahe an den Schulen stattfinden. Der Standort "Untere Hub" sei hierfür nicht geeignet. Die Fraktion werde sich einer Untersuchung aber nicht verschließen.

Eberhard Fischer von der Karlsruher Liste (KAL) betonte: "Es geht nicht um eine Grundsatzentscheidung, sondern um einen Arbeitsauftrag." Die KAL sei für das Projekt Sport- und Freizeitpark Untere Hub. "Die Schulsportsituation in Durlach ist unter aller Kanone." Es gehe aber vorerst nicht um ein Ja oder Nein zum Projekt. Letztlich müsse das Projekt bezahlbar sein. "Weitermachen, arbeiten, planen, rechnen - es gibt keinen Freifahrschein für dieses Projekt", machte Fischer deutlich.

"Wo ein Wille ist, ist auch ei Ziel", so FW-Stadtrat Jürgen Wenzel. Auch die Freien Wähler unterstützen den Arbeitsauftrag an die Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Frank Mentrup erklärte abschließend: "Eine einvernehmliche Lösung braucht Zeit. Wie müssen das gemeinsam anpacken und Schritt für Schritt weitermachen." Auch in enger Absprache mit den Vereinen vor Ort.

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